Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Die Zukunft des bayerischen Alpentourismus hängt nicht mehr am Schnee, sondern an der schonungslosen Neubewertung Ihrer Vermögenswerte und Risiken.

  • Die künstliche Beschneiung erreicht durch explodierende Energiepreise und fehlende Frostnächte ihre betriebswirtschaftliche Belastungsgrenze.
  • Immobilien in gefährdeten Lagen drohen durch steigende Naturgefahren unversicherbar und damit zu wertlosen „Stranded Assets“ zu werden.

Empfehlung: Bewerten Sie die Ganzjahrestauglichkeit und Versicherbarkeit jedes einzelnen Vermögenswertes und diversifizieren Sie Ihr Portfolio radikal weg von der reinen Wetterabhängigkeit hin zu einem resilienten Geschäftsmodell.

Die Bilder von grünen Hängen an Weihnachten sind für Hoteliers, Tourismusverbände und Investoren in den bayerischen Alpen mehr als nur eine enttäuschte Hoffnung auf weiße Feiertage. Sie sind ein knallhartes Signal für eine wirtschaftliche Realität, die sich nicht länger ignorieren lässt: Das Geschäftsmodell, das über Jahrzehnte auf Schneesicherheit in mittleren Lagen aufgebaut wurde, erodiert. Die Reflexe sind bekannt: Man spricht über den Ausbau des Sommertourismus, über Wanderwege und Mountainbike-Trails. Doch das greift zu kurz.

Diese Diskussionen kratzen nur an der Oberfläche eines viel fundamentaleren Problems. Sie beantworten nicht die entscheidenden Fragen, die Sie sich als Unternehmer stellen müssen: Was ist mein Skilift noch wert, wenn er die Hälfte des Winters stillsteht? Wie kann ich mein Hotel im November füllen? Und die vielleicht wichtigste Frage: Ist meine Immobilie, mein Lebenswerk, in zehn Jahren überhaupt noch gegen die immer häufiger werdenden Naturgefahren versicherbar?

Wenn wir also über die Zukunft des Wintertourismus sprechen, dürfen wir nicht in Nostalgie verfallen. Es geht nicht darum, den letzten Rest Schnee mit aller Macht zu verteidigen. Es geht um eine rationale, betriebswirtschaftliche Neuausrichtung. Die wahre Herausforderung liegt nicht in der Schaffung neuer Freizeitangebote, sondern in der intelligenten Neubewertung bestehender Assets, der Minimierung von Klumpenrisiken und der strategischen Transformation von wetterabhängiger Infrastruktur in profitable, resilient aufgestellte Ganzjahres-Angebote. Dieser Artikel liefert keine weiteren touristischen Broschüren-Ideen, sondern eine wirtschaftliche Analyse der Risiken und eine strategische Grundlage für Ihre Entscheidungen.

Dieser Beitrag analysiert die kritischen wirtschaftlichen, infrastrukturellen und versicherungstechnischen Aspekte, die über die Zukunftsfähigkeit von Tourismusbetrieben in den bayerischen Alpen entscheiden. Die folgende Gliederung führt Sie durch die zentralen Herausforderungen und strategischen Lösungsansätze.

Lohnt sich die Schneekanone noch, wenn der Strompreis steigt und es nachts nicht mehr friert?

Die Schneekanone war lange die technologische Versicherungspolice gegen milde Winter. Doch diese Police wird unbezahlbar. Die Kalkulation basiert auf zwei Säulen, die beide gleichzeitig bröckeln: ausreichend kalte Nächte und bezahlbare Energie. Die zunehmende Frequenz von Wintern, in denen die Null-Grad-Grenze selbst nachts kaum noch unterschritten wird, reduziert die Einsatzfenster drastisch. Jeder Betriebsstunde, die ausfällt, kann nicht nachgeholt werden. Das allein macht die Amortisation der teuren Anlagen bereits zum Glücksspiel.

Viel kritischer ist jedoch die Kostenseite. Die Energiepreise haben eine neue Realität geschaffen. Wenn man bedenkt, dass die Kosten für energieintensive Unternehmen bei rund 18,31 ct/kWh liegen, wird jede mit Kunstschnee präparierte Piste zu einem extrem teuren Luxusgut. Diese Kosten müssen über die Lifttickets wieder eingespielt werden – in einem Markt, der durch die Konkurrenz aus schneesicheren Hochlagen bereits unter massivem Preisdruck steht.

Die betriebswirtschaftliche Belastungsgrenze ist für viele Betriebe in den bayerischen Mittelgebirgen erreicht oder bereits überschritten. Eine Investition, deren Rentabilität von zwei so volatilen und unkontrollierbaren Faktoren wie dem Wetter und dem globalen Energiemarkt abhängt, ist kein solides Geschäftsfundament mehr. Es ist eine Wette, bei der die Gewinnchancen von Jahr zu Jahr sinken.

Mountainbike statt Ski: Wie füllen Sie Ihr Hotel im November, wenn kein Schnee liegt?

Die Umstellung auf den Sommertourismus mit Mountainbiking als Zugpferd ist eine naheliegende und oft erfolgreiche Strategie. Bestehende Liftinfrastruktur kann mit relativ geringem Aufwand für den Transport von Fahrrädern umgerüstet werden, und die Zielgruppe der Biker ist zahlungskräftig und wächst. Die Existenz von bereits neun etablierten Bikeparks mit Liftunterstützung in Bayern zeigt, dass dieses Modell funktionieren kann und eine echte Wertschöpfung für die Region darstellt.

Mountainbiker nutzen ehemalige Skilifte im bayerischen Mittelgebirge als Sommeralternative

Doch dieser Ansatz ist kein Allheilmittel und beantwortet die kritische Frage im Titel nur unzureichend: „Wie füllen Sie Ihr Hotel im November?“. Die Mountainbike-Saison endet in der Regel im Oktober. Danach folgt eine Lücke bis zum potenziellen, aber unsicheren Beginn der Skisaison. Genau diese Schulter- und Nebensaisonen sind die Achillesferse des klassischen, wetterabhängigen Tourismus. Mountainbiking diversifiziert das Angebot, löst aber nicht das Kernproblem der Ganzjahresauslastung.

Die strategische Antwort liegt daher nicht im simplen Austausch „Ski gegen Bike“. Sie liegt im Aufbau eines Ganzjahres-Asset-Portfolios. Mountainbiking ist ein wichtiger Baustein, aber er muss ergänzt werden durch weitere, wetterunabhängige Angebote: Wellness, Kulinarik, Kultur, Tagungen oder Indoor-Sportanlagen. Nur ein diversifiziertes Portfolio kann die Auslastungsschwankungen abfedern und Ihr Geschäft resilient gegen die Unwägbarkeiten des Wetters machen.

Verlieren Mittelgebirge alle Gäste an Österreich und die Schweiz?

Die Antwort auf diese Frage muss ehrlich und schmerzhaft sein: Ja, die bayerischen Mittelgebirge verlieren den klassischen Skitouristen, der primär für eine Woche Abfahrtslauf anreist, zunehmend an die hochalpinen, schneesicheren Gebiete in Österreich und der Schweiz. Der Kampf um diese Zielgruppe mit immer teurerer und ineffizienterer technischer Beschneiung ist ein Rückzugsgefecht, das betriebswirtschaftlich nicht zu gewinnen ist.

In Zukunft sieht es für den Skisport eher schlecht aus, denn die Schneefallgrenze steigt immer weiter nach oben.

– Özden Terli, ZDF-Meteorologe

Diese Aussage, gepaart mit Fakten wie einem gemeldeten Rückgang der Schneehöhe um bis zu 50% in der Saison 2024/25 in bestimmten Regionen, zeichnet ein klares Bild. Wer Schneesicherheit garantiert haben möchte, bucht heute schon höhergelegene Destinationen. Sich in einen ruinösen Preiskampf um eine schwindende Zahl an Rest-Tagen mit befahrbaren Pisten zu begeben, ist eine Strategie ohne Zukunft.

Die Lösung liegt nicht darin, besser zu sein im alten Spiel, sondern darin, die Spielregeln zu ändern. Statt um den Alpin-Skifahrer zu kämpfen, müssen die Mittelgebirge ihre einzigartigen Stärken ausspielen und eine neue Zielgruppe ansprechen. Eine Zielgruppe, für die der Schnee ein schöner Bonus, aber nicht die Hauptmotivation für die Reise ist. Das sind Gäste, die wegen der Naturerfahrung, der Ruhe, der regionalen Kulinarik, der Erreichbarkeit oder spezifischer Wellness-Angebote kommen. Der strategische Schwenk besteht darin, nicht länger ein „schlechteres Österreich“ sein zu wollen, sondern ein „besseres Naherholungsgebiet“ mit Premium-Charakter zu werden.

Der Konflikt ums Wasser: Wenn das Dorf Trinkwasser spart und der Lift beschneit

Der wirtschaftliche Druck durch den Klimawandel ist nur eine Seite der Medaille. Die andere, oft unterschätzte Seite ist der wachsende soziale und ökologische Ressourcenkonflikt, der jede Investition in künstliche Beschneiung begleitet. Das plakative Bild vom wassersparenden Bürger und der wasserintensiven Schneekanone ist nur die Spitze des Eisbergs. Es geht um einen fundamentalen Konflikt bei der Nutzung knapper Güter: Wasser, Energie und ungestörte Natur.

Der Energiebedarf ist enorm. Der Verbrauch von rund 2100 Gigawattstunden für alle Alpen-Skigebiete zur Beschneiung entspricht dem Jahresverbrauch einer Großstadt. Diese Energie wird oft dann benötigt, wenn das Stromnetz ohnehin stark belastet ist, und steht in direkter Konkurrenz zu anderen gesellschaftlichen Bedarfen. Der Wasserverbrauch für die Beschneiung trocknet zwar nicht direkt die Trinkwasserreservoirs aus, da oft Speicherseen genutzt werden, doch er greift in den lokalen Wasserhaushalt ein und wird in trockenen Wintern zunehmend kritisch hinterfragt.

Zusätzlich entsteht ein Konflikt, der oft übersehen wird: Lärm und Störung. Schneekanonen erzeugen erheblichen Lärm und werden meist nachts betrieben, was nicht nur Anwohner, sondern vor allem Wildtiere in ihren Ruhephasen stört. Dies führt zu Stress bei den Tieren und kann die ökologischen Gleichgewichte empfindlich stören. Solche Konflikte führen zu Protesten, Klagen und strengeren behördlichen Auflagen, was für Investoren unkalkulierbare rechtliche und finanzielle Risiken bedeutet. Ein Geschäftsmodell, das auf einem latenten Konflikt mit der lokalen Bevölkerung und der Umwelt basiert, ist auf Dauer nicht tragfähig.

Wer zahlt den Abriss, wenn der Skilift zur Industrieruine wird?

Dies ist die brutalste Frage, der sich jeder Liftbetreiber und Investor stellen muss. Was passiert mit der millionenschweren Infrastruktur aus Stahl und Beton, wenn sie endgültig unrentabel wird? Klimatologen prognostizieren, dass bis 2050 nur noch wenige Skigebiete in Bayern überhaupt schneesicher sein werden. Die Konsequenz: Viele Liftanlagen werden zu „Stranded Assets“ – zu gestrandeten Vermögenswerten, die in der Bilanz stehen, aber keinen Ertrag mehr erwirtschaften und hohe Kosten verursachen.

Die Verantwortung für den Rückbau liegt in der Regel beim Eigentümer. Die Kosten für den Abriss einer Liftanlage, die Renaturierung der Pisten und die Entsorgung der Fundamente können schnell in die Hunderttausende oder gar Millionen gehen. Eine finanzielle Last, die viele kleine Betreiber in den Ruin treiben kann. Auf diese Rückbauverpflichtung sind die wenigsten vorbereitet. Sie ist eine tickende Zeitbombe in den Bilanzen vieler Tourismusunternehmen.

Die einzige nachhaltige Alternative zum teuren Abriss ist die proaktive und kreative Umnutzung. Die Infrastruktur, die für den Winter gebaut wurde, muss als Gerüst für ein neues, ganzjähriges Angebot begriffen werden. Anstatt auf den Totalverlust zu warten, müssen jetzt Strategien entwickelt werden, um aus der potenziellen Ruine einen neuen Wertschöpfer zu machen.

Aktionsplan: Von der Liftruine zum Ganzjahres-Magneten

  1. Prüfen Sie die technische Machbarkeit zur Umrüstung der Lifte für den Mountainbike-Transport im Sommer.
  2. Evaluieren Sie die Installation von Sommerrodelbahnen oder Flying Foxes auf bestehenden Trassen zur Schaffung wetterunabhängiger Attraktionen.
  3. Entwickeln Sie Konzepte zur Nutzung der Berg- und Talstationen als Aussichtsplattformen, Gastronomie-Hotspots und Anbindungspunkte für Premium-Wanderwege.
  4. Integrieren Sie die Lifttrasse und die umliegende Natur in Umweltbildungsprojekte oder Naturlehrpfade, um eine neue, bildungsorientierte Zielgruppe anzusprechen.
  5. Analysieren Sie das Potenzial für die Entwicklung von Klettersteigen oder anderen Funsport-Anlagen entlang der bestehenden Infrastruktur wie den Liftmasten.

Warum ist ein Hektar deutscher Mischwald teurer aber sicherer als Teakholz in Panama?

Dieser provokante Vergleich veranschaulicht ein zentrales Prinzip für zukunftssichere Investitionen in den Alpen: Lokale, nachhaltige und diversifizierte Anlagen sind langfristig wertstabiler als hochspekulative, volatile Monokulturen. Ein Skigebiet in einer unsicheren Lage ist wie eine Teakholz-Plantage in einem politisch instabilen Land: Es verspricht hohe Renditen, birgt aber auch das Risiko des Totalverlusts. Ein deutscher Mischwald hingegen ist diversifiziert, resilient und tief in der lokalen Ökonomie und Ökologie verwurzelt.

Dichter bayerischer Mischwald als nachhaltige Investitionsalternative zu Skiinfrastruktur

Übertragen auf Ihre Investitionsstrategie bedeutet das: Statt alles auf die eine Karte „Skitourismus“ zu setzen, sollten Sie in ein Portfolio aus lokalen, zukunftsfähigen Projekten investieren. Die Energiewende bietet hier immense Chancen. Eine Studie für Bayern zeigt ein Wertschöpfungspotenzial von rund 140 Milliarden Euro allein im Zeitraum 2024-2040. Anstatt in eine neue Schneekanone zu investieren, könnte die Investition in eine Photovoltaik-Anlage auf dem Hoteldach, ein lokales Wärmenetz oder die energetische Sanierung Ihrer Immobilie eine deutlich sicherere und profitablere Alternative sein.

Weitere „Mischwald“-Investitionen können die Stärkung der regionalen Landwirtschaft zur Belieferung Ihrer Gastronomie, der Aufbau von Gesundheits- und Wellnessangeboten oder die Schaffung hochwertiger Home-Office-Möglichkeiten für „Workation“-Gäste sein. Diese Investitionen sind weniger wetterabhängig, schaffen eine tiefere Verbindung zur Region und sprechen eine breitere, krisenresistentere Zielgruppe an. Sie machen Ihr Unternehmen zu einem resilienten „Mischwald“ statt zu einer anfälligen „Monokultur“.

Steigende Prämien: Wird Ihre Immobilie in 10 Jahren noch gegen Naturgefahren versicherbar sein?

Diese Frage rückt einen der kritischsten, aber oft ignorierten Faktoren in den Mittelpunkt: die Versicherbarkeit von Immobilien in von Naturgefahren bedrohten Gebieten. Ohne Versicherungsschutz ist eine Immobilie quasi unverkäuflich und kann nicht als Kreditsicherheit dienen – sie wird wertlos. In Deutschland sind laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) derzeit nur rund 54% aller Gebäude gegen Elementarschäden wie Hochwasser, Starkregen oder Schneedruck versichert. Diese Lücke ist ein enormes Risiko.

Die gute Nachricht, wie die Versicherungskammer Bayern als Marktführer in der Region betont, ist: „99 Prozent aller Gebäude in Deutschland können gegen Naturgefahren versichert werden“. Die entscheidende Frage ist jedoch: zu welchem Preis? Die Versicherungsprämien sind keine statischen Größen. Sie sind eine direkte Funktion des Risikos – und das Risiko in vielen Alpenregionen steigt.

Praxisbeispiel: Das ZÜRS-System als Risikobarometer

Versicherer nutzen das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS), um das Risiko zu bewerten. Deutschland ist in vier Gefährdungsklassen (GK) eingeteilt. Während die meisten Gebäude in den niedrigen Klassen 1 und 2 liegen, befinden sich rund 1% aller Adressen in der höchsten Risikoklasse GK 4, in der statistisch alle 10 Jahre ein Hochwasser auftritt. Ein signifikanter Teil dieser Hochrisikogebiete liegt in den bayerischen Alpentälern. Eine Immobilie in GK 4 zu versichern, ist bereits heute extrem teuer oder an massive Auflagen geknüpft. Durch den Klimawandel könnten zukünftig immer mehr Gebiete in höhere Risikoklassen rutschen.

Als Investor oder Hotelier müssen Sie die Risikoklasse Ihres Standorts kennen. Die Versicherungsprämie wird ein immer wichtigerer Posten in Ihrer Betriebskostenrechnung. Eine Investition in Hochwasserschutz, Hangsicherung oder die Verbesserung der Gebäudestruktur kann nicht nur Schäden verhindern, sondern auch die Versicherbarkeit und damit den langfristigen Wert Ihrer Immobilie sichern.

Die Auseinandersetzung mit der Versicherbarkeit ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit für jeden Immobilienbesitzer in den Alpen. Die Mechanismen der Risikobewertung und Prämiengestaltung sind entscheidend für Ihre Zukunftsplanung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die alleinige Fokussierung auf den Skitourismus ist in vielen bayerischen Lagen ein betriebswirtschaftliches Auslaufmodell.
  • „Stranded Assets“ wie unrentable Lifte und unversicherbare Immobilien stellen das größte finanzielle Risiko für Investoren dar.
  • Die Zukunft liegt in einem radikal diversifizierten Ganzjahres-Portfolio, das auf wetterunabhängigen Angeboten und nachhaltigen, lokalen Investitionen basiert.

Wie beeinflusst das städtische Mikroklima den Wert und die Vermietbarkeit von Immobilien?

Der Begriff „städtisches Mikroklima“ ist eine Metapher für die Summe aller lokalen Faktoren, die den Wert und die Zukunftsfähigkeit einer Tourismusimmobilie bestimmen. So wie in einer Stadt die Lage in einer grünen, kühlen Straße den Wert steigert, so wird in den Alpen das „Mikroklima“ aus Schneesicherheit, Infrastrukturqualität und Naturrisiken zum entscheidenden Werttreiber – oder zur Wertbremse.

Ihre Immobilie existiert nicht im luftleeren Raum. Ihr Wert ist untrennbar mit dem ökologischen und wirtschaftlichen Umfeld verknüpft. Die entscheidende Frage für jeden Investor ist daher: In welchem „Mikroklima“ befindet sich mein Asset? Eine Lage auf 1000 Metern Höhe hat ein fundamental anderes Risikoprofil als eine auf 2000 Metern. Diese Unterscheidung wird in Zukunft über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Das folgende Tableau, basierend auf Analysen zum Klimawandel im Alpenraum, verdeutlicht die knallharte Realität. Es zeigt, wie drastisch die Möglichkeiten zur künstlichen Beschneiung – und damit die Grundlage des klassischen Wintertourismus – je nach Höhenlage abnehmen.

Höhenlagen und Zukunftsperspektiven im Wandel
Höhenlage Beschneiungszeit-Reduktion Zukunftsperspektive
1000m ~50% Kritisch
1500m 20-30% Herausfordernd
2000m+ 10-15% Relativ stabil

Diese Zahlen sind mehr als nur Statistik; sie sind die Grundlage für Ihre strategische Risikobewertung. Ein Hotel in einer als „kritisch“ eingestuften Lage erfordert eine radikal andere Strategie als eines in einer „relativ stabilen“ Zone. Es erfordert eine beschleunigte Diversifizierung und die Loslösung vom Schnee als primärem Geschäftsmodell. Das alpine Mikroklima wird zum entscheidenden Filter für alle zukünftigen Investitionsentscheidungen.

Um Ihre Strategie zukunftssicher zu machen, ist es entscheidend, das spezifische "Mikroklima" Ihres Standorts schonungslos zu analysieren und Ihre Geschäftsentscheidungen darauf abzustimmen.

Die Zeit der Hoffnung auf einen schneereichen Winter ist vorbei. Es ist an der Zeit, die Realität als Grundlage für unternehmerische Entscheidungen zu akzeptieren. Bewerten Sie jetzt die Resilienz Ihres Standorts und diversifizieren Sie Ihr Portfolio, bevor externe Faktoren wie Versicherungsprämien und Energiekosten die Entscheidung für Sie treffen.

Geschrieben von Dr. Thomas Richter, Senior Sustainability Consultant und Auditor für den deutschen Mittelstand mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Unternehmensberatung. Spezialisiert auf CSRD-Berichterstattung, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und CO2-Bilanzierung nach GHG Protocol.