
Die größte Gefahr des CO2-Preises ist nicht der Preis selbst, sondern die Fehlinvestition auf Basis heutiger Kosten.
- Die Annahme, dass der aktuelle CO2-Preis stabil bleibt, führt in eine Amortisationsfalle, besonders bei Anlagen mit langer Lebensdauer.
- Prognosen seriöser Institute deuten auf einen Preis von bis zu 275 € pro Tonne bis 2030 hin, was viele heutige Investitionen unrentabel macht.
Recommandation: Kalkulieren Sie alle mittelfristigen Investitionen ab sofort mit einem internen CO2-Schattenpreis von mindestens 100 € pro Tonne, um strategische Fehlentscheidungen zu vermeiden.
Als Geschäftsführer eines produzierenden Betriebs oder einer Logistikfirma sind Sie an schwankende Kosten gewöhnt. Doch die CO2-Bepreisung ist anders. Sie ist kein klassischer Marktpreis, sondern ein politisch gesteuertes Instrument mit einer klaren, langfristigen Steigerungstendenz. Viele Unternehmen reagieren darauf mit den üblichen Ratschlägen: Energieeffizienz steigern, Kosten an Kunden weitergeben. Diese Maßnahmen sind notwendig, aber sie greifen zu kurz. Sie behandeln den CO2-Preis als reinen Kostenfaktor, den es zu verwalten gilt, und übersehen dabei die viel größere strategische Dimension.
Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der Bewältigung der heutigen Kosten, sondern in der Antizipation der zukünftigen. Eine Investition in eine neue Gasheizung, die heute wirtschaftlich erscheint, kann sich bei den für 2030 prognostizierten Preisen als teure Fehlinvestition entpuppen. Die wahre Frage ist also nicht: „Wie gehe ich mit 45 € pro Tonne CO2 um?“, sondern: „Wie stelle ich mein Unternehmen so auf, dass es bei einem Preis von 100, 200 oder sogar 275 € pro Tonne noch wettbewerbsfähig ist?“. Der CO2-Preis ist somit weniger eine Belastung als ein strategischer Katalysator, der vorausschauende Planung belohnt und kurzfristiges Denken bestraft.
Dieser Artikel dient Ihnen als strategischer Leitfaden. Wir analysieren nicht nur die Kosten, sondern beleuchten die kritischen Entscheidungspunkte, die auf Sie zukommen. Von der glaubwürdigen Kommunikation gegenüber Ihren Kunden über die richtige Bewertung von Investitionsentscheidungen bis hin zur strategischen Nutzung Ihrer CO2-Bilanz – Sie erhalten die notwendigen Werkzeuge, um den CO2-Preis von einer Bedrohung in einen Hebel für zukunftssichere Entscheidungen zu verwandeln.
Inhaltsverzeichnis: Strategische Planung der CO2-Kosten für KMU
- Wie erklären Sie Ihren Kunden die Preiserhöhung durch den CO2-Aufschlag glaubwürdig?
- Gas oder Strom: Wann lohnt sich der Austausch Ihres Industrieofens vor Ablauf der Lebensdauer?
- Sind Sie berichtspflichtig: Ab welchem Brennstoffverbrauch müssen Sie Zertifikate kaufen?
- Wie konkurrieren Sie mit Anbietern, die keine CO2-Steuer zahlen müssen (Carbon Leakage Schutz)?
- Warum sollten Sie schon heute mit 100€/Tonne CO2 kalkulieren, um Fehlinvestitionen zu vermeiden?
- Was gehört wirklich in Scope 3: Wie legen Sie ein Biotop im Kleingarten an, das dem Bundeskleingartengesetz entspricht?
- Wie verkaufen Sie die CO2-Einsparungen Ihrer Flotte und was bringt das pro Fahrzeug?
- Wie berechnen Mittelständler ihre Scope 3 Emissionen ohne teure Berater?
Wie erklären Sie Ihren Kunden die Preiserhöhung durch den CO2-Aufschlag glaubwürdig?
Die Weitergabe von Kosten ist ein heikler Prozess. Eine plumpe Preiserhöhung mit Verweis auf die „CO2-Steuer“ kann schnell zu Kundenunmut führen. Der Schlüssel liegt in einer transparenten und zukunftsorientierten Kommunikation. Statt den Aufschlag als Belastung darzustellen, positionieren Sie ihn als „Klimabeitrag“ – ein Begriff, der die Investition in eine nachhaltige Zukunft betont und von offizieller Seite vorgeschlagen wird. Dies signalisiert, dass Sie nicht nur Kosten weiterreichen, sondern aktiv an der Transformation teilnehmen und die Gelder verantwortungsvoll einsetzen.
Eine glaubwürdige Erklärung geht über Worte hinaus. Sie muss durch Taten untermauert werden. Koppeln Sie die Kommunikation über den Klimabeitrag direkt an konkrete, nachweisbare Investitionen in Ihrem Unternehmen. Zeigen Sie auf, wie diese Gelder dazu beitragen, Ihre Produktion oder Logistik effizienter und klimafreundlicher zu gestalten. Dies kann die Anschaffung eines neuen, BAFA-geförderten Elektroofens oder die Umstellung Ihrer Fahrzeugflotte sein. So wird aus einer unliebsamen Preisanpassung ein Beweis für Ihre Zukunftsfähigkeit und Ihr Engagement, was wiederum die Kundenbindung stärken kann.
Ihr Fahrplan für eine transparente Preiskommunikation
- Terminologie anpassen: Verwenden Sie konsequent den Begriff „Klimabeitrag“ statt „CO2-Aufschlag“ in allen Angeboten, Rechnungen und Kundenkommunikationen, um den proaktiven Charakter zu betonen.
- Visualisierung schaffen: Erstellen Sie eine einfache Grafik, die den gesetzlichen Preispfad des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) zeigt (z.B. 55 €/t für 2025, 65 €/t für 2026), um die Unvermeidbarkeit und Planbarkeit der Erhöhung zu verdeutlichen.
- Investitionen verknüpfen: Kommunizieren Sie jede Preisanpassung zusammen mit einer konkreten Nachhaltigkeitsinvestition in Ihrem Betrieb, um den positiven Verwendungszweck des Klimabeitrags zu belegen.
- Transparenz auf der Rechnung: Führen Sie eine separate Position „Klimabeitrag“ auf Ihren Rechnungen ein. Dies schafft maximale Transparenz und trennt den staatlich induzierten Kostenblock von Ihrer eigenen Preisgestaltung.
Gas oder Strom: Wann lohnt sich der Austausch Ihres Industrieofens vor Ablauf der Lebensdauer?
Die Entscheidung zwischen der Weiternutzung einer bestehenden Gasanlage und der Investition in eine elektrische Alternative wie eine Wärmepumpe oder einen Elektroofen ist eine der folgenreichsten strategischen Weichenstellungen der nächsten Jahre. Ein rein auf den heutigen Gas- und Strompreisen basierender Vergleich ist gefährlich irreführend. Die entscheidende Variable ist der eskalierende CO2-Preis, der fossile Brennstoffe Jahr für Jahr massiv verteuert. Eine Anlage, die heute noch rentabel erscheint, kann sich schnell in eine „Amortisationsfalle“ verwandeln: Die Restlaufzeit ist zu kurz, um die steigenden CO2-Kosten zu kompensieren, aber die Anfangsinvestition schien zu hoch für einen vorzeitigen Austausch.
Die Wirtschaftlichkeitsrechnung muss daher dynamisch erfolgen. Sie müssen den Break-Even-Point berechnen, an dem die jährlichen Einsparungen bei den CO2-Kosten durch die neue Anlage die anfänglichen Investitionskosten (abzüglich Förderungen) übersteigen. Wie das nachfolgende Beispiel zeigt, kann dieser Punkt bereits in wenigen Jahren erreicht sein, lange vor dem technischen Lebensende der alten Anlage.

Der visuelle Kontrast zwischen alter und neuer Technologie in einer Produktionshalle macht deutlich: Dies ist keine reine Instandhaltung, sondern eine strategische Neuausrichtung. Vorausschauende Planung, die zukünftige CO2-Preise einbezieht, schützt vor kostspieligen Fehlentscheidungen und sichert die langfristige Produktionseffizienz.
Die folgende Break-Even-Analyse für eine typische Heizungsanlage verdeutlicht, wie schnell sich das Blatt wendet. Die Analyse basiert auf öffentlich zugänglichen Prognosedaten und zeigt den kritischen Punkt auf, an dem Zögern teurer wird als Handeln.
| Parameter | Gasheizung (Bestand) | Wärmepumpe (Neu) |
|---|---|---|
| Investitionskosten | 0 € (bereits vorhanden) | 35.000 € (abzgl. BEG-Förderung: 21.000 €) |
| CO2-Kosten 2026 (65 €/t) | 1.400 €/Jahr | 0 €/Jahr |
| CO2-Kosten 2030 (275 €/t Prognose) | 5.900 €/Jahr | 0 €/Jahr |
| Break-Even-Point | 2028 bei 100 €/t CO2-Preis | |
Sind Sie berichtspflichtig: Ab welchem Brennstoffverbrauch müssen Sie Zertifikate kaufen?
Die gute Nachricht vorweg: Als kleines oder mittleres Unternehmen (KMU) sind Sie höchstwahrscheinlich nicht direkt verpflichtet, am europäischen Emissionshandel (EU-ETS) teilzunehmen und selbst Zertifikate zu kaufen. Dieses System betrifft in erster Linie Großanlagen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie mit einer Feuerungswärmeleistung von über 20 Megawatt. Eine Analyse des Umweltbundesamtes zeigt, dass rund 9.000 Anlagen in Europa fast 40 % der Treibhausgas-Emissionen verursachen und primär unter das EU-ETS fallen. Die direkte administrative Last des Zertifikatekaufes liegt also nicht bei Ihnen.
Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass Sie trotzdem die vollen Kosten tragen. Dies geschieht über den nationalen Emissionshandel (nEHS) in Deutschland, der im Rahmen des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) eingeführt wurde. Hier liegt die Verpflichtung bei den sogenannten „Inverkehrbringern“ – also Ihren Lieferanten von Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel. Diese müssen für die von ihnen verkauften Brennstoffe Emissionszertifikate erwerben und preisen diese Kosten direkt in ihre Verkaufspreise ein. Sie als Endverbraucher spüren den CO2-Preis also nicht über einen bürokratischen Prozess mit der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt), sondern ganz direkt und unumgänglich über Ihre Energie- und Kraftstoffrechnungen.
Eine Ausnahme besteht, falls Sie Brennstoffe direkt aus dem Ausland importieren und in Deutschland verbrauchen. In diesem Sonderfall werden Sie selbst zum Inverkehrbringer und müssen sich bei der DEHSt registrieren und die Pflichten des nEHS erfüllen. Für die überwiegende Mehrheit der KMU ist jedoch die indirekte Kostenbelastung der entscheidende Faktor, der eine strategische Planung unumgänglich macht.
Wie konkurrieren Sie mit Anbietern, die keine CO2-Steuer zahlen müssen (Carbon Leakage Schutz)?
Eine der größten Sorgen für deutsche Produzenten ist der Wettbewerbsnachteil gegenüber Anbietern aus Ländern ohne vergleichbare CO2-Bepreisung. Die Befürchtung, dass die Produktion in solche Länder abwandert (sogenanntes „Carbon Leakage“), ist berechtigt. Die Europäische Union hat dieses Problem jedoch erkannt und einen Schutzmechanismus geschaffen: den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM). Dieses Instrument funktioniert wie ein CO2-Grenzausgleich. Wie vom Branchenverband BDEW erläutert, sorgt dieser Mechanismus dafür, dass Produkte wie Stahl, Zement oder Düngemittel aus Drittländern an der EU-Grenze einen finanziellen Aufschlag zahlen müssen, der den internalisierten CO2-Kosten innereuropäischer Produzenten entspricht.
Auch wenn CBAM zunächst nur bestimmte Sektoren abdeckt, ist das Signal klar: Die EU schützt ihre Industrie vor unfairem Wettbewerb. Für Sie als KMU bedeutet das, dass Sie sich nicht auf einen reinen Preiskampf einlassen müssen. Stattdessen können Sie die internalisierten CO2-Kosten proaktiv als Qualitätsmerkmal positionieren. Das Label „Made in Germany“ gewinnt eine neue Dimension: Es steht nicht nur für technische Qualität, sondern auch für eine Produktion, die ihre Klimakosten transparent einpreist und verantwortet. Dies kann ein entscheidender Vorteil bei Kunden sein, die ihrerseits Wert auf nachhaltige Lieferketten legen.
Zusätzlich sollten Sie prüfen, ob Ihr Unternehmen für Beihilfen im Rahmen der Carbon-Leakage-Kompensation (BECV) qualifiziert ist. Bestimmte Sektoren, die als besonders abwanderungsgefährdet gelten, können finanzielle Entlastungen erhalten. Die proaktive Auseinandersetzung mit diesen Mechanismen ist essenziell, um die eigene Wettbewerbsposition nicht nur zu verteidigen, sondern strategisch auszubauen.
Warum sollten Sie schon heute mit 100€/Tonne CO2 kalkulieren, um Fehlinvestitionen zu vermeiden?
Sich an den aktuell gültigen CO2-Preis von 45 € pro Tonne zu klammern, ist der größte strategische Fehler, den Sie bei Ihren Investitionsentscheidungen machen können. Dieser Preis ist lediglich eine Momentaufnahme auf einem klar vordefinierten, steil ansteigenden Pfad. Die entscheidende Frage für jede mittelfristige Investition (z.B. in neue Maschinen, Heizsysteme oder Fahrzeuge) lautet: Ist diese Anschaffung auch bei einem CO2-Preis von 100 €, 150 € oder mehr noch rentabel? Wissenschaftliche Analysen zeichnen hier ein unmissverständliches Bild. So prognostiziert beispielsweise das Ariadne-Projekt für 2030 CO2-Preise von 275 EUR/t in den relevanten Sektoren, um die Klimaziele zu erreichen. Dies ist mehr als eine Versechsfachung des heutigen Niveaus.
Die Einführung eines internen „strategischen Schattenpreises“ von mindestens 100 € pro Tonne ist daher kein Akt der Schwarzmalerei, sondern unternehmerische Vorsicht. Dieser fiktive Preis wird bei allen Wirtschaftlichkeitsberechnungen für neue Investitionen auf die prognostizierten Emissionen aufgeschlagen. Eine Maschine, die mit dem Schattenpreis unrentabel wird, ist eine zukünftige Fehlinvestition und sollte vermieden werden. Dieser Ansatz zwingt Sie, die wahren Lebenszykluskosten einer Investition zu bewerten und bevorzugt Technologien zu wählen, die langfristig kostengünstiger sind.

Fallbeispiel: Vorausschauende Planung bei Deutsche Post und SAP
Dieser Ansatz ist keine graue Theorie. Große deutsche Konzerne wie die Deutsche Post DHL und SAP nutzen bereits heute interne CO2-Schattenpreise von 80-100 €/t für ihre Investitionsentscheidungen. Diese vorausschauende Kalkulation hat bereits zu strategischen Investitionen in große E-Fahrzeugflotten und energieeffiziente Rechenzentren geführt. Diese Anschaffungen werden sich bei den für 2030 prognostizierten realen CO2-Preisen längst amortisiert haben, während Wettbewerber, die heute noch auf fossile Technologien setzen, dann mit explodierenden Betriebskosten konfrontiert sein werden.
Was gehört wirklich in Scope 3: Wie legen Sie ein Biotop im Kleingarten an, das dem Bundeskleingartengesetz entspricht?
Die Erfassung von Scope-3-Emissionen – also jenen indirekten Emissionen aus der vor- und nachgelagerten Lieferkette – stellt viele Mittelständler vor eine große Herausforderung. Die Komplexität ist hoch und die Datenlage oft unvollständig. Gleichzeitig steigt der Druck von Kunden und Finanzpartnern, eine vollständige CO2-Bilanz vorzulegen. Projekte wie die Anlage eines Biotops auf dem Firmengelände kommen hier oft ins Spiel. Es ist jedoch entscheidend, deren Rolle korrekt einzuordnen. Wie Dr. Klaus Meyer in seinem Leitfaden betont, ist dies eine wertvolle Maßnahme, die jedoch nicht in die formale Bilanz gehört.
Ein Biotop-Projekt gehört zwar nicht formal in die Scope-3-Bilanz nach GHG Protocol, ist aber eine brillante low-cost, hoch-sichtbare CSR-Maßnahme, die die Marke stärkt.
– Dr. Klaus Meyer, Leitfaden Nachhaltigkeitsberichterstattung für KMU
Ein solches Projekt, das im Einklang mit Regelungen wie dem Bundeskleingartengesetz (z.B. Begrenzung der versiegelten Fläche) umgesetzt wird, dient primär der Corporate Social Responsibility (CSR). Es stärkt die Mitarbeiterbindung, verbessert das lokale Umfeld und dient als sichtbares Symbol für das Umweltengagement Ihres Unternehmens. Es ersetzt jedoch nicht die Notwendigkeit, sich mit den „harten“ Scope-3-Kategorien auseinanderzusetzen.
Für KMU ist ein pragmatischer Ansatz nach der 80/20-Regel empfehlenswert: Konzentrieren Sie sich zunächst auf die 2-3 größten Emissionsquellen in Ihrem Scope 3. Dies sind typischerweise eingekaufte Waren und Dienstleistungen, Geschäftsreisen oder der Transport Ihrer Produkte. Durch die Fokussierung auf diese „Hotspots“ können Sie mit überschaubarem Aufwand den größten Teil Ihrer indirekten Emissionen erfassen und glaubwürdige Reduktionsstrategien entwickeln.
Wie verkaufen Sie die CO2-Einsparungen Ihrer Flotte und was bringt das pro Fahrzeug?
Wenn Sie in die Elektrifizierung Ihrer Fahrzeugflotte investieren, reduzieren Sie nicht nur Ihre direkten Betriebskosten und Scope-1-Emissionen. Sie schaffen auch einen neuen, monetarisierbaren Vermögenswert: Ihre CO2-Einsparungen. Durch die sogenannte Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote) sind Mineralölkonzerne gesetzlich verpflichtet, ihre Emissionen jährlich zu senken. Schaffen sie dies nicht, müssen sie entweder Strafen zahlen oder Emissionsrechte von Dritten zukaufen. Und genau hier kommen Sie ins Spiel.
Jedes rein elektrische Fahrzeug in Ihrem Fuhrpark generiert ein handelbares CO2-Zertifikat. Sie können diese Zertifikate bündeln und auf dem freien Markt an die quotenpflichtigen Unternehmen verkaufen. Die jährlichen Erlöse pro Fahrzeug können mehrere hundert Euro betragen und stellen somit eine direkte Quersubventionierung Ihrer Investitionskosten dar. Dieser Prozess, auch als THG-Quoten-Monetarisierung bekannt, ist für Sie als Fahrzeughalter unkompliziert, da spezialisierte Dienstleister die gesamte Abwicklung übernehmen.
Die Vorgehensweise zur Monetarisierung Ihrer Einsparungen lässt sich in drei einfachen Schritten zusammenfassen:
- Schritt 1: Registrierung des Fahrzeugs: Sie registrieren den Fahrzeugschein jedes E-Fahrzeugs entweder direkt beim Umweltbundesamt (UBA) oder, was einfacher ist, bei einem spezialisierten Dienstleister (THG-Anbieter).
- Schritt 2: Bündelung und Verkauf: Der Dienstleister bündelt Ihre Zertifikate mit denen anderer E-Auto-Halter und verkauft sie zum bestmöglichen Preis an die Mineralölindustrie. Bekannte Anbieter sind zum Beispiel Carbonify oder ADAC e-Charge.
- Schritt 3: Erhalt der Prämie: Sie erhalten die vereinbarte Prämie direkt auf Ihr Konto ausgezahlt. Diese Einnahmen sollten Sie fest in Ihre Total Cost of Ownership (TCO) -Rechnung für Elektrofahrzeuge einplanen, da sie die Wirtschaftlichkeit erheblich verbessern.
Das Wichtigste in Kürze
- Der CO2-Preis ist kein stabiler Kostenfaktor, sondern ein eskalierendes Planungsinstrument, das bis 2030 auf über 275 €/Tonne steigen kann.
- Führen Sie einen internen CO2-Schattenpreis von mindestens 100 €/Tonne ein, um die wahren Lebenszykluskosten von Investitionen zu bewerten und Fehlinvestitionen zu vermeiden.
- Transparenz ist ein Wettbewerbsvorteil: Eine offene Kostenkommunikation, eine pragmatische Scope-3-Bilanz und die Monetarisierung von Einsparungen (THG-Quote) stärken Ihr Unternehmen.
Wie berechnen Mittelständler ihre Scope 3 Emissionen ohne teure Berater?
Die Erstellung einer Scope-3-Bilanz klingt nach einem komplexen und teuren Unterfangen, das nur mit externen Beratern zu stemmen ist. Das ist ein Trugschluss. Für den Einstieg und eine erste, aber plausible Wesentlichkeitsanalyse stehen deutschen KMU mittlerweile eine Reihe von kostenlosen und leistungsfähigen Werkzeugen zur Verfügung. Diese Tools ermöglichen es Ihnen, mit vertretbarem Aufwand die größten Emissionsquellen in Ihrer Lieferkette zu identifizieren und eine Datengrundlage für Ihre Nachhaltigkeitsstrategie zu schaffen.
Anstatt eine vollumfängliche, geprüfte Bilanz anzustreben, sollten Sie sich zunächst auf die emissionsintensivsten Kategorien konzentrieren. Die Nutzung branchenspezifischer Vorlagen und umfassender Emissionsfaktor-Datenbanken, wie sie von den unten genannten Tools angeboten werden, vereinfacht diesen Prozess erheblich. Eine solche erste Bilanz ist oft bereits ausreichend, um die Anforderungen von Kunden zu erfüllen oder, wie das nachfolgende Fallbeispiel zeigt, den Zugang zu attraktiven Finanzierungskonditionen zu erlangen.
Die folgende Übersicht zeigt eine Auswahl an bewährten, kostenlosen Tools, die speziell auf die Bedürfnisse von deutschen Mittelständlern zugeschnitten sind.
| Tool | Anbieter | Geeignet für | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| ecocockpit | Effizienz-Agentur NRW | Produzierende KMU | Branchenspezifische Vorlagen |
| PROBAS | Umweltbundesamt | Alle Branchen | Umfassende Emissionsfaktor-Datenbank |
| KlimAktiv CO2-Rechner | KlimAktiv gGmbH | Dienstleister | Einfache Spend-based Methode |
| Carbon Trust SME Tool | Carbon Trust | Kleine Unternehmen | Internationaler Standard |
Fallbeispiel: Bessere Kreditkonditionen durch Scope-3-Bilanz
Ein metallverarbeitender Betrieb mit 50 Mitarbeitern stand vor der Herausforderung, für eine anstehende Finanzierung seine Nachhaltigkeitsbemühungen nachzuweisen. Mithilfe des kostenlosen ecocockpit-Tools der Effizienz-Agentur NRW erstellte der Controller innerhalb weniger Tage eine erste plausible Scope-3-Bilanz, die sich auf die eingekauften Materialien und die Logistik konzentrierte. Diese Bilanz, obwohl nicht extern geprüft, war transparent und methodisch fundiert. Sie ermöglichte dem Unternehmen den Zugang zu einem KfW-Umweltkredit mit um 0,5 % besseren Zinskonditionen. Über die gesamte Laufzeit des Kredits entsprach dies einer konkreten finanziellen Ersparnis von 15.000 €, die den internen Aufwand für die Bilanzerstellung bei weitem übertraf. Wie diese Erfahrung beweist, können selbst grundlegende CO2-Bilanzen einen direkten ROI generieren.
Häufige Fragen zur CO2-Bepreisung für kleine Unternehmen (KMU)
Was ist der Unterschied zwischen nationalem EHS und EU-ETS?
Das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) betrifft nur große Industrieanlagen mit einer Feuerungswärmeleistung von über 20 Megawatt. Das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) in Deutschland hingegen erfasst indirekt alle Verbraucher von Brennstoffen wie Heizöl, Gas oder Diesel, da die Kosten von den Inverkehrbringern (z.B. Ihren Energielieferanten) an Sie weitergegeben werden.
Gibt es Ausnahmen für Direktimporteure?
Ja. Wenn Sie Brennstoffe wie Heizöl oder Gas direkt aus dem Ausland für den Verbrauch in Deutschland importieren, gelten Sie selbst als „Inverkehrbringer“. In diesem Fall sind Sie verpflichtet, sich bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) zu registrieren und die Pflichten des nEHS selbst zu erfüllen.