Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der Annahme, dass mehr Arbeit zu mehr Ertrag führt, liegt der Schlüssel zur Steigerung Ihres Stundenlohns als Market Gardener im strategischen Verzicht auf das Umgraben.

  • Die Anfangsinvestition in Kompost amortisiert sich durch massive Einsparungen bei der Unkrautbekämpfung und Bodenbearbeitung.
  • Die No-Dig-Methode baut aktiv Bodenfruchtbarkeit (Ihr wichtigstes Kapital) auf, was zu höheren Erträgen und besserer Pflanzengesundheit führt.

Empfehlung: Betrachten Sie Kompost nicht als Kostenfaktor, sondern als Investition in die wertvollste Ressource Ihres Betriebs: die Arbeitszeit.

Die Realität im Market Gardening ist oft ernüchternd: lange Tage, harte körperliche Arbeit und ein Stundenlohn, der die Anstrengung kaum widerspiegelt. Viele von uns sind mit dem Mantra aufgewachsen, dass Erfolg durch intensivere Bodenbearbeitung kommt – tiefer pflügen, feiner fräsen, öfter hacken. Wir investieren in Maschinen, verbringen Stunden auf dem Acker und kämpfen jede Saison aufs Neue gegen verdichtete Böden, Trockenheit und eine schier endlose Flut von Unkraut.

Doch was, wenn dieser Ansatz der grundlegende Fehler im System ist? Was, wenn die wahre Effizienzsteigerung und damit die Erhöhung unseres realen Stundenlohns nicht in mehr, sondern in weniger Bodenbewegung liegt? Der bio-intensive Anbau nach der No-Dig-Methode (umgrabefreies Gärtnern) ist mehr als nur eine Philosophie für Hobbygärtner. Es ist eine knallharte Wirtschaftsstrategie, die den Fokus von der reinen Flächenleistung auf die Rentabilität pro Arbeitsstunde verschiebt. Es geht darum, ein System zu schaffen, in dem der Boden für uns arbeitet und nicht umgekehrt.

Dieser Artikel bricht mit dem Mythos der Bodenlockerung durch die Fräse. Wir werden nicht nur die Vorteile für das Bodenleben preisen, sondern die No-Dig-Methode aus der Perspektive eines Betriebsleiters analysieren. Wir kalkulieren die Investition in Kompost, quantifizieren die eingesparten Arbeitsstunden bei der Unkrautbekämpfung, adressieren die Tücken bei der Direktsaat und zeigen, wie man selbst hoffnungslose Böden wie den märkischen Sand in fruchtbares Kapital verwandelt. Es ist an der Zeit, den Spaten beiseitezulegen und den Taschenrechner herauszuholen.

Um diese Strategie Schritt für Schritt zu beleuchten, haben wir die entscheidenden Fragen und Herausforderungen für Sie in den folgenden Abschnitten aufgeschlüsselt. Jeder Teil konzentriert sich auf einen kritischen Aspekt, der über den wirtschaftlichen Erfolg Ihrer No-Dig Gärtnerei entscheidet.

Lohnt sich der Kauf von 50 Tonnen Kompost für den Start einer No-Dig Gärtnerei?

Die erste Hürde bei der Umstellung auf No-Dig ist zweifellos die Anfangsinvestition. Die Vorstellung, LKW-weise Kompost zu kaufen, bevor auch nur ein Radieschen verkauft ist, schreckt viele ab. Doch diese Ausgabe muss als Investition in den Maschinenpark „Boden“ verstanden werden, nicht als reiner Verbrauchsposten. Der Kompost ersetzt teure Arbeitsstunden, die sonst für das Fräsen, Pflügen und vor allem das Jäten anfallen würden. Eine betriebswirtschaftliche Analyse zeigt, dass diese Rechnung aufgeht. So kalkulieren Praktiker mit Kosten von etwa 16 € pro Kubikmeter für zertifizierte Komposterde, wobei ein Kubikmeter ausreicht, um die jährliche Erhaltungsschicht für rund 200 laufende Beetmeter zu gewährleisten.

Die Anfangsschicht ist mit 7-15 cm deutlich dicker und somit teurer, doch sie ist die Grundlage für die massive Arbeitszeitersparnis in den Folgejahren. Jean-Martin Fortier, eine Ikone des Market Gardenings, zeigt mit seinem Betrieb, dass hohe Anfangsinvestitionen zu beeindruckender Rentabilität führen können. Er erzielt auf nur 0,6 Hektar einen Jahresumsatz von über 110.000 Euro. Der Schlüssel liegt in der extremen Effizienz, die ein lebendiger, ungestörter Boden ermöglicht. Die Investition in den Kompost ist also direkt eine Investition in die Reduzierung der wertvollsten Ressource: Ihrer eigenen Arbeitszeit.

Anstatt teuren Kompost in Säcken zu kaufen, gibt es in Deutschland zahlreiche Strategien, die Kosten erheblich zu senken und die Qualität zu sichern. Dies ist ein entscheidender Hebel für die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebs. Die folgende Checkliste hilft Ihnen, eine lokale und kosteneffiziente Beschaffungsstrategie zu entwickeln.

Ihr Plan zur Kompostbeschaffung: Kosten senken, Qualität sichern

  1. Kooperationen mit kommunalen Kompostwerken prüfen: Oft deutlich günstiger als der private Einkauf und eine verlässliche Quelle.
  2. Pferdehöfe in der Umgebung kontaktieren: Fragen Sie nach gut abgelagertem Pferdemist, einer exzellenten, oft kostenlosen Ressource.
  3. Grünschnittsammelstellen nutzen: Prüfen Sie die Qualität und Konformität des Materials gemäß der deutschen Bio-Abfallverordnung.
  4. Eigene Kompostwirtschaft aufbauen: Langfristig der Weg zur Unabhängigkeit und perfekten Kontrolle über die Nährstoffkreisläufe.
  5. Fördermöglichkeiten erkunden: Informieren Sie sich über regionale Förderungen durch Programme wie KULAP oder die GAP-Öko-Regelungen.

Warum haben Sie im ersten Jahr mehr Quecke als Gemüse und wie mulchen Sie dagegen an?

Eine der größten Frustrationen bei der Umstellung auf No-Dig ist die Erkenntnis, dass das bloße Aufbringen von Kompost hartnäckige Wurzelunkräuter wie Quecke, Giersch oder Ackerwinde zunächst nicht aufhält. Im Gegenteil: Der lockere, nährstoffreiche Kompost kann sie sogar zu noch stärkerem Wachstum anregen. Dies ist der kritische Punkt, an dem viele Pioniere scheitern. Die Lösung liegt nicht im Hacken, was das Problem durch die Zerstückelung der Rhizome nur verschlimmert, sondern im konsequenten Lichtausschluss durch eine effektive Mulchschicht unter dem Kompost.

Die wirksamste und kostengünstigste Methode im deutschen Kontext ist die Verwendung von Pappe. Mehrere Lagen unbedruckter, unbeschichteter Kartonage werden direkt auf die Wiese oder den Acker gelegt, überlappend, um keine Lücken zu lassen. Diese Barriere unterdrückt den Austrieb der Unkräuter effektiv. Darauf wird dann die erste dicke Schicht Kompost (ca. 10-15 cm) aufgebracht. Die Pappe verrottet innerhalb einer Saison und wird von den Bodenlebewesen in Humus umgewandelt, während die meisten Wurzelunkräuter darunter erstickt sind.

Detailaufnahme der Pappkarton-Mulch-Methode mit mehreren Schichten auf einem Gemüsebeet

Die Wahl des richtigen Mulchmaterials ist entscheidend für den Erfolg, insbesondere im Kampf gegen aggressive Unkräuter. Die folgende Tabelle vergleicht gängige, in Deutschland verfügbare Materialien hinsichtlich ihrer Eignung.

Vergleich deutscher Mulchmaterialien für den No-Dig-Anbau
Material Kosten Verfügbarkeit Wirksamkeit gegen Quecke
Pappe (unbedruckt) Kostenlos Sehr gut 3 Lagen blockieren Wurzelunkräuter
Stroh (Bio-Qualität) Günstig Gut Gut bei 10cm Schichtdicke
Miscanthus-Häcksel Mittel Regional unterschiedlich Sehr gut, pH-neutral
Schafwollpellets Teuer Fachhandel Gut, zusätzlich Stickstoffdünger

Der Mythos vom harten Boden: Warum Wurzeln besser lockern als jede Fräse

Ein weit verbreiteter Einwand gegen No-Dig lautet: „Mein Boden ist steinhart, den muss ich doch lockern!“ Dieses Denken ist ein Resultat jahrelanger Konditionierung durch die konventionelle Landwirtschaft. Doch die Bodenfräse ist oft mehr Teil des Problems als der Lösung. Sie zerstört die Bodenstruktur, die empfindlichen Pilz-Hyphen und die Gänge der Regenwürmer. Das Ergebnis ist ein pulverisierter Boden, der nach dem nächsten Starkregen verschlämmt und in der Sonne zu einer harten Kruste wird – ein Teufelskreis, der nach erneutem Fräsen verlangt.

Ein gesunder Boden lockert sich selbst. Die besten Bodenlockerungswerkzeuge sind Pflanzenwurzeln und Bodenlebewesen. Tiefwurzler wie Lupinen, Ölrettich oder Beinwell bohren ihre Wurzeln in verdichtete Schichten und hinterlassen nach dem Absterben stabile Kanäle für Wasser, Luft und nachfolgende Kulturpflanzen. Regenwürmer ziehen organisches Material von der Oberfläche in die Tiefe und schaffen ein stabiles Tunnelsystem. Die No-Dig-Methode, bei der kontinuierlich organisches Material auf die Oberfläche aufgebracht wird, füttert dieses System und fördert aktiv die Selbstlockerung. Ein Praktiker, der seinen märkischen Sandboden umgestellt hat, berichtet, dass unbehandelte Flächen bei Trockenheit steinhart werden und Risse bilden, während die mit Kompost bedeckten Beete locker und feucht bleiben.

Um den Zustand des eigenen Bodens ohne Umgraben zu beurteilen, nutzen Profis eine einfache, aber aussagekräftige Methode. Die Experten von Wikipedia beschreiben die sogenannte Spatendiagnose wie folgt:

Die Spatenmethode erlaubt mit geringem Aufwand den Gefügezustand eines Bodens hinsichtlich der Größe und Struktur der Fragmente und Bodenaggregate, sowie der Bodenverdichtung, Durchwurzelung und Feuchte einzuschätzen.

– Wikipedia – Spatendiagnose, Methodenbeschreibung der Spatendiagnose

Anstatt gegen den Boden zu arbeiten, schafft No-Dig die Bedingungen, unter denen der Boden seine Struktur selbst aufbaut und erhält. Das ist der Kern des Boden-Kapitals: ein widerstandsfähiges, sich selbst erhaltendes System.

Hacken vs. Mulchen: Wie viele Arbeitsstunden sparen Sie pro Are wirklich ein?

Die Zeitersparnis ist der größte wirtschaftliche Hebel der No-Dig-Methode. Doch wie hoch ist sie wirklich? Während das Hacken eine sich wöchentlich wiederholende, monotone Arbeit ist, ist die Unkrautregulierung im etablierten No-Dig-System minimal. Unkrautsamen, die auf der Kompostoberfläche keimen, lassen sich mit der Hand oder einer leichten Pendelhacke in Sekundenschnelle entfernen, da sie kaum Wurzeln im lockeren Material bilden können.

Die Einsparung ist dramatisch. Charles Dowding, einer der Pioniere der Methode, dokumentiert seine Arbeitszeiten akribisch. Er bewirtschaftet seine Gärtnerei von etwa 3000 m² (0,75 Acres) in der Hauptsaison von April bis November mit einem Aufwand von rund 70 Stunden pro Woche. Diese Zahl beinhaltet Aussaat, Pflanzung, Pflege, Ernte und Vermarktung – für eine Fläche, die konventionell bewirtschaftet mindestens zwei Vollzeitkräfte binden würde, primär für die Unkrautbekämpfung. Die eingesparte Zeit fließt direkt in wertschöpfendere Tätigkeiten wie die Anbauplanung, die Vermarktung oder schlicht in mehr Lebensqualität.

Rechnen wir dies auf eine kleinere Einheit um: Auf einer Fläche von einem Are (100 m²) kann das wöchentliche Hacken in der Hauptsaison leicht 1-2 Stunden in Anspruch nehmen. Über eine Saison von 20 Wochen sind das 20-40 Arbeitsstunden. Im No-Dig-System reduziert sich dieser Aufwand nach dem ersten Jahr auf vielleicht 15-30 Minuten pro Woche, also insgesamt 5-10 Stunden pro Saison. Das ist eine direkte Ersparnis von 15-30 Stunden pro Are und Saison. Diese Stunden, multipliziert mit einem angestrebten Stundenlohn, ergeben den direkten finanziellen Gewinn der Methode. Hinzu kommen Einsparungen beim Bewässerungsaufwand, da die Mulchschicht die Verdunstung massiv reduziert.

Wann funktioniert die Möhrensaat im Kompost und wann fault das Saatgut?

Die Direktsaat von feinem Saatgut wie Möhren oder Pastinaken ist eine der fortgeschrittenen Herausforderungen im No-Dig-System. Während das Pflanzen von Setzlingen unproblematisch ist, kann die Aussaat direkt in eine dicke Kompostschicht zu zwei Problemen führen: Entweder der Kompost ist zu grob und die Samen haben keinen guten Bodenschluss, oder er ist zu nass und unfertig, was zur Fäulnis des Saatguts führt.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Qualität und Schichtdicke des Komposts. Für die Direktsaat ist ein sehr feiner, reifer Fertigkompost unerlässlich. Er sollte die Konsistenz von Gartenerde haben und erdig riechen. Charles Dowding, der jahrzehntelange Erfahrung mit dieser Methode hat, empfiehlt für die Direktsaat eine sehr dünne Schicht dieses feinen Komposts von maximal 2,5 cm (ca. 1 Zoll), die auf die gröbere Basisschicht aufgetragen wird. Diese feine Schicht dient als perfektes Saatbett. In den ersten Jahren, in denen die Beete erst angelegt werden, sind die Kompostschichten mit 7-15 cm noch zu dick und instabil für eine erfolgreiche Möhrensaat.

Ein weiterer kritischer Faktor ist die Bodentemperatur. Kompost erwärmt sich im Frühjahr schneller als Mineralboden. Säht man jedoch zu früh in nasskalten Kompost, ist Fäulnis vorprogrammiert. Eine Bodentemperatur von mindestens 8°C, besser 10-12°C, ist für eine zügige Keimung von Möhren ideal und minimiert das Risiko. Für Anfänger im No-Dig-Anbau eignen sich zudem kurze, runde Möhrensorten (z.B. ‚Pariser Markt‘), da sie sich auch in einer noch nicht perfekt etablierten Kompostschicht gut entwickeln können. Erst wenn das System über Jahre stabil läuft, gelingen auch lange, anspruchsvolle Sorten problemlos.

Wann im Jahr sollten Sie Gründung untergraben, um Stickstoffverluste zu vermeiden?

Die Frage ist bewusst provokant gestellt, denn im No-Dig-System lautet die Antwort: gar nicht. Das Untergraben oder Einarbeiten von Gründüngung ist ein Konzept der konventionellen, pflugbasierten Landwirtschaft. Es zerstört die Bodenstruktur und kann, zum falschen Zeitpunkt durchgeführt, zu erheblichen Nährstoffverlusten führen. Wird stickstoffreiche Biomasse im Herbst eingearbeitet, mineralisiert sie über den Winter. Ohne eine aktive Bepflanzung, die den freigesetzten Stickstoff aufnehmen kann, wird dieser als Nitrat in tiefere Bodenschichten oder ins Grundwasser ausgewaschen. Diskussionen in Fachforen für Selbstversorger bestätigen, dass die Nitratauswaschung im Winter bei falscher Handhabung ein ernstzunehmendes Problem ist.

Die No-Dig-Alternative ist das „Chop-and-Drop“-Verfahren. Die Gründüngung wird zur optimalen Zeit – bei Stickstoffsammlern wie Klee oder Wicken kurz vor der Blüte – abgemäht oder abgesichelt und die Biomasse einfach als Mulchschicht auf dem Beet liegen gelassen. Diese Schicht schützt den Boden, unterdrückt Unkräuter und wird langsam von den Bodenlebewesen zersetzt. Die Nährstoffe werden so nach und nach freigesetzt und stehen der Folgekultur zur Verfügung, anstatt im Winter verloren zu gehen. Dies ahmt den natürlichen Nährstoffkreislauf im Wald nach.

Für die Wintermonate eignen sich zwei Strategien: Entweder man sät eine winterharte Gründüngung wie Winterroggen, der den Boden bedeckt und im Frühjahr nach der „Chop-and-Drop“-Methode behandelt wird. Oder man nutzt abfrierende Arten wie Phacelia oder Senf. Diese sterben bei den ersten starken Frösten ab und hinterlassen eine perfekte, fertige Mulchschicht für das Frühjahr. Soll eine sehr frühe Kultur folgen, kann die Fläche nach dem Mähen der Gründüngung für 4-6 Wochen mit einer Siloplane abgedeckt werden. Darunter verrottet die Biomasse sehr schnell (sogenannte „Silage-Mulch“-Technik) und hinterlässt ein sauberes, pflanzfertiges Beet.

Bokashi-Eimer oder Wurmkiste: Was funktioniert besser in einer 3-Zimmer-Wohnung ohne Balkon?

Für Gärtner ohne eigenen Garten oder Komposthaufen stellt sich oft die Frage, wie Küchenabfälle sinnvoll in wertvollen Dünger für Zimmer- oder Balkonpflanzen umgewandelt werden können. Zwei Systeme haben sich für die Wohnung etabliert: der Bokashi-Eimer und die Wurmkiste. Beide funktionieren ohne Geruchsbelästigung, haben aber unterschiedliche Stärken und Schwächen.

Der Bokashi-Eimer ist ein luftdicht verschlossenes System, in dem Küchenabfälle mithilfe von „Effektiven Mikroorganismen“ (EM) fermentiert werden. Der Prozess ist eher eine Art Silage als eine Kompostierung. Der große Vorteil ist, dass nahezu alle Küchenabfälle, auch Gekochtes, Fleisch und Milchprodukte, verarbeitet werden können. Alle paar Tage wird ein nährstoffreicher Flüssigdünger (Sickersaft) abgelassen, der stark verdünnt zum Gießen verwendet wird. Nach etwa zwei Wochen ist der Eimer voll und das fermentierte Material muss noch einige Wochen im Eimer oder vergraben in der Erde nachreifen, bevor es pflanzenverfügbar ist. Dies kann für reine Wohnungsgärtner eine Herausforderung sein.

Die Wurmkiste hingegen ist ein Mini-Ökosystem, in dem Kompostwürmer (Eisenia fetida) die organischen Abfälle zu hochwertigem Wurmhumus und Wurmtee verarbeiten. Sie ist geruchlos (riecht nach Waldboden) und produziert kontinuierlich fertigen Dünger. Allerdings sind die Würmer etwas wählerischer: Zitrusfrüchte, Zwiebeln, Fleisch und Milchprodukte sind tabu. Sie benötigt zudem einen etwas größeren, temperaturstabilen Standort. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:

Bokashi-Eimer versus Wurmkiste für die Stadtwohnung
Kriterium Bokashi-Eimer Wurmkiste
Geruchsentwicklung Säuerlich, bei richtiger Handhabung minimal Erdiger Geruch, kaum wahrnehmbar
Platzbedarf Kompakt, unter Spüle möglich Größer, benötigt festen Standort
Output Flüssigdünger + fermentiertes Material Wurmhumus + Wurmtee
Kosten Ca. 50-80€ + Ferment Ca. 100-150€ + Würmer
Wartungsaufwand Gering, alle 2-3 Wochen befüllen/leeren Regelmäßige Fütterung nötig

Die Erfahrung zeigt, dass die anfängliche Skepsis, insbesondere gegenüber dem Bokashi-Eimer, oft unbegründet ist. Eine Stadtgärtnerin berichtet:

Eine Stadtgärtnerin berichtet: Nach anfänglicher Skepsis der Nachbarn wegen möglicher Geruchsbelästigung hat sich der Bokashi-Eimer bewährt. Der säuerliche Geruch ist nur beim Öffnen kurz wahrnehmbar. Der flüssige Dünger verdünnt ist perfekt für meine Zimmerpflanzen.

– Anonymer Erfahrungsbericht

Das Wichtigste in Kürze

  • No-Dig ist eine Wirtschaftsstrategie, die Arbeitszeit (den teuersten Faktor) durch eine Investition in Kompost (Bodenkapital) ersetzt.
  • Die größten Hürden (Anfangsinvestition, Wurzelunkräuter im ersten Jahr) sind durch strategische Beschaffung und konsequentes Mulchen lösbar.
  • Ein ungestörter Boden erhält und verbessert seine Struktur selbst – die Fräse wird überflüssig und die Erträge steigen langfristig.

Wie verwandeln Sie märkischen Sandboden in fruchtbare Erde für die Selbstversorgung?

Der märkische Sand in Brandenburg und anderen Regionen Deutschlands ist berüchtigt: Er kann kaum Wasser oder Nährstoffe halten und neigt bei Trockenheit zur Wüstenbildung. Konventionelle Bodenbearbeitung verschlimmert das Problem oft, da sie die wenige organische Substanz schnell mineralisiert und den Boden der Winderosion aussetzt. Genau hier zeigt die No-Dig-Methode ihre größte Stärke: Sie ist die effektivste Methode, um aus solch einem Problemboden langfristig fruchtbare Gartenerde aufzubauen.

Das Grundprinzip ist die permanente Bedeckung und Fütterung von oben. Eine dicke Anfangsschicht von mindestens 10-15 cm Kompost oder gut verrottetem Mist schafft ein völlig neues Anbaumedium über dem Sand. Diese Schicht wirkt wie ein Schwamm, der Wasser speichert, und schützt den Sandboden vor Austrocknung und Erosion. Ein im Selbstversorger-Forum dokumentierter Praxistest zur Transformation von Brandenburger Sandboden bestätigt dies eindrucksvoll: Nach nur zwei Jahren No-Dig mit jährlichen Kompostgaben zeigte der Boden eine deutlich verbesserte Wasserspeicherfähigkeit, keine Rissbildung mehr bei Trockenheit und eine stabile Struktur bei Starkregen. Die Kompostschicht verhindert Erosion und Verschlämmung effektiv.

Um den Prozess zu beschleunigen und die Struktur des Sandbodens selbst zu verbessern, können gezielte Bodenhilfsstoffe eingesetzt werden, die unter die erste Kompostschicht gemischt oder oberflächlich eingearbeitet werden. Dazu gehören Bentonit (Tonmineralmehl), das die Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit erhöht, Gesteinsmehl, das wichtige Mineralien und Spurenelemente liefert, und Pflanzenkohle, die als dauerhafter Kohlenstoff- und Wasserspeicher dient. Diese „Brandenburger-Boden-Kur“ in Kombination mit der kontinuierlichen Kompostzufuhr verwandelt den Sand über die Jahre von einem reinen Substrat in einen lebendigen, fruchtbaren Boden. Der Fokus liegt nicht darauf, den Sand zu „reparieren“, sondern ein neues, fruchtbares Ökosystem darauf aufzubauen.

Die Umwandlung von Sandboden ist die Königsdisziplin und der ultimative Beweis für die Wirksamkeit des Systems. Um diesen Prozess zu meistern, ist es essenziell, die Strategie zur Schaffung eines neuen Bodens auf unfruchtbarem Untergrund zu verinnerlichen.

Die Umstellung auf No-Dig ist somit keine dogmatische Entscheidung, sondern eine fundierte unternehmerische Strategie. Indem Sie aufhören, gegen den Boden zu kämpfen und anfangen, ihn als Ihr wertvollstes Kapital zu pflegen, steigern Sie nicht nur Ihre Erträge, sondern vor allem die Effizienz Ihrer Arbeit. Beginnen Sie noch heute damit, diese Prinzipien anzuwenden, um Ihren Stundenlohn nachhaltig zu erhöhen und Ihre Gärtnerei profitabler zu machen.

Häufige Fragen zur Direktsaat im Kompost

Wie erkenne ich reifen Kompost für die Direktsaat?

Ein reifer Kompost hat eine feinkrümelige, dunkle Struktur, riecht angenehm nach Walderde und die ursprünglichen Ausgangsmaterialien sind nicht mehr erkennbar. Ein einfacher Kressetest, bei dem Kressesamen auf einer Probe des Komposts ausgesät werden, zeigt schnell, ob die Keimung gut verläuft oder ob noch hemmende Stoffe vorhanden sind.

Bei welcher Bodentemperatur säe ich Möhren in Kompost?

Für eine schnelle und zuverlässige Keimung ohne das Risiko von Fäulnis sollte die Bodentemperatur konstant bei mindestens 8°C liegen. Optimal für Möhren ist ein Temperaturbereich von 10-12°C. Messen Sie die Temperatur in der Saattiefe, um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen.

Welche Möhrensorten eignen sich für Kompostanbau?

Für Einsteiger in den No-Dig-Anbau und in den ersten Jahren, in denen die Bodenschicht sich noch setzt, sind kurze, runde oder kegelförmige Sorten ideal. Sorten wie ‚Pariser Markt‘ oder ‚Oxhella‘ kommen gut mit der lockeren Struktur zurecht. In etablierten Beeten mit einer stabilen Bodenstruktur gelingen später auch problemlos längere Lagermöhren.

Geschrieben von Sabine Krämer, Gärtnermeisterin und zertifizierte Permakultur-Designerin mit Schwerpunkt auf Selbstversorgung und Naturgärten. Betreibt seit 10 Jahren eine Bio-Gärtnerei und bildet Fachkräfte im ökologischen Gartenbau aus.