
Zusammenfassend:
- Die Sicherung der Erträge in Brandenburg erfordert eine Systementscheidung, die über einzelne Maßnahmen hinausgeht und Wasser, Boden und Betriebswirtschaftlichkeit ganzheitlich betrachtet.
- Anstatt auf immer mehr Wasser zu hoffen, liegt der Schlüssel in der Reduzierung der Verdunstung (z. B. durch Strip-Till) und der Wahl trockenheitstoleranter Kulturen wie Sorghum.
- Langfristige Strategien wie Agroforstsysteme schützen nicht nur den Boden vor Erosion, sondern verbessern auch die Wasserhaltefähigkeit und können staatlich gefördert werden.
- Präzisionstechnik und ein gutes Risikomanagement durch Versicherungen sind die letzten Bausteine, um die wirtschaftliche Stabilität des Betriebs in Dürrejahren zu gewährleisten.
Der märkische Sand weht wieder. Für viele Landwirte in Brandenburg ist das kein romantisches Bild, sondern eine harte Realität, die jedes Frühjahr aufs Neue die Erträge bedroht. Die Böden sind leicht, die Niederschläge werden unzuverlässiger, und die Sommer heißer. Die alten Gewissheiten der Landwirtschaft geraten ins Wanken. Wer heute noch so wirtschaftet wie vor 20 Jahren, riskiert nicht nur eine schlechte Ernte, sondern die Existenz seines Betriebs. Die Standardratschläge sind bekannt: trockenheitstolerantere Sorten anbauen, die Bodenbearbeitung anpassen, Wasser sparen.
Doch diese Ratschläge bleiben oft an der Oberfläche. Die wahre Herausforderung liegt im Detail: Lohnt sich der teure Brunnenbau, wenn die Genehmigung ein bürokratischer Hürdenlauf ist? Ist Sorghum wirklich eine wirtschaftliche Alternative zu Mais für die Biogasanlage? Und was bringt der schönste Windschutz, wenn die Förderprogramme kompliziert sind? Es geht nicht mehr nur um einzelne Maßnahmen, sondern um eine grundlegende Systementscheidung für den eigenen Betrieb. Der Schlüssel liegt nicht darin, die Dürre zu bekämpfen, sondern darin, ein landwirtschaftliches System zu schaffen, das mit ihr leben kann – resilient, wassersparend und ökonomisch tragfähig.
Dieser Artikel dient als pragmatischer Werkzeugkasten. Wir tauchen tief in die konkreten Fragen ein, die sich Brandenburger Landwirte auf leichten Böden stellen. Wir analysieren die Optionen nicht nur aus agronomischer, sondern auch aus bürokratischer und wirtschaftlicher Sicht, um Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Zukunft Ihres Betriebs zu geben.
Inhalt: Wie Brandenburger Landwirte ihre Erträge sichern
- Brunnenbau für die Beregnung: Wie stehen die Chancen auf neue Wasserentnahmerechte?
- Sorghum statt Mais: Ist die Hirse eine echte Alternative für die Biogasanlage?
- Wie reduziert Strip-Till die Verdunstung bei der Rapsaussaat effektiv?
- Hecken oder Agroforst: Welcher Windschutz verhindert, dass Ihr Oberboden zum Nachbarn weht?
- Mehrgefahrenversicherung: Wann lohnt sich die Prämie für Dürreschutz wirklich?
- Gülle auf dem Acker: Wann darf der Bauer direkt neben Ihrem Brunnen düngen?
- Sensor im Beet oder Wetter-App: Was steuert die Bewässerung präziser?
- Wächst der Weizen unter Solarmodulen wirklich schlechter oder schützt der Schatten vor Dürre?
Brunnenbau für die Beregnung: Wie stehen die Chancen auf neue Wasserentnahmerechte?
Die naheliegendste Antwort auf Trockenheit scheint mehr Wasser zu sein. Doch der Bau eines neuen Brunnens zur Feldberegnung ist in Brandenburg ein komplexes Unterfangen, das weit über die reinen Bohrarbeiten hinausgeht. Die entscheidende Hürde ist die wasserrechtliche Erlaubnis. Die Behörden prüfen sehr genau, ob eine neue Entnahme die Grundwasserleiter gefährdet, insbesondere in Regionen, in denen der Grundwasserspiegel bereits sinkt. Die Genehmigungschancen hängen stark von den lokalen hydrogeologischen Verhältnissen und der bereits bestehenden Wassernutzung in der Umgebung ab.
Der Prozess ist ein Marathon durch den „Behörden-Dschungel“. Es beginnt mit der Anzeige der Bohrung bei der unteren Wasserbehörde und dem Landesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe (LGRB) und mündet in einem förmlichen Antrag auf wasserrechtliche Erlaubnis. Selbst wenn eine Genehmigung erteilt wird, ist die Nutzung nicht kostenlos. Seit 2018 fällt ein Wassernutzungsentgelt an, das die Kosten der Beregnung weiter erhöht. Interessanterweise werden nach aktueller Gesetzeslage in Brandenburg nur 7% der entnommenen Wassermenge für die Entgeltberechnung herangezogen, da man von einer hohen Wiedereinleitung ins Grundwasser ausgeht. Trotzdem muss diese Investition im betriebswirtschaftlichen Gesamtkonzept genau kalkuliert werden.
Ihr Fahrplan zum Wasserrecht: Die wichtigsten Schritte in Brandenburg
- Vorab-Anzeige: Melden Sie die geplante Bohrung mindestens einen Monat vor der Durchführung bei der zuständigen unteren Wasserbehörde.
- Geologische Meldung: Reichen Sie parallel eine Anzeige beim Landesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe Brandenburg (LGRB) ein.
- Prüfung der Gegebenheiten: Lassen Sie die hydrogeologischen Verhältnisse prüfen. Bei bedecktem Grundwasserleiter ist die Tiefe der Unterkante des stauenden Gesteins entscheidend für die Genehmigungsfähigkeit.
- Antragstellung: Beantragen Sie die formale wasserrechtliche Erlaubnis bei der unteren Wasserbehörde, oft begleitet von einem hydrogeologischen Gutachten.
- Kostenplanung: Kalkulieren Sie das Wassernutzungsentgelt von 0,115 Euro je Kubikmeter (Stand 2018) in Ihre Betriebskosten mit ein.
Die Investition in einen Brunnen ist somit eine hochspezifische und risikoreiche Entscheidung. Sie erfordert eine genaue Kenntnis der lokalen Gegebenheiten und eine realistische Einschätzung der Genehmigungschancen, bevor auch nur ein Euro in die Bohrtechnik fließt.
Sorghum statt Mais: Ist die Hirse eine echte Alternative für die Biogasanlage?
Wenn zusätzliches Wasser keine Option ist, rückt die Anpassung der Fruchtfolge in den Fokus. Sorghum, oft als „Kamel der Feldfrüchte“ bezeichnet, wird zunehmend als trockenheitstolerante Alternative zum durstigen Mais diskutiert, insbesondere für Betreiber von Biogasanlagen. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Afrika und kommt mit deutlich weniger Wasser aus. Auf den leichten Sandböden Brandenburgs hat sich Sorghum daher je nach Anbauerfahrungen bereits lokal in der Fruchtfolge etabliert. Doch ist die Hirse auch wirtschaftlich eine echte Konkurrenz?
Ein direkter Vergleich zeigt ein differenziertes Bild. Im Trockenmasseertrag kann Sorghum durchaus mit Mais mithalten und unter trockenen Bedingungen sogar überlegen sein. Die entscheidende Kennzahl für die Biogasanlage ist jedoch der Methanertrag pro Hektar, und hier hat Mais in der Regel die Nase vorn. Der Grund liegt in der geringeren Methanausbeute pro Tonne organischer Trockensubstanz bei Sorghum, was unter anderem auf einen höheren Lignin-Gehalt zurückzuführen ist. Dieser erschwert den mikrobiellen Abbau im Fermenter.

Die Entscheidung für oder gegen Sorghum ist daher ein klassischer Wirtschaftlichkeits-Check. In einem trockenen Jahr, in dem der Maisertrag einbricht, kann Sorghum durch seine Ertragssicherheit punkten und den geringeren Gasertrag kompensieren. In Jahren mit ausreichender Wasserversorgung bleibt Mais oft die profitablere Option. Die Wahl hängt somit stark von der Risikobereitschaft des Landwirts und der spezifischen Standortbedingung ab.
| Kriterium | Sorghum | Mais |
|---|---|---|
| Trockenmasseertrag | bis zu 25 t TM/ha | Vergleichbar |
| Methanertrag | bis zu 5600 m³/ha | Höher als Sorghum |
| Methanausbeute | 280-300 Nm³/t oTS | Höher als Sorghum |
| Trockentoleranz | Als trockentoleranter eingestuft | Weniger trockenresistent |
| Ligningehalt | Höher, steigt stärker im Vegetationsverlauf | Niedriger |
Sorghum ist somit keine 1:1-Kopie von Mais, sondern eine strategische Ergänzung, die das Anbaurisiko auf trockenen Standorten streut und die Substratversorgung der Biogasanlage in Dürrejahren absichern kann.
Wie reduziert Strip-Till die Verdunstung bei der Rapsaussaat effektiv?
Unabhängig von der angebauten Kultur ist die größte Herausforderung auf leichten Böden, das wenige verfügbare Wasser im Boden zu halten. Jede Bodenbewegung führt zur Verdunstung wertvoller Feuchtigkeit. Hier setzt das Verfahren des Strip-Till (Streifenbearbeitung) an, eine Methode der konservierenden Bodenbearbeitung, die besonders bei der Rapsaussaat an Bedeutung gewinnt. Anstatt den Acker vollflächig zu pflügen oder zu grubbern, wird nur ein schmaler Streifen gelockert, in den später das Saatgut abgelegt wird. Der Bereich zwischen den Reihen bleibt unberührt und mit Ernterückständen bedeckt.
Der Effekt ist dreifach: Erstens wird die Verdunstung (Evaporation) drastisch reduziert, da der Großteil der Bodenoberfläche geschützt bleibt. Das Wasser verbleibt dort, wo es gebraucht wird: an der Pflanzenwurzel. Zweitens verbessert die Mulchschicht zwischen den Reihen die Bodenstruktur, fördert das Bodenleben und schützt vor Wind- und Wassererosion. Drittens erwärmt sich der bearbeitete, schwarze Streifen im Frühjahr schneller, was dem Raps einen besseren Start ermöglicht. Das Verfahren kombiniert somit die Vorteile der Direktsaat (Wasserkonservierung) mit denen der konventionellen Bearbeitung (gutes Saatbett).
Praxisbeispiel aus der Uckermark
Ein Landwirt in der Nordwestuckermark hat die Methode erfolgreich getestet. Nach der Gerstenernte wurde das Stroh abgefahren und der Raps Anfang August im Strip-Till-Verfahren mit 25 Körnern pro Quadratmeter gesät. Er berichtete, dass die Erträge auf den Strip-Till-Flächen mit denen seiner konventionell bearbeiteten Schläge vergleichbar waren. Aufgrund der positiven Erfahrung und des zufriedenstellenden Ergebnisses weitete er das Verfahren im Folgejahr auf 60 Hektar aus. Dies zeigt, dass die Methode nicht nur in der Theorie funktioniert, sondern sich auch in der Brandenburger Praxis bewährt.
Die Umstellung auf Strip-Till erfordert zwar eine Investition in spezielle Maschinentechnik, zahlt sich aber durch Wassereinsparung, geringeren Dieselverbrauch und eine verbesserte Bodengesundheit langfristig aus. Es ist ein aktiver Beitrag zum Aufbau des „Boden-Kontos“, der die Resilienz des gesamten Anbausystems gegenüber der Trockenheit stärkt.
Hecken oder Agroforst: Welcher Windschutz verhindert, dass Ihr Oberboden zum Nachbarn weht?
Auf den weiten, offenen Flächen Brandenburgs ist die Winderosion ein massives Problem. Der Wind trägt den feinen, fruchtbaren Oberboden und damit wertvolle Nährstoffe und organische Substanz einfach davon. Eine der effektivsten und nachhaltigsten Gegenmaßnahmen ist die Etablierung von Windschutzstrukturen. Hier stehen Landwirte vor der Wahl: klassische Hecken oder moderne Agroforstsysteme, bei denen Baumreihen in die Ackerfläche integriert werden. Beide Systeme bremsen den Wind, reduzieren die Erosion und schaffen wertvolle Lebensräume.
Die Entscheidung hängt oft von den Fördermöglichkeiten und der betrieblichen Flexibilität ab. Hecken werden in Brandenburg über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAK) oft mit 90-100% der Investitionskosten gefördert. Agroforstsysteme hingegen werden über die Öko-Regelungen der GAP unterstützt, was eine jährliche Prämie pro Hektar Gehölzfläche bedeutet. Ein entscheidender rechtlicher Punkt: Einmal gepflanzt, gelten beide in der Regel als Landschaftselemente und unterliegen einem Beseitigungsverbot. Diese Entscheidung hat also langfristige Konsequenzen für die Flächenbewirtschaftung.

Neben dem reinen Erosionsschutz bieten Gehölzstrukturen weitere Vorteile im Kampf gegen die Dürre. Der Schattenwurf der Bäume reduziert die Bodentemperatur und die Verdunstung. Dies führt dazu, dass den Kulturpflanzen in unmittelbarer Nähe mehr Wasser zur Verfügung steht, was sich positiv auf die Erträge auswirken kann. Agroforstsysteme sind somit eine multifunktionale Lösung: Sie schützen den Boden, sparen Wasser, binden Kohlenstoff und können durch die Ernte von Holz oder Früchten eine zusätzliche Einnahmequelle darstellen.
Der folgende Überblick zeigt die unterschiedlichen Förderansätze für verschiedene Gehölzsysteme in Brandenburg. Dies verdeutlicht, dass die Wahl des Systems auch eine finanzstrategische Komponente hat, wie eine vergleichende Analyse der Förderinstrumente zeigt.
| System | Investitionsförderung | Betriebsförderung | Rechtliche Einordnung |
|---|---|---|---|
| Agroforstsysteme | 200 €/ha Gehölzstreifen über Öko-Regelung 3 | 60 € pro Hektar Gehölzfläche | Gelten als Landschaftselement mit Beseitigungsverbot |
| Hecken (GAK) | Über GAK 90-100% Förderung möglich | Verschiedene Programme verfügbar | Ebenfalls Beseitigungsverbot |
| Streuobst | 92 € pro gepflanztem Baum plus 65 € für dreijährige Anwuchspflege | 8,50 € pro gepflegtem Baum jährlich | Abhängig von Bestandsdichte |
Mehrgefahrenversicherung: Wann lohnt sich die Prämie für Dürreschutz wirklich?
Selbst bei optimaler Anpassung bleiben Restrisiken. Ein Extremjahr kann alle agronomischen Bemühungen zunichtemachen. Hier kommt das finanzielle Risikomanagement ins Spiel: die Mehrgefahrenversicherung, die auch Schäden durch Dürre abdecken kann. Angesichts der Tatsache, dass die Durchschnittstemperatur in Brandenburg seit 1881 um 1,3 Grad gestiegen ist, wird dieses Instrument immer wichtiger. Doch die Entscheidung für oder gegen eine solche Police ist eine komplexe betriebswirtschaftliche Abwägung.
Die zentrale Frage lautet: Ist die jährliche Prämie geringer als der durchschnittlich zu erwartende Ertragsausfall durch Dürre? Die Antwort hängt von vielen Faktoren ab: der Risikobereitschaft des Landwirts, der Empfindlichkeit der angebauten Kulturen, den Standortbedingungen und der Höhe des versicherten Ertrags. Eine Versicherung lohnt sich vor allem für Betriebe, die hochwertige Kulturen anbauen (z.B. Saatgutvermehrung, Spezialkulturen) oder deren finanzielle Reserven gering sind, sodass ein Totalausfall existenzbedrohend wäre.
Die Herausforderung bei Dürreversicherungen liegt in der exakten Definition des Versicherungsfalls. Anders als bei Hagel ist Dürre ein schleichender Prozess. Versicherer nutzen oft Bodenfeuchte-Indizes oder Niederschlagsdaten von Wetterstationen, um den Eintritt und das Ausmaß des Schadens objektiv zu messen. Der Standardized Precipitation Index (SPI) ist beispielsweise ein gebräuchlicher Index zur Klassifizierung von Dürren. Landwirte sollten die Vertragsbedingungen genau prüfen: Ab welchem Schwellenwert wird geleistet? Welche Selbstbeteiligung gibt es? Und wie wird der Ertragsschaden konkret ermittelt?
Eine Dürreversicherung ist kein Allheilmittel, sondern ein Baustein im Risikomanagement. Sie ersetzt keine guten landwirtschaftlichen Praktiken, kann aber die Liquidität des Betriebs in Extremjahren sichern und so die notwendige Stabilität geben, um langfristige Anpassungsstrategien überhaupt umsetzen zu können.
Gülle auf dem Acker: Wann darf der Bauer direkt neben Ihrem Brunnen düngen?
In Zeiten von Wasserknappheit rückt die Qualität des verbleibenden Wassers umso mehr in den Fokus. Die Düngung, insbesondere mit Gülle, ist ein sensibles Thema, das oft zu Konflikten zwischen Landwirten und Anwohnern führt. Die zentrale Sorge: die Belastung des Grundwassers mit Nitrat. Dies ist in Brandenburg besonders kritisch, da laut Angaben des Landesamts für Umwelt über 95 Prozent der Trinkwasserressource aus dem Grundwasser stammen. Die Frage, wie nah an einem Brunnen gedüngt werden darf, ist daher keine Nebensächlichkeit, sondern eine Frage des Ressourcenschutzes.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind streng und in der Düngeverordnung (DüV) sowie im Brandenburgischen Wassergesetz (BbgWG) klar geregelt. Grundsätzlich gilt: Wassergefährdende Stoffe dürfen nur so ausgebracht werden, dass keine Beeinträchtigung des Grundwassers zu besorgen ist. Die ausgebrachte Menge muss von den Pflanzen aufgenommen werden können, um eine Auswaschung ins Grundwasser zu minimieren. Dies erfordert eine präzise Nährstoffbedarfsermittlung für jede einzelne Fläche.
Für die Ausbringung in der Nähe von Brunnen, die der Trinkwassergewinnung dienen, gelten besondere Schutzvorschriften. In ausgewiesenen Wasser- und Heilquellenschutzgebieten ist die landwirtschaftliche Nutzung stark reglementiert oder sogar verboten. Außerhalb dieser Zonen schreibt die Düngeverordnung spezifische Abstandsregeln zu Gewässern und privaten Brunnen vor. Landwirte sind zudem zu einer lückenlosen Dokumentation ihrer Düngemaßnahmen verpflichtet. Diese Aufzeichnungen dienen bei Kontrollen als Nachweis für eine fachgerechte Praxis.
Für Landwirte bedeutet das einen erheblichen bürokratischen Aufwand, der aber unerlässlich ist, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu wahren und die lebenswichtige Ressource Grundwasser nachhaltig zu schützen. Es geht um einen verantwortungsvollen Umgang mit Nährstoffen, der sowohl die Ertragssicherung als auch den Umweltschutz im Blick hat.
Sensor im Beet oder Wetter-App: Was steuert die Bewässerung präziser?
Wenn Wasser zur Beregnung verfügbar ist – sei es aus einem Brunnen oder öffentlichen Netzen – stellt sich die nächste entscheidende Frage: Wann und wie viel? Eine ineffiziente Bewässerung ist nicht nur eine Verschwendung der knappen Ressource Wasser, sondern auch von Energie und Geld. Die Steuerung der Bewässerung hat sich von der reinen Erfahrung des Landwirts hin zu datengestützten Methoden entwickelt. Im Kern stehen sich zwei Ansätze gegenüber: die Nutzung von Wetter-Apps mit Niederschlagsprognosen und die Messung der realen Bodenfeuchte durch Bodenfeuchtesensoren direkt im Feld.
Wetter-Apps sind kostengünstig und einfach zu bedienen. Sie geben eine gute Orientierung über bevorstehende Niederschläge und die Verdunstungsrate (Evapotranspiration). Ihr großer Nachteil ist die mangelnde Standortspezifität. Die Daten sind oft regional und berücksichtigen nicht die kleinräumigen Unterschiede in der Bodenart, der Topographie oder die tatsächliche Wassermenge, die bei einem Gewitterregen auf dem eigenen Feld angekommen ist.
Hier spielen Bodenfeuchtesensoren ihre Stärke aus. Sie messen exakt das, worauf es ankommt: die nutzbare Feldkapazität (nFK), also den Anteil des Bodenwassers, der für die Pflanzen tatsächlich verfügbar ist. Professionelle Systeme können Daten in Echtzeit an den Landwirt senden und Alarm schlagen, wenn kritische Schwellenwerte unterschritten werden. Fällt die nFK unter 30%, leiden die Pflanzen bereits unter Wasserstress, was zu irreversiblen Ertragseinbußen führen kann. Mit Sensoren kann die Bewässerung genau dann gestartet werden, wenn sie nötig ist, und exakt so lange laufen, bis der optimale Bereich (z.B. >50% nFK) wieder erreicht ist.
| Kriterium | Bodenfeuchtesensoren | Wetter-Apps |
|---|---|---|
| Genauigkeit | Sehr hoch (standortspezifisch) | Mittel (regional) |
| Investitionskosten | Hoch (professionelle Systeme) | Niedrig bis kostenlos |
| Wartung | Regelmäßige Kalibrierung nötig | Keine |
| Richtwerte Wasserstress | <50% nFK: Bewässerung zur optimalen Ertragsausbeute notwendig, <30% nFK: Pflanzenwasserstress | Nur Niederschlagsprognose |
Die Investition in Sensorik ist zwar höher, amortisiert sich aber durch die präzisere, effizientere und ressourcenschonendere Wassernutzung. Es ist der Schritt von der Schätzung zur präzisen Messung – ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit der Beregnung.
Das Wichtigste in Kürze
- Wassermanagement ist der Kern: Der Erfolg auf Brandenburgs Sandböden hängt von der Fähigkeit ab, jeden Tropfen Wasser zu managen – sei es durch die Reduzierung der Verdunstung, präzise Bewässerung oder die Wahl wassereffizienter Kulturen.
- Boden ist Kapital: Maßnahmen wie Strip-Till und Agroforst sind keine reinen Umweltmaßnahmen, sondern direkte Investitionen in die Gesundheit und Resilienz des Bodens, die sich durch Ertragsstabilität auszahlen.
- Risiko kalkulieren: Eine Kombination aus agronomischer Anpassung und finanziellem Risikomanagement (z.B. Versicherungen) ist notwendig, um auch in Extremjahren die wirtschaftliche Existenz des Betriebs zu sichern.
Wächst der Weizen unter Solarmodulen wirklich schlechter oder schützt der Schatten vor Dürre?
Eine der innovativsten Anpassungsstrategien ist die Agri-Photovoltaik (Agri-PV), bei der Landwirtschaft und Energieerzeugung auf derselben Fläche kombiniert werden. Hoch aufgeständerte, lichtdurchlässige Solarmodule erzeugen Strom, während darunter weiterhin Ackerbau betrieben wird. Die anfängliche Skepsis vieler Landwirte ist verständlich: Nimmt die Verschattung nicht zu viel Licht weg und mindert den Ertrag? Die Forschung und erste Praxisprojekte zeichnen ein überraschend positives Bild, insbesondere für Dürrestandorte.
Der Schattenwurf der Module erweist sich in heißen, trockenen Sommern als entscheidender Vorteil. Ähnlich wie bei Agroforstsystemen schützt der Teilschatten den Boden und die Pflanzen vor der Dauerbestrahlung. Dies hat mehrere positive Effekte: Die Bodentemperatur wird gesenkt, und die Verdunstung von Wasser wird signifikant reduziert. Dadurch steht den Kulturpflanzen mehr Wasser zur Verfügung, was den negativen Effekt der geringeren Lichteinstrahlung oft kompensieren oder sogar überkompensieren kann. Die Pflanzen leiden unter weniger Hitzestress und können das verfügbare Wasser effizienter nutzen.
Studien haben gezeigt, dass bei bestimmten Kulturen wie Kartoffeln oder Sellerie die Erträge unter Agri-PV-Anlagen in trockenen Jahren sogar höher sein können als auf der vollsonnigen Referenzfläche. Bei Getreide wie Weizen können die Erträge zwar leicht sinken, doch dieser Minderertrag wird durch die zusätzlichen Einnahmen aus dem Stromverkauf mehr als ausgeglichen. Die doppelte Nutzung der Fläche steigert die gesamte Landnutzungseffizienz und schafft eine neue, wetterunabhängige Einnahmequelle für den landwirtschaftlichen Betrieb.
Agri-PV ist somit weit mehr als nur eine Energiequelle. Es ist ein aktives Instrument zur Anpassung an den Klimawandel, das den Wasserhaushalt verbessert, die Pflanzen vor Extremwetter schützt und die wirtschaftliche Resilienz des Betriebs durch Diversifizierung der Einnahmen stärkt. Es ist eine echte Systementscheidung für die Landwirtschaft der Zukunft.
Die Anpassung an die zunehmende Trockenheit in Brandenburg ist kein einzelnes Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Der hier vorgestellte Werkzeugkasten zeigt, dass es eine Vielzahl von Strategien gibt, die je nach betrieblicher Ausrichtung und Standort kombiniert werden können. Der nächste logische Schritt ist eine genaue Analyse der eigenen Flächen und der wirtschaftlichen Gegebenheiten, um die vielversprechendsten Maßnahmen für Ihren Betrieb zu identifizieren und einen individuellen Fahrplan für die Zukunft zu entwickeln.
Fragen und Antworten zum Thema Dürre in der Landwirtschaft
Wann beginnt eine Dürreperiode in Brandenburg?
Eine Dürreperiode hat keinen festen Startpunkt. Sie hängt vom Wasserbedarf der einzelnen Bereiche ab und kann in der warmen Jahreszeit schon nach einigen trockenen Tagen ohne nennenswerten Niederschlag beginnen, insbesondere auf leichten Böden mit geringer Wasserspeicherkapazität.
Welche Arten von Dürre werden unterschieden?
Dürren werden häufig in drei Arten unterteilt: Die meteorologische Dürre (Niederschlagsdefizit), die landwirtschaftliche Dürre (zu wenig Bodenfeuchte für die Pflanzen) und die hydrologische Dürre (niedrige Wasserstände in Flüssen, Seen und Grundwasserleitern).
Wie wird Dürre gemessen?
Der Standardized Precipitation Index (SPI) ist einer der gebräuchlichsten klimatologischen Niederschlagsindizes zur Identifikation und Quantifizierung von meteorologischen Dürren. Für die Landwirtschaft sind direkte Bodenfeuchtemessungen oft aussagekräftiger.