Veröffentlicht am März 12, 2024

Die doppelte Bedrohung durch Nitratbelastung und zunehmende Trockenheit stellt die Sicherheit unseres Trinkwassers in Frage. Doch die Lösung liegt nicht nur in der Politik, sondern beginnt auf Ihrem eigenen Grundstück. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie die unsichtbaren Risiken – von der Bodenbeschaffenheit bis zur Hausinstallation – erkennen und durch gezielte Maßnahmen Ihr Eigentum zu einer aktiven Bastion für sauberes und verfügbares Wasser machen.

Das Wasser, das aus unserem Hahn fließt, halten wir für eine Selbstverständlichkeit. Doch diese Sicherheit ist trügerisch. In ländlichen Regionen Deutschlands, insbesondere dort, wo intensive Landwirtschaft betrieben wird, stehen Hausbesitzer vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits die unsichtbare Gefahr durch Nitrate, die ins Grundwasser sickern, und andererseits die immer häufigeren und längeren Dürreperioden, die die Verfügbarkeit von Wasser einschränken. Nitrate im Wasser sind geschmack- und geruchlos, aber sie stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder.

Die übliche Reaktion ist, mit dem Finger auf die Landwirtschaft zu zeigen und auf strengere politische Regulierungen wie die Düngeverordnung zu hoffen. Das ist wichtig, aber es lässt den einzelnen Hausbesitzer in einer passiven, ohnmächtigen Rolle zurück. Was aber, wenn die wirksamsten Schutzmaßnahmen direkt vor Ihrer Haustür beginnen? Was, wenn Ihr eigener Grund und Boden, Ihr Keller und sogar die Art, wie Sie Ihren Garten bewässern, Teil einer umfassenden Lösungsstrategie sein können?

Dieser Artikel verlässt die ausgetretenen Pfade der allgemeinen Wasserspartipps. Stattdessen tauchen wir tief in die unsichtbare Infrastruktur ein, die Ihre Wasserversorgung bestimmt. Wir werden die systemischen Zusammenhänge aufdecken: Warum ein sandiger Boden in Norddeutschland ein größeres Risiko darstellt als ein Lehmboden, wie der Verlust einer nahegelegenen Auenlandschaft Ihre Wasserrechnung direkt in die Höhe treibt und warum Ihr Keller selbst dann volllaufen kann, wenn Sie meilenweit von einem Fluss entfernt wohnen. Es geht darum, die Eigenverantwortung zu stärken und Ihr Grundstück als aktive Pufferzone zu verstehen, die Wasser filtern, speichern und schützen kann. Indem Sie diese Mechanismen verstehen, verwandeln Sie Ihr Zuhause von einem potenziellen Opfer der Wasserkrise in einen zentralen Baustein für die lokale Wasserresilienz.

Um diese komplexen Zusammenhänge verständlich zu machen, beleuchtet dieser Artikel die entscheidenden Fragen, mit denen sich Hausbesitzer konfrontiert sehen. Wir analysieren die spezifischen Risiken und zeigen konkrete, technische und strategische Lösungen auf, die Sie selbst umsetzen können.

Warum filtern sandige Böden in Norddeutschland Schadstoffe schlechter als Lehmböden?

Die erste und wichtigste Verteidigungslinie für unser Grundwasser ist der Boden selbst. Er fungiert als eine riesige, natürliche Filteranlage. Doch nicht alle Böden sind gleich geschaffen. Die Effektivität dieser unsichtbaren Infrastruktur hängt maßgeblich von ihrer geologischen Beschaffenheit ab. Insbesondere die Kationenaustauschkapazität (KAK) ist hier der entscheidende Faktor. Sie beschreibt die Fähigkeit des Bodens, positiv geladene Teilchen (Kationen) wie Kalzium, Magnesium, aber auch bestimmte Schadstoffe zu binden und sie am Durchsickern ins Grundwasser zu hindern.

Ton- und humusreiche Böden, wie sie beispielsweise in der Magdeburger Börde vorkommen, besitzen eine hohe KAK. Ihre winzigen Tonminerale und organischen Partikel haben eine negative Ladung und ziehen positiv geladene Ionen wie ein Magnet an. Sandige Böden, wie sie in weiten Teilen Norddeutschlands, etwa in der Lüneburger Heide, vorherrschen, bestehen aus größeren Quarzkörnern mit einer sehr geringen negativen Ladung. Die Folge: Wasser und die darin gelösten Stoffe, insbesondere das negativ geladene Nitrat-Ion (NO3-), rauschen quasi ungehindert hindurch.

Das Fallbeispiel „Lüneburger Heide vs. Magdeburger Börde“ illustriert diesen Effekt eindrücklich. Während die tonreichen Böden der Börde Stickstoff aus der Düngung effektiv binden und pflanzenverfügbar halten, zeigen Messungen in den sandigen Heideböden eine signifikant höhere Nitratauswaschung. Das bedeutet, dass bei gleicher Düngemenge auf einem Sandboden ein weitaus größerer Anteil des Nitrats direkt ins Grundwasser gelangt. Für Hausbesitzer in diesen Regionen bedeutet das ein inhärent höheres Risiko für die Qualität ihres Brunnen- und Leitungswassers.

Osmoseanlage oder Aktivkohle: Welcher Filter entfernt Nitratreste aus dem Leitungswasser zuverlässig?

Wenn das Grundwasser bereits belastet ist und die Wasserversorger an die Grenzen der Aufbereitung stoßen, landet das Nitrat letztendlich in Ihrem Leitungswasser. Der in Deutschland geltende Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) wird zwar in der Regel eingehalten, doch viele Menschen wünschen sich aus Vorsorge eine noch geringere Konzentration. Hier kommen Wasserfilter für den Hausgebrauch ins Spiel. Doch Vorsicht: Nicht jeder Filter ist für die Nitratentfernung geeignet. Die beiden gängigsten Technologien, Aktivkohle und Umkehrosmose, arbeiten nach fundamental unterschiedlichen Prinzipien.

Aktivkohlefilter sind hervorragend geeignet, um organische Schadstoffe, Chlor, Pestizide und Medikamentenrückstände zu entfernen. Ihre poröse Struktur bindet große Moleküle. Nitrat-Ionen sind jedoch anorganisch und sehr klein, sodass sie von Aktivkohlefiltern praktisch nicht zurückgehalten werden. Wer also einen Aktivkohlefilter kauft, um sich vor Nitrat zu schützen, investiert in eine Scheinlösung.

Die einzige zuverlässige Methode zur Nitratentfernung im Haushalt ist die Umkehrosmose (UO). Bei diesem Verfahren wird das Wasser mit Druck durch eine semipermeable Membran gepresst, die nur Wassermoleküle durchlässt. Nahezu alle anderen Stoffe, einschließlich 95-99 % des Nitrats, aber auch wertvolle Mineralien wie Kalzium und Magnesium, werden zurückgehalten und als Abwasser abgeleitet. Dieser Prozess hat jedoch seinen Preis: Neben den höheren Anschaffungs- und Wartungskosten ist der Wasserverbrauch ein erheblicher Nachteil. Selbst moderne Direktflussanlagen erreichen ein Verhältnis von Reinwasser zu Abwasser von bestenfalls 1:1,5 bis 1:2. Das bedeutet, für jeden Liter gefiltertes Wasser werden bis zu zwei Liter in den Abfluss gespült.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen und hilft Ihnen bei der Entscheidung, welche Technologie für Ihre Bedürfnisse die richtige ist.

Vergleich Umkehrosmose vs. Aktivkohle für Nitratentfernung
Kriterium Umkehrosmose Aktivkohle
Nitratentfernung Ja (95-99%) Nein (0%)
Wasserverlust 2-4 Liter pro 1 Liter Reinwasser Kein Verlust
Energieverbrauch Mit Pumpe: ca. 50W Ohne Strom
Wartungskosten/Jahr 150-300€ 50-100€
Mineralienerhalt Nein Ja

Gülle auf dem Acker: Wann darf der Bauer direkt neben Ihrem Brunnen düngen?

Die Hauptquelle für die Nitratbelastung im Grundwasser ist unbestritten die Ausbringung von stickstoffhaltigen Düngemitteln in der Landwirtschaft. Für Hausbesitzer mit eigenem Brunnen in der Nähe von Agrarflächen wird diese abstrakte Problematik zu einer sehr konkreten Bedrohung. Die Frage ist: Welche rechtlichen Rahmenbedingungen schützen Sie und wo liegen die Grenzen dieser Vorschriften? Die deutsche Düngeverordnung setzt hier klare Regeln, doch deren Kenntnis ist entscheidend, um die eigene Situation beurteilen zu können.

Ein zentraler Punkt ist der Schutz von Gewässern. Laut Düngeverordnung muss ein Mindestabstand zu oberirdischen Gewässern von in der Regel 10 Metern eingehalten werden, auf dem nicht gedüngt werden darf. Für private Brunnen, die Teil der Grundwasserversorgung sind, gelten jedoch spezifischere, oft in Wasserschutzgebietsverordnungen festgelegte Regeln, die deutlich strenger sein können. Das Problem: Nicht jeder Brunnen liegt in einem ausgewiesenen Schutzgebiet. Hier ist proaktives Handeln des Eigentümers gefragt.

Die bloße Einhaltung von Mindestabständen ignoriert zudem einen entscheidenden Faktor: die Grundwasserfließrichtung. Wenn der Acker „oberhalb“ Ihres Brunnens liegt, also in der Richtung, aus der das Grundwasser zu Ihrem Grundstück strömt, ist das Risiko einer Kontamination ungleich höher, selbst wenn die gesetzlichen Abstände eingehalten werden. Die Visualisierung unten zeigt schematisch, wie Schadstoffe vom Feld unterirdisch zum Brunnen transportiert werden können.

Querschnitt durch Boden zeigt Grundwasserfließrichtung zwischen Acker und Brunnen

Anstatt in einer Konfrontationshaltung zu verharren, ist der Dialog mit dem Landwirt oft der konstruktivste Weg. Viele Landwirte sind offen für kooperative Lösungen, wenn sie das Problem verstehen. Das Ziel sollte sein, gemeinsam Schutzmaßnahmen zu etablieren, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen, wie etwa die Anlage breiterer Pufferstreifen oder der Einsatz von Präzisionsdüngungstechniken in der Nähe Ihres Brunnens. Dies schützt nicht nur Ihr Wasser, sondern fördert auch ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis.

Warum steigt Ihre Wasserrechnung um 150 €, wenn die lokalen Auenlandschaften verschwinden?

Auf den ersten Blick scheint es keinen Zusammenhang zwischen einer trockengelegten Aue und dem Betrag auf Ihrer Wasserrechnung zu geben. Doch dieser Zusammenhang ist direkt und finanziell spürbar. Natürliche Ökosysteme wie Auen, Moore und Wälder erbringen für uns kostenlose, aber unbezahlbare „Dienstleistungen“. Eine der wichtigsten ist die natürliche Reinigung von Wasser. Wenn Regenwasser durch diese Landschaften sickert, wird es auf seinem Weg ins Grundwasser effektiv von Schadstoffen, einschließlich Nitrat, gefiltert. Die Pflanzen nehmen Nährstoffe auf, und komplexe Bodenprozesse bauen Verunreinigungen ab.

Verschwinden diese natürlichen Pufferzonen durch Bebauung, Trockenlegung oder intensive Landwirtschaft, entfällt diese kostenlose Filterleistung. Das Sickerwasser gelangt schneller und stärker belastet ins Grundwasser. Für die Wasserversorger bedeutet dies einen enormen Mehraufwand. Sie müssen das Rohwasser mit immer komplexeren und teureren technischen Verfahren aufbereiten, um die gesetzlichen Grenzwerte für Trinkwasser einzuhalten. Diese Kosten werden direkt an die Verbraucher weitergegeben. Das Umweltbundesamt hat bereits vor Jahren gewarnt, dass laut Umweltbundesamt sind Preissteigerungen bei der Wasserrechnung von bis zu 45 Prozent für die Verbraucher möglich sind, wenn die Nitratbelastung nicht sinkt.

Das Fallbeispiel der Renaturierung der Isar bei München zeigt den umgekehrten, positiven Effekt. Durch die Wiederherstellung der natürlichen Flusslandschaft konnten die Selbstreinigungskräfte des Gewässers reaktiviert werden. Dies verbesserte nicht nur die Wasserqualität des Flusses, sondern entlastete auch die Trinkwassergewinnung aus dem Uferfiltrat, da das Wasser bereits auf natürliche Weise vorgereinigt wird. Es ist ein klares Beispiel dafür, dass Investitionen in die Natur direkte Investitionen in die Sicherheit und Bezahlbarkeit unserer Trinkwasserversorgung sind. Denn die Trinkwasserversorgung wird in Deutschland zu fast 70% aus Grund- und Quellwasser gedeckt, dessen Qualität untrennbar mit der Gesundheit der darüber liegenden Landschaft verbunden ist.

Wie dimensionieren Sie eine Zisterne, um 3 Wochen Dürre im Garten zu überbrücken?

Während Nitrat ein Qualitätsproblem ist, stellt die zunehmende Trockenheit ein Quantitätsproblem dar. Immer häufigere Dürreperioden im Sommer führen zu Bewässerungsverboten und lassen Gärten vertrocknen. Eine Regenwasserzisterne ist hier die effektivste Maßnahme, um unabhängiger vom öffentlichen Netz zu werden und wertvolles Trinkwasser zu sparen. Doch die entscheidende Frage ist: Wie groß muss der Tank sein, um eine typische Trockenphase von drei Wochen (21 Tagen) zu überstehen? Die Dimensionierung ist ein Rechenspiel aus drei Faktoren: Dachfläche, lokaler Niederschlag und Wasserbedarf.

Der potenzielle Regenwasserertrag Ihres Hauses lässt sich grob mit der Formel „Dachfläche x Jahresniederschlag x Abflussbeiwert (ca. 0,8 für Ziegeldächer)“ berechnen. Ein 150 m² großes Dach in einer Region mit 800 mm Jahresniederschlag kann theoretisch fast 100.000 Liter Wasser pro Jahr sammeln. Der entscheidende Faktor ist jedoch der Speicher, der groß genug sein muss, um den Bedarf während einer Dürre zu decken. Der Wasserbedarf eines Gartens variiert stark, aber als Faustregel kann man von ca. 10-20 Litern pro Quadratmeter und Bewässerungstag ausgehen. Für einen 100 m² großen Garten wären das 1.000 bis 2.000 Liter pro Tag.

Die richtige Größe ist also ein Kompromiss. Ein zu kleiner Tank ist in der Dürre schnell leer, ein zu großer amortisiert sich nie. Die Tabelle unten gibt eine Orientierung. Viele Kommunen fördern zudem die Anschaffung, um das Kanalnetz bei Starkregen zu entlasten. So beträgt beispielsweise in Hamburg die maximale Förderung für Privatpersonen bei Zisternen ab 2.000 Litern bis zu 1.500 Euro. Es ist essenziell, Förderanträge immer vor Baubeginn zu stellen.

Zisternengröße nach Dachfläche und Niederschlag
Dachfläche Niederschlag/Jahr Ertrag/Jahr Empfohlene Größe Reichweite (bei 150L/Tag)
100 m² 800 mm 64.000 L 3.000 L ca. 18 Tage
150 m² 800 mm 96.000 L 4.500 L ca. 28 Tage
100 m² 650 mm 52.000 L 4.000 L ca. 25 Tage

Der unsichtbare Fehler: Warum Sie Brunnenwasser nie ungeprüft für den Pool der Kinder nutzen sollten

Für Hausbesitzer mit eigenem Brunnen scheint es naheliegend, das „kostenlose“ Wasser zur Befüllung des Planschbeckens oder Pools im Garten zu nutzen. Dies ist jedoch ein potenziell gefährlicher Fehler. Brunnenwasser ist kein Trinkwasser. Es unterliegt keiner staatlichen Kontrolle und kann eine Vielzahl von Verunreinigungen enthalten, die für das bloße Auge unsichtbar sind. Während rund 74 Prozent des deutschen Trinkwassers wird aus Grundwasser gewonnen und aufwendig aufbereitet, ist Ihr privater Brunnen diesem komplexen System entzogen.

Das größte Risiko geht von zwei Quellen aus: mikrobiologische Verunreinigungen und chemische Schadstoffe. Durch undichte Stellen im Brunnenbau oder durch Oberflächenwasser können Keime wie E. coli ins Wasser gelangen. Diese können beim Verschlucken von Poolwasser, was bei Kindern unvermeidlich ist, zu schweren Magen-Darm-Erkrankungen führen. Ebenso können Legionellen ein Problem darstellen, wenn das Wasser vernebelt wird (z.B. durch eine Gartendusche).

Chemische Belastungen wie Nitrat sind ebenfalls kritisch. Zwar ist die Aufnahme über die Haut unbedenklich, doch das Verschlucken von Wasser mit hohen Nitratkonzentrationen ist besonders für Kleinkinder gefährlich, da es die Sauerstoffaufnahme im Blut behindern kann (Blausucht). Bevor Sie also auch nur einen Liter Brunnenwasser für den Pool verwenden, ist eine professionelle Wasseranalyse durch ein akkreditiertes Labor unabdingbar. Nur so erhalten Sie Gewissheit über die tatsächliche Qualität.

Ihr Aktionsplan: Korrekte Wasserprobenahme für die Poolbefüllung

  1. Steriles Probengefäß besorgen: Fordern Sie ein offizielles, steriles Gefäß von einem akkreditierten Wasserlabor in Ihrer Nähe an. Verwenden Sie keine eigenen Flaschen.
  2. Wasserhahn vorbereiten: Lassen Sie das Wasser aus dem für die Poolbefüllung vorgesehenen Hahn für 2-3 Minuten kräftig laufen, um stehendes Wasser aus den Leitungen zu spülen.
  3. Probe entnehmen: Füllen Sie das Gefäß direkt aus dem Wasserstrahl, ohne die Öffnung des Gefäßes mit den Händen oder dem Wasserhahn zu berühren, um eine Kontamination der Probe zu vermeiden.
  4. Schneller Transport: Lagern Sie die Probe kühl und lichtgeschützt und bringen Sie sie innerhalb von 24 Stunden zum Labor.
  5. Umfassende Analyse beauftragen: Lassen Sie das Wasser mindestens auf die Parameter E. coli, Legionellen, pH-Wert und Nitrat testen, um eine sichere Nutzung zu gewährleisten.

Warum läuft Ihr Keller voll, obwohl Sie gar nicht im Hochwassergebiet wohnen (Rückstau aus dem Kanal)?

Die Klimakrise bringt nicht nur Dürre, sondern auch das genaue Gegenteil: immer häufigere und intensivere Starkregenereignisse. Viele Hausbesitzer wiegen sich in falscher Sicherheit, weil sie nicht in der Nähe eines Flusses oder Sees wohnen. Doch die größte Gefahr kommt oft nicht von außen, sondern von unten – aus dem öffentlichen Kanalnetz. Wenn bei einem Wolkenbruch in kurzer Zeit extreme Wassermengen anfallen, ist die Kanalisation schlicht überlastet. Der Wasserpegel im Kanal steigt rasant an und drückt das Abwasser zurück in die Anschlussleitungen der Häuser. Das Wasser sucht sich den tiefsten Punkt und das ist in der Regel der Keller.

Dieses Phänomen wird als Rückstau bezeichnet. Ohne eine funktionierende Sicherung sind Kellerabläufe, Duschen oder Toiletten im Untergeschoss die Einfallstore für eine übelriechende Flut aus dem Kanal. Der daraus resultierende Schaden ist nicht nur teuer, sondern auch hygienisch katastrophal. Entscheidend ist: Nach § 13 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) ist jeder Hausbesitzer zur Eigensicherung gegen Rückstau verpflichtet. Wer keine Rückstausicherung hat, handelt fahrlässig und verliert in der Regel seinen Versicherungsschutz.

Die einzig wirksame technische Lösung ist der Einbau einer Rückstauklappe (oder einer Hebeanlage bei Nutzung unterhalb der Rückstauebene). Diese mechanischen oder automatischen Ventile verschließen die Abwasserleitung, sobald Wasser aus dem Kanal zurückdrückt, und verhindern so das Eindringen ins Haus. Moderne Städteplanungskonzepte wie das der „Schwammstadt“, das in Berlin und Hamburg verfolgt wird, zielen darauf ab, Regenwasser lokal zu versickern und so die Kanalisation zu entlasten. Doch bis diese Konzepte flächendeckend wirken, bleibt die Rückstauklappe der wichtigste Schutz für den einzelnen Hausbesitzer. Ob Ihr Grundstück besonders gefährdet ist, können Sie oft auf Starkregengefahrenkarten einsehen, die viele Kommunen online zur Verfügung stellen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Boden ist entscheidend: Die Fähigkeit Ihres Bodens, Schadstoffe zu filtern (KAK), bestimmt das Grundrisiko für Ihr Grundwasser.
  • Filter-Wahl: Nur Umkehrosmose entfernt Nitrat zuverlässig aus dem Leitungswasser, verbraucht aber zusätzlich Wasser.
  • Wasser-Management: Eine richtig dimensionierte Zisterne und eine Rückstauklappe machen Ihr Haus resilienter gegen Dürre und Starkregen.

Lohnt sich eine Grauwasseranlage für Toilette und Waschmaschine im Neubau?

Die ultimative Stufe der Wasserresilienz auf dem eigenen Grundstück ist das Recycling. Während eine Zisterne das Regenwasser nutzt, geht eine Grauwasseranlage einen Schritt weiter: Sie sammelt das nur leicht verschmutzte Abwasser aus Dusche, Badewanne und Handwaschbecken (sog. Grauwasser), bereitet es in einem mehrstufigen Prozess auf und stellt es als klares Betriebswasser für die Toilettenspülung und die Waschmaschine wieder zur Verfügung. So kann der Trinkwasserverbrauch eines Haushalts um bis zu 50 % gesenkt werden.

Im Gegensatz zur Regenwassernutzung, deren Ertrag vom Wetter abhängt, fällt Grauwasser täglich und konstant an. Das macht es zu einer extrem zuverlässigen Quelle für Betriebswasser. Insbesondere im Neubau, wo die getrennten Leitungsführungen von Anfang an mitgeplant werden können, ist eine Grauwasseranlage eine technisch elegante Lösung. Die entscheidende Frage für die meisten Bauherren ist jedoch die der Wirtschaftlichkeit. Die Investitionskosten sind erheblich höher als für eine einfache Regenwasserzisterne.

Die Amortisationszeit hängt stark von den lokalen Wasser- und Abwassergebühren ab. In Regionen mit hohen Gebühren kann sich eine solche Anlage schneller rechnen. Der folgende Vergleich zeigt die ökonomischen Eckdaten im Überblick.

Grauwasser vs. Regenwassernutzung – Wirtschaftlichkeit
System Investitionskosten Wartung/Jahr Wasserverfügbarkeit Amortisation
Grauwasseranlage 8.000-15.000€ 300-500€ Konstant 15-20 Jahre
Regenwasserzisterne 3.000-6.000€ 100-200€ Wetterabhängig 10-15 Jahre
Kombination 10.000-18.000€ 400-600€ Optimal 12-18 Jahre

Eine Grauwasseranlage ist also weniger eine kurzfristige Sparmaßnahme als vielmehr eine langfristige Investition in die Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit der eigenen Immobilie. Sie ist ein starkes Statement für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser und macht ein Gebäude zukunftssicher gegenüber steigenden Wasserpreisen und zunehmender Knappheit.

Indem Sie die unsichtbaren Zusammenhänge auf Ihrem Grundstück verstehen und gezielt handeln – sei es durch die Wahl des richtigen Filters, den Bau einer Zisterne oder den Dialog mit Ihrem Nachbarn – werden Sie vom passiven Betroffenen zum aktiven Gestalter Ihrer eigenen Wasserzukunft. Beginnen Sie noch heute mit dem ersten Schritt: einer Analyse Ihrer spezifischen Situation.

Häufige Fragen zu Starkregen und Rückstauschutz

Ist eine Rückstauklappe Pflicht?

Ja, indirekt. Nach § 13 WHG sind Hausbesitzer zur Eigensicherung verpflichtet. Das Fehlen einer funktionierenden Rückstausicherung gilt als grob fahrlässig, was im Schadensfall zum Verlust des Versicherungsschutzes führt.

Wo finde ich Starkregengefahrenkarten?

Die meisten deutschen Kommunen und Städte stellen diese Karten online zur Verfügung. Eine gute Anlaufstelle sind die Webseiten der lokalen Stadtentwässerungsbetriebe oder der Umweltämter.

Was kostet eine Rückstauklappe?

Die Kosten variieren je nach Typ und Einbausituation. Die Installation einer modernen, automatischen Rückstauklappe durch einen Fachbetrieb kostet in der Regel zwischen 500 und 1.500 Euro.

Geschrieben von Andreas Kühn, Diplom-Ingenieur für Wasserwirtschaft und vereidigter Sachverständiger für Grundwasserschutz. Seit 18 Jahren tätig in der Planung von Brunnenanlagen, hydrologischen Gutachten und dezentralem Wassermanagement.