
Entgegen der landläufigen Meinung ist eine einzelne Rückstauklappe kein Garant für einen trockenen Keller. Der wahre Schutz liegt in einem ganzheitlichen Wassermanagement für Ihr gesamtes Grundstück, das an der Oberfläche beginnt.
- Die Hauptursache für Rückstau ist nicht ein defekter Kanal, sondern die Überlastung durch versiegelte Flächen auf Ihrem und den umliegenden Grundstücken.
- Die rechtliche und finanzielle Verantwortung für den Rückstauschutz liegt allein beim Hauseigentümer, was bei mangelnder Wartung zum Verlust des Versicherungsschutzes führt.
Empfehlung: Führen Sie eine ganzheitliche Prüfung Ihres Grundstücks durch – vom Dach über die Einfahrt bis zum Kelleranschluss –, um die Wasserbilanz zu optimieren und sich wirksam zu schützen.
Ein dumpfes Gurgeln aus dem Abfluss, gefolgt von einer braunen, übelriechenden Brühe, die unaufhaltsam aus der Bodendrainage quillt und sich im Keller ausbreitet – für viele Hausbesitzer ist dies ein wiederkehrender Albtraum, besonders nach heftigen Sommergewittern. Die erste Reaktion ist oft, die Gemeinde oder die Kanalbetriebe zu beschuldigen. Man installiert vielleicht eine Pumpe oder lässt eine Rückstauklappe einbauen und wiegt sich in Sicherheit. Doch das Problem kehrt zurück, oft schlimmer als zuvor. Die Ursache liegt tiefer als nur im öffentlichen Kanal.
Als Ingenieur für städtische Wasserwirtschaft sehe ich täglich die verheerenden Folgen eines fundamentalen Missverständnisses: Die meisten Schutzmaßnahmen bekämpfen nur Symptome. Die wahre Ursache ist oft ein Systemversagen auf dem eigenen Grundstück. Die Art und Weise, wie Ihr Haus Regenwasser aufnimmt, ableitet und mit dem öffentlichen Netz interagiert, ist der entscheidende Faktor. Ein einzelnes Bauteil kann dieses komplexe Zusammenspiel nicht allein bewältigen. Es ist an der Zeit, das Problem nicht vom Keller aus, sondern von oben zu betrachten – von der Dachfläche bis zur versiegelten Garagenzufahrt.
Dieser Artikel führt Sie durch eine dringend notwendige, ganzheitliche Analyse Ihres Eigentums. Wir decken die fatalen Fehler bei der Oberflächengestaltung auf, klären die knallharten Fakten zur Versicherungshaftung und zeigen auf, wie Sie durch intelligente Maßnahmen nicht nur Ihren Keller schützen, sondern auch langfristig Kosten sparen und den Wert Ihrer Immobilie sichern. Es geht darum, die Kontrolle über das Wasser auf Ihrem Grundstück zurückzugewinnen, bevor es die Kontrolle über Ihren Keller übernimmt.
Um dieses komplexe Thema strukturiert anzugehen, beleuchtet dieser Leitfaden die kritischen Aspekte des Rückstauschutzes. Der folgende Überblick zeigt Ihnen die zentralen Handlungsfelder, von der Ursachenanalyse bis hin zu präventiven Langzeitstrategien.
Sommaire : Rückstau bei Starkregen: Ein systemischer Leitfaden für Hauseigentümer
- Warum läuft Ihr Keller voll, obwohl Sie gar nicht im Hochwassergebiet wohnen (Rückstau aus dem Kanal)?
- Zahlt die Versicherung, wenn die Rückstauklappe nicht gewartet wurde?
- Der Fehler beim Pflastern: Warum das Wasser in die Garage läuft statt auf die Straße
- Wie viel Regenwasser hält ein Gründach zurück und entlastet die Kanalisation?
- Strom abschalten oder pumpen: Was tun Sie in den ersten 10 Minuten, um Ihr Leben zu schützen?
- Warum filtern sandige Böden in Norddeutschland Schadstoffe schlechter als Lehmböden?
- Steigende Prämien: Wird Ihre Immobilie in 10 Jahren noch gegen Naturgefahren versicherbar sein?
- Wie sparen Sie Abwassergebühren, indem Sie Ihre Einfahrt entsiegeln?
Warum läuft Ihr Keller voll, obwohl Sie gar nicht im Hochwassergebiet wohnen (Rückstau aus dem Kanal)?
Die häufigste Fehleinschätzung von Hausbesitzern ist die Annahme, ein Rückstau sei ein Defekt im öffentlichen Kanalnetz. In Wahrheit ist es ein hydraulisches Kapazitätsproblem, das oft direkt vor Ihrer Haustür beginnt. Bei Starkregen fällt in kurzer Zeit eine immense Wassermenge vom Himmel. In städtischen und vorstädtischen Gebieten trifft dieses Wasser auf Dächer, asphaltierte Einfahrten und gepflasterte Terrassen – lauter versiegelte Flächen. Das Wasser kann nicht versickern und wird schlagartig in die Kanalisation geleitet. Das Problem: Die Kanalnetze sind für solche Spitzenlasten nicht ausgelegt. Das Umweltbundesamt warnt, dass gerade kurze, intensive Starkregenereignisse die meisten Schäden verursachen, weil sie die Kanalisation schlagartig überfordern.
Wenn das öffentliche Kanalnetz sein Fassungsvermögen erreicht, steigt der Wasserspiegel im System. Die Kanäle sind voll und das Wasser sucht sich den Weg des geringsten Widerstands. Dieser führt unweigerlich zurück in die angeschlossenen Hausleitungen. Alle Entwässerungspunkte, die unterhalb der sogenannten Rückstauebene (in der Regel die Höhe der Straßenoberkante) liegen, sind nun in akuter Gefahr. Dazu gehören Bodenabläufe im Keller, Toiletten, Duschen oder Waschmaschinenanschlüsse. Das Abwasser aus dem Kanal wird durch Ihre eigenen Rohre zurück in Ihr Haus gedrückt. Dieses Phänomen ist kein Einzelfall; eine Analyse des GDV zeigt, dass zwischen 2002 und 2019 statistisch 83 von 1.000 Wohngebäuden in Deutschland von Starkregenschäden betroffen waren.
Eine Rückstausicherung ist daher keine Option, sondern eine technische Notwendigkeit. Doch nicht jede Lösung ist für jede Situation geeignet. Die Norm DIN 1986-100 unterscheidet klar, welche Schutzmaßnahme für welche Art von Abwasser zulässig ist. Die korrekte Auswahl ist entscheidend für die Funktion und den Versicherungsschutz.
- Fäkalienhaltiges Abwasser (Schwarzwasser): Wasser aus Toiletten enthält Feststoffe. Hier sind nur automatische Hebeanlagen oder Rückstauverschlüsse des Typs 3 mit der Kennzeichnung ‚F‘ erlaubt. Eine einfache Klappe reicht nicht, da sie durch Feststoffe blockiert werden könnte.
- Fäkalienfreies Abwasser (Grauwasser): Wasser aus Duschen, Waschbecken oder Bodenabläufen. Hier sind Rückstauverschlüsse der Typen 2, 3 und 5 zulässig, die einfacher aufgebaut sein können.
Die Installation einer ungeeigneten oder falsch dimensionierten Rückstauklappe bietet nur eine Scheinsicherheit und kann im Ernstfall versagen. Eine fachmännische Beratung durch einen SHK-Betrieb ist daher unerlässlich.
Zahlt die Versicherung, wenn die Rückstauklappe nicht gewartet wurde?
Diese Frage ist für viele Hausbesitzer nach einem Schaden ein böses Erwachen. Die klare und oft schockierende Antwort lautet: in den meisten Fällen nein. Der weitverbreitete Irrglaube ist, dass der Abschluss einer Elementarschadenversicherung allein ausreicht. Doch Versicherungsverträge sind an Bedingungen geknüpft, sogenannte Obliegenheiten. Eine der wichtigsten Obliegenheiten im Kontext von Rückstauschäden ist die Pflicht des Eigentümers, sein Gebäude nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik selbst zu schützen und diese Schutzeinrichtungen funktionstüchtig zu halten.
Diese Pflicht ist nicht nur eine Vertragsklausel, sondern oft auch in den kommunalen Entwässerungssatzungen fest verankert. Dort wird die Verantwortung explizit auf den Grundstückseigentümer übertragen. Ein typisches Beispiel findet sich in unzähligen Satzungen deutscher Städte, wie hier am Beispiel von Erfurt verdeutlicht:
Gegen Rückstau des Abwassers aus der öffentlichen Abwasserbeseitigungseinrichtung hat sich jeder Anschlussberechtigte nach den technischen Bestimmungen und den allgemein anerkannten Regeln der Technik selbst zu schützen.
– Entwässerungssatzung Erfurt, Beispiel einer kommunalen Satzung
Das bedeutet konkret: Ist eine Rückstauklappe vorgeschrieben und installiert, muss sie auch regelmäßig gewartet werden. Fachleute und Hersteller empfehlen eine halbjährliche Wartung durch einen Fachbetrieb. Dabei werden die Klappen auf Leichtgängigkeit geprüft, Dichtungen kontrolliert und Ablagerungen entfernt, die die Funktion beeinträchtigen könnten. Versäumt der Eigentümer diese Wartung und kann dies im Schadensfall nicht durch Wartungsprotokolle nachweisen, spricht man von einer groben Fahrlässigkeit. Die Versicherung kann in diesem Fall die Leistung kürzen oder sogar komplett verweigern. Der teuer bezahlte Versicherungsschutz wird damit wertlos, und der Eigentümer bleibt auf den Sanierungskosten sitzen, die schnell fünfstellige Beträge erreichen können.
Der Fehler beim Pflastern: Warum das Wasser in die Garage läuft statt auf die Straße
Einer der häufigsten und zugleich unscheinbarsten Fehler beim Gebäudeschutz liegt direkt unter unseren Füßen: die Gestaltung der Einfahrt und anderer befestigter Flächen. Viele Hausbesitzer planen ihre Außenanlagen mit einem Fokus auf Ästhetik und Komfort, ignorieren dabei aber eine fundamentale physikalische Regel. Das Ergebnis ist eine perfekt versiegelte Oberfläche, die bei Starkregen zu einer unkontrollierbaren Wasserautobahn wird, die direkt auf die schwächsten Punkte des Hauses zielt: Garagentore, Kellerfenster und Lichtschächte.
Der kritische Planungsfehler ist ein fehlendes oder falsch ausgerichtetes Gefälle. Als technische Faustregel gilt: Alle befestigten Flächen am Haus müssen ein Gefälle von mindestens 2 % (2 Zentimeter Höhenunterschied pro Meter Länge) vom Gebäude weg aufweisen. Dieses Gefälle darf das Wasser jedoch nicht einfach auf die öffentliche Straße leiten, wo es die Kanalisation zusätzlich belastet. Stattdessen sollte es gezielt in private Grünflächen wie Rasen, Beete oder eine eigens angelegte Sicker-Mulde geführt werden. Dort kann das Wasser langsam und schadlos im Boden versickern und das Grundwasser anreichern.
Eine noch effektivere Lösung ist die bewusste Entsiegelung. Anstelle von massivem Beton oder fugendichtem Pflaster sollten versickerungsfähige Beläge zum Einsatz kommen. Dazu gehören:
- Ökopflaster oder Porenpflaster: Steine mit speziellen Poren oder breiteren Fugen, die mit Splitt gefüllt sind und Wasser durchlassen.
- Rasengittersteine: Beton- oder Kunststoffgitter, deren Kammern mit Erde und Rasen gefüllt werden und so eine stabile, aber wasserdurchlässige Oberfläche schaffen.
- Schotter- oder Kiesflächen: Besonders für Wege oder selten genutzte Stellplätze geeignet.

Wie die Abbildung zeigt, ermöglichen solche Beläge dem Regenwasser, direkt an Ort und Stelle zu versickern, anstatt oberflächlich abzufließen. Dieser Ansatz hat nicht nur einen schützenden Effekt, sondern auch einen finanziellen Vorteil. Viele deutsche Kommunen belohnen die Entsiegelung aktiv, da sie die öffentlichen Kanalsysteme entlastet. Für nachweislich entsiegelte Flächen, von denen kein Niederschlagswasser in den Kanal gelangt, gewähren sie einen Nachlass von 20 % bis zu 100 % auf die Niederschlagswassergebühr.
Wie viel Regenwasser hält ein Gründach zurück und entlastet die Kanalisation?
Während die Entsiegelung am Boden ansetzt, bietet das Dach die größte ungenutzte Fläche für ein intelligentes Wassermanagement. Ein Gründach ist weit mehr als nur ein ästhetisches Element; es ist ein hochwirksamer, lebender Puffer gegen Starkregen. Anstatt das gesamte Regenwasser schlagartig über Fallrohre in die Kanalisation zu leiten, funktioniert ein begrüntes Dach wie ein Schwamm. Es fängt das Wasser auf, speichert einen erheblichen Teil davon in seinem Substrataufbau und gibt den Rest nur stark verzögert wieder ab.
Die Effizienz dieses Systems ist beeindruckend. Gemäß den FLL-Richtlinien, dem deutschen Standard für Dachbegrünung, können extensiv begrünte Dächer 60-90 % des Jahresniederschlags zurückhalten. Das entlastet die Kanalisation genau dann, wenn sie es am dringendsten braucht: während der Spitzenabflüsse bei Starkregen. Eine Studie der Technischen Hochschule Bingen hat in einem Freiluftlabor nachgewiesen, dass diese Werte realistisch sind. Nach trockenen Sommerperioden, wenn das Substrat besonders aufnahmefähig ist, war sogar ein Regenwasserrückhalt von über 90 % möglich. Dies zeigt das enorme Potenzial von Gründächern zur lokalen Überflutungsvorsorge.
Für Hausbesitzer gibt es verschiedene Systeme, die sich in Aufbau, Gewicht, Pflegeaufwand und Wasserspeicherkapazität unterscheiden. Die Wahl des richtigen Systems hängt von der Dachstatik und dem gewünschten Nutzen ab.
| Gründach-Typ | Aufbauhöhe | Wasserrückhalt | Zusatznutzen |
|---|---|---|---|
| Extensivbegrünung | 6-15 cm | 20-40 l/m² | Geringe Last, pflegeleicht |
| Retentionsdach | 10-15 cm | bis 55 l/m² | Optimierte Wasserspeicherung |
| Intensivbegrünung | 15-40 cm | 50-100 l/m² | Gartennutzung möglich |
Die Extensivbegrünung ist die häufigste Variante für Garagen, Carports oder Anbauten. Sie ist leicht, kostengünstig und erfordert minimalen Pflegeaufwand, da sie mit trockenheitsresistenten Pflanzen wie Sedumarten bepflanzt wird. Die Intensivbegrünung hingegen verwandelt ein Flachdach in einen vollwertigen Dachgarten mit Stauden, Sträuchern und sogar kleinen Bäumen, erfordert aber eine höhere Traglast der Dachkonstruktion. Das Retentionsdach ist eine spezielle Form der Extensivbegrünung, die auf maximale Wasserspeicherung ausgelegt ist und so einen noch höheren Beitrag zum Überflutungsschutz leistet.
Strom abschalten oder pumpen: Was tun Sie in den ersten 10 Minuten, um Ihr Leben zu schützen?
Wenn alle präventiven Maßnahmen versagt haben oder noch nicht umgesetzt wurden und das Wasser in den Keller steigt, tritt ein Notfallplan in Kraft. In diesen ersten Minuten geht es nicht mehr um den Schutz von Sachwerten, sondern ausschließlich um Ihre persönliche Sicherheit. Falsches Handeln kann lebensgefährlich sein. Die größte unsichtbare Gefahr ist Strom. Wasser und Elektrizität sind eine tödliche Kombination. Betreten Sie daher unter keinen Umständen einen überfluteten Keller, wenn der Strom nicht abgeschaltet ist.
Wenn der Sicherungskasten trocken und sicher erreichbar ist (z. B. in einem anderen Stockwerk), schalten Sie sofort die Hauptsicherung für den Keller oder das gesamte Haus ab. Ist der Sicherungskasten selbst im überfluteten Bereich, besteht akute Lebensgefahr. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) warnt eindringlich: „Liegt der Stromkasten dort, wo das Wasser ist, besser die Feuerwehr oder den Energieversorger anrufen.“ Versuchen Sie niemals, den Kasten selbst zu erreichen.
Die zweite große Gefahr geht von unsichtbaren Schadstoffen im Wasser aus. Das zurückgestaute Wasser ist eine Mischung aus Regenwasser und Abwasser, möglicherweise kontaminiert mit Fäkalien, Chemikalien oder ausgelaufenem Heizöl. Kontakt mit der Haut sollte vermieden werden. Wenn Sie einen Ölfilm auf dem Wasser oder einen starken chemischen Geruch bemerken, ist dies ein Fall für die Feuerwehr (Notruf 112). Diese verfügt über spezielle Ausrüstung, um solche Gefahrstoffe zu binden und zu entsorgen.
Ihr Notfallplan für die ersten 10 Minuten bei Kellerüberflutung
- Minute 1-2: Ruhe bewahren und Abstand halten. Betreten Sie unter keinen Umständen das Wasser. Schätzen Sie die Lage aus sicherer Entfernung ein.
- Minute 3-4: Stromversorgung unterbrechen. Schalten Sie den Strom am Sicherungskasten ab, aber nur, wenn dieser absolut trocken und sicher erreichbar ist. Im Zweifel sofort den Energieversorger oder die Feuerwehr informieren.
- Minute 5-6: Auf Schadstoffe prüfen. Achten Sie auf Ölfilme (Heizöl) oder stechende Gerüche (Chemikalien) im Wasser.
- Minute 7-8: Notruf absetzen. Bei Verdacht auf Schadstoffaustritt oder wenn der Strom nicht sicher abgeschaltet werden kann, rufen Sie unverzüglich die Feuerwehr unter 112 an.
- Minute 9-10: Schäden dokumentieren. Machen Sie Fotos und Videos des überfluteten Bereichs aus sicherer Entfernung. Diese Dokumentation ist entscheidend für die spätere Schadensregulierung mit der Versicherung.
Das Abpumpen des Wassers ist erst der nächste Schritt, nachdem die unmittelbaren Gefahren gebannt sind. Beginnen Sie niemals mit dem Pumpen, solange der Wasserstand außerhalb des Hauses noch hoch ist. Der Druck von außen könnte die Kellerwände beschädigen oder sogar zum Einsturz bringen. Warten Sie, bis das Wasser im Umfeld zurückgegangen ist.
Warum filtern sandige Böden in Norddeutschland Schadstoffe schlechter als Lehmböden?
Der Schutz eines Grundstücks endet nicht an der Kellerwand. Die Beschaffenheit des Bodens spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie gut Ihr Grundstück mit Wassermassen und den darin enthaltenen Schadstoffen umgehen kann. Dies ist besonders in Regionen wie Norddeutschland von Bedeutung, wo sandige Böden weit verbreitet sind. Während Lehm- oder Tonböden Wasser relativ langsam aufnehmen, aber eine hohe Filter- und Bindungskapazität für Schadstoffe haben, verhält es sich bei Sandböden genau umgekehrt.
Sandböden, wie sie beispielsweise in Brandenburg und Niedersachsen typisch sind, bestehen aus groben Partikeln mit großen Poren dazwischen. Wasser kann sehr schnell durch diese Poren hindurchsickern. Das ist bei reinem Regenwasser von Vorteil, wird aber zur Gefahr, wenn das Wasser kontaminiert ist. Schadstoffe wie Bakterien aus Fäkalwasser, Reste von Heizöl, Pestizide oder andere Chemikalien werden kaum zurückgehalten. Sie werden mit dem Wasser schnell in tiefere Bodenschichten und potenziell bis ins Grundwasser transportiert. Für Hausbesitzer bedeutet dies eine langfristige Verseuchung des eigenen Gartens und eine Gefahr für den eventuell genutzten Brunnen.

Lehmböden hingegen bestehen aus feineren Partikeln. Sie haben eine höhere Fähigkeit, Wasser zu speichern und Schadstoffe an Tonminerale zu binden (Adsorption). Die Schadstofffront bewegt sich wesentlich langsamer und weniger tief, was eine Sanierung erleichtert und das Grundwasser besser schützt. Als Hausbesitzer auf sandigem Boden sollten Sie daher aktive Maßnahmen zur Bodenverbesserung in Betracht ziehen, um die Filterleistung zu erhöhen und die Wasserhaltefähigkeit zu verbessern:
- Einbringung von Kompost: Reifer Kompost erhöht den Humusanteil im Boden, verbessert die Bodenstruktur und steigert die Fähigkeit, Wasser und Nährstoffe zu speichern.
- Beimischung von Tonmineralen: Produkte wie Bentonit (ein natürliches Tonmineral) können in den Oberboden eingearbeitet werden. Sie erhöhen die Bindungsfähigkeit für Wasser und Schadstoffe erheblich. Eine Aufwandmenge von 10-20 kg/m² kann bereits eine deutliche Verbesserung bewirken.
- Anlage einer Mulchschicht: Eine 5-10 cm dicke Schicht aus Rindenmulch oder Holzhackschnitzeln auf den Beeten schützt den Boden vor Austrocknung und Erosion und fördert das Bodenleben.
Diese Maßnahmen tragen nicht nur zum Schutz bei Hochwasser bei, sondern verbessern auch die allgemeine Gartengesundheit und reduzieren den Gießaufwand in trockenen Perioden.
Das Wichtigste in Kürze
- Rückstauschutz ist Systemmanagement: Eine einzelne Maßnahme reicht nicht; das Zusammenspiel von Dach, Einfahrt, Boden und Kanalanschluss ist entscheidend.
- Der Eigentümer ist verantwortlich: Gesetz und Versicherung fordern den Nachweis von fachgerechtem Schutz und regelmäßiger Wartung, sonst droht Leistungsverweigerung.
- Entsiegelung ist aktiver Schutz: Versickerungsfähige Flächen entlasten die Kanalisation, schützen den Keller und können Abwassergebühren senken.
Steigende Prämien: Wird Ihre Immobilie in 10 Jahren noch gegen Naturgefahren versicherbar sein?
Die zunehmende Häufigkeit von Starkregenereignissen hat nicht nur physische, sondern auch massive finanzielle Konsequenzen. Allein im Jahr 2024 betrugen die versicherten Sachschäden durch Naturgefahren in Deutschland 4,4 Milliarden Euro. Versicherer reagieren auf dieses steigende Risiko mit einer immer genaueren Bewertung der Gefährdungslagen und entsprechenden Anpassungen der Prämien. Für Hausbesitzer stellt sich daher die drängende Frage: Ist meine Immobilie langfristig überhaupt noch versicherbar, und wenn ja, zu welchem Preis?
Das zentrale Werkzeug der deutschen Versicherungswirtschaft zur Risikobewertung von Hochwasser, Rückstau und Starkregen ist das Zonierungssystem für Überschwemmungsrisiko und Einschätzung von Umweltrisiken (ZÜRS Geo). Dieses System teilt ganz Deutschland in vier Gefährdungsklassen (GK) ein, basierend auf der statistischen Häufigkeit von Hochwasserereignissen.
Auch wenn Ihre Immobilie nicht an einem Fluss liegt, wird sie einer ZÜRS-Klasse zugeordnet, die das lokale Starkregenrisiko widerspiegelt. Die Einstufung hat direkten Einfluss auf die Verfügbarkeit und die Kosten einer Elementarschadenversicherung.
| ZÜRS-Klasse | Hochwasser-Häufigkeit | Anteil Gebäude | Versicherbarkeit |
|---|---|---|---|
| GK 1 | Seltener als 1x in 200 Jahren | 92,4% | Problemlos versicherbar |
| GK 2 | 1x in 100-200 Jahren | ca. 6% | Mit Zuschlag versicherbar |
| GK 3 | 1x in 10-100 Jahren | ca. 1% | Hoher Zuschlag/Ablehnung möglich |
| GK 4 | Häufiger als 1x in 10 Jahren | 0,4% | Meist nicht versicherbar |
Die schlechte Nachricht: Durch den Klimawandel und die fortschreitende Flächenversiegelung werden Risikokarten neu gezeichnet. Ein Grundstück, das heute noch in der günstigen GK 1 oder 2 liegt, könnte in Zukunft in eine höhere Klasse rutschen. Dies führt unweigerlich zu steigenden Prämien oder im schlimmsten Fall dazu, dass Versicherer den Schutz für besonders gefährdete Objekte ganz ablehnen. Der Nachweis von umfassenden, proaktiven Schutzmaßnahmen – wie eine gewartete Hebeanlage, entsiegelte Flächen oder ein Gründach – wird damit zu einem entscheidenden Argument, um überhaupt noch Versicherungsschutz zu erhalten und die Prämien in einem erträglichen Rahmen zu halten. Die Investition in den Schutz des Hauses ist somit auch eine Investition in seine zukünftige Versicherbarkeit und seinen Marktwert.
Wie sparen Sie Abwassergebühren, indem Sie Ihre Einfahrt entsiegeln?
Der Schutz vor Starkregen und die Senkung laufender Kosten müssen keine Gegensätze sein. Im Gegenteil: Eine der wirksamsten Maßnahmen zur Reduzierung des Rückstaurisikos – die Entsiegelung von Flächen – wird von vielen Kommunen direkt finanziell belohnt. Angesichts der immensen Kosten, die durch Überflutungen entstehen (allein zwischen 2002 und 2021 betrugen die Starkregenschäden an Wohngebäuden bundesweit 12,6 Milliarden Euro), haben Städte und Gemeinden ein starkes Eigeninteresse daran, dass möglichst wenig Regenwasser in die Kanalisation gelangt.
Aus diesem Grund haben die meisten Kommunen eine gesplittete Abwassergebühr eingeführt. Sie zahlen nicht mehr eine pauschale Gebühr, sondern getrennt für Schmutzwasser (aus Haushalt und Toilette) und Niederschlagswasser. Die Gebühr für Niederschlagswasser bemisst sich an der Größe der versiegelten Flächen auf Ihrem Grundstück, von denen Wasser in den Kanal abgeleitet wird. Hier liegt der Hebel zum Sparen: Jeder Quadratmeter, den Sie entsiegeln oder dessen Wasser Sie auf dem eigenen Grundstück versickern lassen, reduziert Ihre Gebührenlast.
Die Königsdisziplin ist die Kombination verschiedener Elemente zu einem integralen Entwässerungskonzept. Ein hervorragendes Beispiel ist die Praxis in innovativen Kommunen wie Solingen. Dort wird die Kombination aus versickerungsfähigem Pflaster auf der Einfahrt mit einer nachgeschalteten Mulden-Rigole oder einem Regengarten gefördert. Das Wasser versickert zunächst durch den Belag, und was bei Extremregen dennoch oberflächlich abfließt, wird in der Mulde gesammelt und kann dort langsam im Boden versickern. Das Ergebnis: Es gelangt kein Tropfen in den Kanal, die Gebühren für diese Fläche entfallen komplett, und das Grundstück ist optimal vor Überflutung geschützt. Ein solches System verbindet intelligent die Kanalnetzbewirtschaftung der Stadt mit der privaten Grundstücksentwässerung.
Die Entsiegelung Ihrer Einfahrt ist also mehr als nur eine ökologische Geste. Es ist eine aktive, wirtschaftlich sinnvolle Maßnahme des Selbstschutzes, die die Resilienz Ihres Eigentums erhöht und Ihre laufenden Kosten senkt. Informieren Sie sich bei Ihrer Stadt oder Gemeinde über die genauen Satzungen und Fördermöglichkeiten zur Entsiegelung.
Der Schutz Ihres Kellers ist keine Aufgabe, die Sie aufschieben sollten. Jeder Starkregen kann der eine zu viel sein. Fangen Sie noch heute damit an, Ihr Grundstück als ein zusammenhängendes Wassersystem zu betrachten. Führen Sie eine kritische Bestandsaufnahme durch: Wo sind Ihre Flächen versiegelt? Ist Ihr Gefälle korrekt? Wann wurde Ihre Rückstausicherung zuletzt gewartet? Ergreifen Sie jetzt die Initiative für eine ganzheitliche und nachhaltige Schutzstrategie.
Fragen fréquentes sur Rückstau bei Starkregen: Schutz für den Keller
Was kostet eine Rückstauklappe?
Die Kosten für eine einfache Rückstauklappe für Grauwasser (fäkalienfrei) beginnen bei etwa 200-400 Euro für das Material. Inklusive fachgerechtem Einbau durch einen SHK-Betrieb sollten Sie mit Gesamtkosten zwischen 800 und 1.500 Euro rechnen. Eine Hebeanlage für Schwarzwasser (fäkalienhaltig) ist deutlich teurer und kann inklusive Installation 3.000 bis 6.000 Euro oder mehr kosten. Diese Investition ist jedoch gering im Vergleich zu den Sanierungskosten eines überfluteten Kellers.
Wer ist für den Rückstau aus dem Kanal verantwortlich?
Die Verantwortung liegt fast ausnahmslos beim Grundstückseigentümer. Kommunale Entwässerungssatzungen verpflichten jeden Eigentümer, sich selbst gegen Rückstau aus dem öffentlichen Kanal zu schützen. Die Gemeinde haftet in der Regel nicht für Schäden, die durch eine Überlastung des Kanalnetzes bei Starkregen entstehen. Diese rechtliche Grundlage macht eine funktionierende private Rückstausicherung unerlässlich.
Wie oft muss eine Rückstauklappe gewartet werden?
Die meisten Hersteller und Fachverbände schreiben eine halbjährliche Wartung durch einen qualifizierten Fachbetrieb vor. Bei dieser Wartung werden die Klappen auf freie Beweglichkeit geprüft, Dichtungen kontrolliert und eventuelle Ablagerungen entfernt. Es ist entscheidend, diese Wartungen durchführen zu lassen und die Protokolle aufzubewahren, da Versicherungen im Schadensfall diesen Nachweis verlangen, um grobe Fahrlässigkeit auszuschließen.