Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Die ökologische Transformation ist keine Bedrohung für den deutschen Mittelstand, sondern ein wirksamer Hebel zur Steigerung der Profitabilität und zur Minderung existenzieller Geschäftsrisiken.

  • Regulatorische Pflichten wie die CSRD sind keine bürokratische Last, sondern ein kalkulierbares finanzielles Risiko, das proaktiv gemanagt werden muss.
  • Investitionen in Energieeffizienz sind keine reinen Kosten, sondern direkte Maßnahmen zur Senkung der Betriebsausgaben mit klarer Amortisation.
  • Nachhaltige Betriebsmodelle und transparente Berichterstattung entwickeln sich von einer „Nice-to-have“-Komponente zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil „Made in Germany“.

Empfehlung: Analysieren Sie die neuen regulatorischen und energetischen Risiken nicht als Bedrohung, sondern als Ausgangspunkt für gezielte Investitionsprojekte, die die Widerstandsfähigkeit und den Gewinn Ihres Unternehmens nachhaltig stärken.

Als Geschäftsführer im deutschen Mittelstand stehen Sie unter enormem Druck. Steigende Energiekosten schmälern Ihre Marge, neue EU-Richtlinien wie die CSRD wirken wie ein undurchdringlicher Bürokratie-Dschungel und der Wettbewerb aus dem Ausland, der sich nicht um CO2-Preise schert, sitzt Ihnen im Nacken. Von allen Seiten hören Sie, Sie sollen die ökologische Transformation als „Chance“ begreifen, innovativ sein und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Doch diese Ratschläge fühlen sich oft abstrakt und weltfremd an, wenn der Cashflow knapp ist und das operative Geschäft Ihre volle Aufmerksamkeit erfordert.

Die Angst, dass die Kosten für Nachhaltigkeit das Unternehmen in die Knie zwingen könnten, ist real und berechtigt. Doch was, wenn der Schlüssel nicht in vagen Hoffnungen, sondern in kühler, kaufmännischer Kalkulation liegt? Was, wenn die ökologische Transformation die größte Chance ist, Ihr Unternehmen krisenfester und profitabler zu machen – gerade weil sie Sie zwingt, jeden Prozess, jede Maschine und jede Lieferkette auf den Prüfstand zu stellen? Es geht nicht darum, ein „grünes“ Unternehmen zu werden. Es geht darum, ein widerstandsfähiges, effizientes und damit zukunftsfähiges Unternehmen zu bleiben.

Dieser Artikel dient als strategischer Kompass. Wir werden die ökologische Transformation nicht als ideologisches Projekt betrachten, sondern als eine Serie von unternehmerischen Entscheidungen. Wir analysieren die größten Risiken – von der Berichtspflicht bis zum Energieverbrauch – und zeigen konkrete, profitable Wege auf, wie Sie diese Risiken in handfeste Vorteile umwandeln. Ziel ist es, Ihnen eine klare Roadmap an die Hand zu geben, um die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens zu sichern, ohne dabei die finanzielle Stabilität zu gefährden.

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Um diese komplexe Herausforderung strukturiert anzugehen, haben wir die wichtigsten Handlungsfelder für Sie aufgeschlüsselt. Der folgende Überblick führt Sie durch die zentralen strategischen Fragen, von regulatorischen Pflichten über Kostensenkungspotenziale bis hin zu neuen Wettbewerbsvorteilen.

CSRD-Berichtspflicht ab 2025: Wer ist betroffen und was kostet die Ignoranz?

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist mehr als nur eine weitere bürokratische Übung. Sie ist ein fundamentaler Wandel, wie Unternehmen über ihre Nachhaltigkeitsleistung Rechenschaft ablegen müssen. Für den deutschen Mittelstand bedeutet dies eine massive Ausweitung der Berichtspflichten. Schätzungen zufolge sind plötzlich rund 15.000 Unternehmen in Deutschland betroffen, von denen viele bisher keine Berührungspunkte mit formaler Nachhaltigkeitsberichterstattung hatten. Die entscheidende Frage ist nicht mehr *ob*, sondern *wann* und *wie* Sie berichten müssen.

Die Kosten der Ignoranz sind dabei weitaus höher als die Kosten der Vorbereitung. Sie gehen über mögliche Bußgelder hinaus und betreffen den Kern Ihres Geschäfts: Finanzierungspartner könnten Kredite verweigern, qualifizierte Fachkräfte könnten sich für transparentere Arbeitgeber entscheiden und Großkunden, die selbst berichtspflichtig sind, werden ihre Lieferanten rigoros nach ESG-Kriterien auswählen. Die CSRD wird so zum entscheidenden Faktor für Ihre „License to Operate“. Eine proaktive Auseinandersetzung ist daher keine Option, sondern eine strategische Notwendigkeit zur Risikominimierung.

Um diese Herausforderung planbar zu machen, ist es entscheidend, die neuen Fristen zu kennen, die kürzlich angepasst wurden. Die gestaffelte Einführung gibt Ihnen wertvolle Zeit zur Vorbereitung.

CSRD-Zeitplan nach Unternehmensgröße
Unternehmenskategorie Ursprüngliche Frist Neue Frist nach Verschiebung
Große Unternehmen (>250 MA, >50 Mio. € Umsatz) 2026 für GJ 2025 2028 für GJ 2027
Börsennotierte KMU 2027 für GJ 2026 2029 für GJ 2028

Diese Verschiebung ist kein Freibrief zum Nichtstun, sondern eine Chance, die notwendigen Datenstrukturen und Prozesse ohne Hektik aufzubauen. Betrachten Sie es als Investition in Ihre regulatorische Resilienz. Ein Unternehmen, das seine Daten im Griff hat, ist nicht nur konform, sondern auch besser steuerbar.

Wie senken Sie Ihre Energiekosten in der Fertigung um 20% ohne Produktionsstopp?

Für produzierende Mittelständler sind die Energiekosten von einem Nebenschauplatz zu einem der größten unkontrollierbaren Risikofaktoren geworden. Eine Steigerung um 20% kann den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust bedeuten. Die Lösung liegt jedoch selten in radikalen, teuren Neuinvestitionen, sondern oft in der intelligenten Optimierung des Bestehenden. Der erste und wichtigste Schritt ist ein professionelles Energie-Audit. Es deckt systematisch auf, wo in Ihren Prozessen – von der Druckluft über die Beleuchtung bis zur Prozesswärme – Energie und damit bares Geld verloren geht.

Besonders im Bereich der Prozesswärme, die in vielen Fertigungsbetrieben einen Löwenanteil des Verbrauchs ausmacht, schlummern enorme Potenziale. Maßnahmen wie die Abwärmenutzung, die Optimierung von Isolierungen oder der Umstieg auf effizientere Wärmeerzeuger können die Kosten drastisch senken. Viele Unternehmer scheuen die Investition, doch der Staat unterstützt diese gezielt. Je nach Unternehmensgröße und Maßnahme können bis zu 60 % Zuschuss für die Umstellung auf erneuerbare Energien und Effizienzmaßnahmen beantragt werden. Dies verkürzt die Amortisationszeit erheblich und macht aus einer vermeintlichen Belastung einen klaren Profitabilitätshebel.

Die Senkung der Energiekosten ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Die Implementierung eines einfachen Energiemanagementsystems, das Verbräuche visualisiert, schafft Transparenz und ermöglicht es, Abweichungen sofort zu erkennen und gegenzusteuern. Es geht darum, operative Effizienz nicht als ökologisches Ziel, sondern als betriebswirtschaftliche Daueraufgabe zu etablieren. Eine Reduktion um 20% ist kein utopisches Ziel, sondern für viele Betriebe ein realistisches Ergebnis systematischer Analyse und konsequenter Umsetzung.

Kaufen oder Leasen: Welches Modell senkt den CO2-Fußabdruck Ihrer Maschinenflotte effektiver?

Die Modernisierung des Maschinenparks ist ein zentraler Hebel der ökologischen Transformation. Neue, energieeffizientere Anlagen senken nicht nur die Betriebskosten, sondern verbessern auch direkt die CO2-Bilanz. Doch die klassische Frage „Kaufen oder Leasen?“ erhält durch die neuen ESG-Anforderungen eine völlig neue Dimension. Es geht nicht mehr nur um Liquidität und Bilanzoptik, sondern auch um Flexibilität und Technologierisiko im Kontext sich ständig ändernder Vorschriften.

Gegenüberstellung von Kauf- und Leasingmodellen für nachhaltige Maschinenflotten

Wie die Gegenüberstellung zeigt, verlagern die beiden Modelle das Risiko und die Verantwortung unterschiedlich. Eine gekaufte Maschine wird zum Anlagevermögen und ihre direkten Emissionen fallen unter Scope 1. Sie tragen das volle Technologierisiko: Wenn in fünf Jahren eine noch effizientere Technologie zum Standard wird, sind Sie mit Ihrer alten Anlage im Nachteil. Leasing hingegen bietet eine höhere Flexibilität. Die Emissionen fallen in der Regel unter Scope 3 (eingekaufte Dienstleistungen) und das Technologierisiko verbleibt beim Leasinggeber. Sie können Ihren Maschinenpark stets auf dem neuesten Stand der Technik halten, was für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit entscheidend ist.

Die Entscheidung hängt stark von Ihrer Unternehmensstrategie und Ihrer Risikobereitschaft ab. Der folgende Vergleich zeigt die wichtigsten Kriterien im Überblick.

Entscheidungsmatrix Kauf vs. Leasing für nachhaltige Maschinen
Kriterium Kauf Leasing
CO2-Bilanz Scope 1 Emissionen Scope 3 Emissionen
Bilanzneutralität Aktivierung erforderlich Off-Balance möglich
Technologierisiko Beim Unternehmen Beim Leasinggeber
Flexibilität bei Gesetzesänderungen Gering Hoch

Leasing kann sich somit als strategisch kluger Schachzug erweisen, um die regulatorische Resilienz zu erhöhen. Sie wandeln eine hohe Anfangsinvestition (CAPEX) in planbare Betriebskosten (OPEX) um und sichern sich den Zugang zu modernster, emissionsarmer Technologie, ohne langfristig Kapital zu binden.

Der PR-Fehler, der einem deutschen Textilhersteller 2 Millionen Euro Bußgeld einbrachte

Der Begriff „Greenwashing“ – das Vortäuschen ökologischer Verantwortung – hat sich von einem reinen PR-Ärgernis zu einem handfesten finanziellen und rechtlichen Risiko entwickelt. Während der Titel von einem Textilhersteller spricht, liefert der Fall der DWS, einer Tochter der Deutschen Bank, die bisher drastischste Lektion für den gesamten deutschen Markt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt verhängte ein Bußgeld in Höhe von 25 Millionen Euro, weil das Unternehmen seine Fonds als nachhaltiger darstellte, als sie tatsächlich waren. Dieser Fall markiert einen Wendepunkt.

Die Botschaft der Behörden ist unmissverständlich: Wer mit Nachhaltigkeit wirbt, muss dies lückenlos belegen können. Vage Aussagen wie „umweltfreundlich produziert“ oder „grüne Technologie“ ohne zertifizierte Nachweise sind eine tickende Zeitbombe. Für einen produzierenden Mittelständler kann dies bedeuten, dass eine unbedachte Marketingaussage über ein Produkt zu Ermittlungen wegen Verbrauchertäuschung führt. Der Schaden geht weit über das Bußgeld hinaus und umfasst Reputationsverlust, Kundenabwanderung und den Ausschluss aus Lieferketten.

Die Einschätzung von Finanzexperten unterstreicht die neue Ernsthaftigkeit, mit der das Thema behandelt wird. Mauricio Vargas, Finanzexperte bei Greenpeace, kommentierte den DWS-Fall unmissverständlich:

Diese historisch hohe Strafzahlung für Greenwashing ist ein deutlicher Weckruf für die ganze Branche: Verbrauchertäuschung ist kein Kavaliersdelikt, sondern Betrug.

– Mauricio Vargas, Greenpeace-Finanzexperte

Für Sie als Unternehmer bedeutet das: Jede öffentliche Aussage zur Nachhaltigkeit muss wasserdicht sein. Radikale Transparenz ist der beste Schutz. Kommunizieren Sie ehrlich, was Sie bereits erreicht haben, aber auch, wo noch Herausforderungen liegen. Eine glaubwürdige, datengestützte Nachhaltigkeitskommunikation ist kein Kostenfaktor, sondern ein entscheidender Baustein für das Vertrauen Ihrer Kunden und Geschäftspartner.

Wann muss Ihre Heizanlage ausgetauscht werden: Der Zeitplan des GEG für Gewerbeimmobilien

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), oft als „Heizungsgesetz“ diskutiert, betrifft nicht nur private Haushalte, sondern hat auch massive Auswirkungen auf Gewerbeimmobilien. Für Sie als Unternehmer bedeutet dies, dass Sie die Modernisierung Ihrer Heizungsanlagen nicht mehr auf die lange Bank schieben können. Das Gesetz schreibt vor, dass neu eingebaute Heizungen zu mindestens 65% mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Dies erzwingt eine langfristige Investitionsplanung und eine Abkehr von rein fossilen Systemen.

Zeitlicher Ablauf der GEG-Fristen für Heizungsaustausch in Gewerbegebäuden

Der Austausch ist an die kommunale Wärmeplanung gekoppelt. Sobald Ihre Gemeinde einen Wärmeplan vorlegt, werden die GEG-Vorgaben für Sie scharfgeschaltet. Für große Städte ist dies bis Mitte 2026, für kleinere Kommunen bis Mitte 2028 geplant. Ab diesem Zeitpunkt wird jede neue Heizungsinvestition an den 65%-Erneuerbaren-Anteil gebunden sein. Bestehende, funktionierende Heizungen müssen nicht sofort ausgetauscht werden, aber bei einem Defekt oder am Ende der Lebensdauer greift die neue Regelung unweigerlich. Dies macht eine proaktive Planung unerlässlich, um nicht von einem plötzlichen Ausfall und einer teuren Notinvestition überrascht zu werden.

Die Auseinandersetzung mit dem GEG ist ein klassischer Fall von risikobasiertem Management. Anstatt auf einen Heizungsausfall zu warten, sollten Sie jetzt die Optionen für Ihre Standorte prüfen. Gibt es die Möglichkeit eines Anschlusses an ein Fernwärmenetz? Eignet sich das Dach für Solarthermie oder der Hof für eine Wärmepumpe? Eine frühzeitige Analyse der Gegebenheiten und eine darauf aufbauende Investitionsplanung verwandeln eine drohende Zwangsausgabe in eine kalkulierbare Modernisierungsmaßnahme, die langfristig nicht nur gesetzeskonform ist, sondern auch Ihre Energiekosten und Ihre CO2-Bilanz deutlich verbessert.

Was gehört wirklich in Scope 3:Wie legen Sie ein Biotop im Kleingarten an, das dem Bundeskleingartengesetz entspricht?

Die Begriffe Scope 1, 2 und 3 des Greenhouse Gas (GHG) Protocol sind das Fundament jeder seriösen CO2-Bilanz. Während Scope 1 (direkte Emissionen aus eigenen Quellen wie dem Firmenfuhrpark) und Scope 2 (indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie wie Strom) relativ einfach zu erfassen sind, stellt Scope 3 die größte Herausforderung dar. Hierunter fallen alle anderen indirekten Emissionen, die in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette entstehen. Dies reicht von den Emissionen bei der Herstellung eingekaufter Rohstoffe über die Geschäftsreisen der Mitarbeiter bis hin zur Entsorgung Ihrer Produkte beim Endkunden.

Die Komplexität von Scope 3 schreckt viele Mittelständler ab, doch seine Ignoranz ist fatal. Denn gerade hier liegt der mit Abstand größte Hebel: In den meisten produzierenden Unternehmen machen die Scope-3-Emissionen laut einer Statistik von Statista durchschnittlich 75 Prozent des gesamten CO2-Fußabdrucks aus. Große Konzerne, die zur CSRD-Berichterstattung verpflichtet sind, geben den Druck bereits an ihre Lieferanten weiter. Wer seine Scope-3-Daten nicht liefern kann, droht, aus wichtigen Lieferketten ausgeschlossen zu werden.

Die gute Nachricht ist: Sie benötigen nicht zwangsläufig teure Berater für eine erste, fundierte Schätzung. Der Schlüssel liegt in der pragmatischen Anwendung des Pareto-Prinzips. Konzentrieren Sie sich auf die 2-3 größten Emissionsquellen in Ihrer Wertschöpfungskette. Für einen Maschinenbauer sind dies typischerweise der Einkauf von Stahl und anderen Materialien sowie die Transporte. Mit einer einfachen Methodik und kostenlosen Werkzeugen können Sie eine solide Datengrundlage schaffen.

Ihr Aktionsplan zur Scope-3-Ermittlung

  1. Hotspots identifizieren: Analysieren Sie Ihre Einkaufs- und Logistikdaten. Identifizieren Sie die 2-3 größten Posten (z.B. eingekaufte Waren, Transporte, Geschäftsreisen), die den Großteil der Emissionen verursachen.
  2. Verbrauchsdaten sammeln: Erfassen Sie die Mengen für diese Hotspots (z.B. Tonnen Stahl, gefahrene Kilometer der Spedition, verbrauchte Liter Kerosin für Flüge).
  3. Emissionsfaktoren anwenden: Nutzen Sie öffentlich zugängliche Datenbanken wie GEMIS oder die Tools des Umweltbundesamtes (UBA), um die passenden Emissionsfaktoren für Ihre Verbrauchsdaten zu finden.
  4. Emissionen berechnen: Multiplizieren Sie Ihre Verbrauchsdaten mit dem jeweiligen Emissionsfaktor. Die einfache Formel lautet: Verbrauchswert x Emissionsfaktor = Emissionslast (in t CO2e).
  5. Dokumentieren und priorisieren: Dokumentieren Sie Ihre Berechnungsmethode und die verwendeten Quellen. Nutzen Sie das Ergebnis, um gezielte Reduktionsmaßnahmen dort anzusetzen, wo sie die größte Wirkung haben.

Dieser pragmatische Ansatz liefert Ihnen eine 80/20-Lösung, die für den Anfang völlig ausreicht. Sie schaffen Transparenz, erfüllen erste Anforderungen von Kunden und legen den Grundstein für eine detailliertere Analyse in der Zukunft.

Wie konkurrieren Sie mit Anbietern, die keine CO2-Steuer zahlen müssen (Carbon Leakage Schutz)?

Eine der größten Sorgen im deutschen Mittelstand ist die Wettbewerbsverzerrung durch „Carbon Leakage“. Während Sie in Deutschland hohe Kosten für CO2-Zertifikate und Energieabgaben tragen, produziert die Konkurrenz in Ländern ohne solche Auflagen deutlich günstiger. Diese ungleiche Ausgangslage hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Produktionen verlagert und Arbeitsplätze abgebaut wurden. Doch die Europäische Union hat dieses Problem erkannt und schafft mit einem neuen Instrument Abhilfe: dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), auch bekannt als CO2-Grenzausgleich.

Der CBAM funktioniert wie ein Zoll auf den CO2-Gehalt von importierten Waren. Importeure von Produkten wie Stahl, Zement oder Aluminium aus Nicht-EU-Ländern müssen zukünftig Zertifikate erwerben, die dem deutschen CO2-Preis entsprechen. Damit wird der Preisvorteil, der durch niedrigere Umweltstandards im Ausland entsteht, neutralisiert. Der Mechanismus tritt nach einer Übergangsphase vollständig ab 2026 in Kraft und sorgt für fairere Wettbewerbsbedingungen auf dem europäischen Markt.

Diese Entwicklung ist mehr als nur ein Schutzschild. Sie ist eine strategische Chance, die eigene, nachhaltige Produktion in einen handfesten Wettbewerbsvorteil umzuwandeln. Deutsche Unternehmen, die bereits heute in emissionsarme Prozesse investieren und ihre Lieferketten nach dem deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) ausrichten, können dies als starkes Verkaufsargument nutzen. Sie bieten nicht nur ein ökologisch hochwertigeres Produkt, sondern auch entscheidende Vorteile, die für Ihre B2B-Kunden immer wichtiger werden:

  • Risikofreie Lieferkette: Garantierte Konformität mit europäischen Standards (LkSG, CSRD).
  • Rechtssicherheit: Kein Risiko durch plötzlich aufkommende Greenwashing-Vorwürfe.
  • Preisstabilität: Unabhängigkeit von volatilen Import-Abgaben und CO2-Zöllen.

Die Marke „Made in Green Germany“ wird so zu einem Synonym für Qualität, Zuverlässigkeit und Zukunftsfähigkeit. Anstatt sich als Opfer hoher Umweltauflagen zu sehen, können Sie sich als Vorreiter positionieren, der seinen Kunden nicht nur ein Produkt, sondern Planungssicherheit in unsicheren Zeiten verkauft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die ökologische Transformation ist keine ideologische Frage, sondern eine risikobasierte Managementaufgabe zur Sicherung der Profitabilität.
  • Regulatorische Anforderungen (CSRD, GEG) sind keine reinen Kosten, sondern zwingen zu einer Effizienzsteigerung, die sich betriebswirtschaftlich auszahlt.
  • Transparenz über die eigene CO2-Bilanz (insb. Scope 3) und die Vermeidung von Greenwashing werden zu zentralen Faktoren für den Marktzugang und die Finanzierung.

Vom Risiko zur Rendite: Ihre Roadmap für die profitable Transformation

Wir haben gesehen, dass die ökologische Transformation für den deutschen Mittelstand weniger eine Bedrohung als vielmehr eine unausweichliche unternehmerische Realität ist. Die entscheidende Erkenntnis ist, diesen Wandel nicht passiv zu erleiden, sondern ihn aktiv zu gestalten. Jeder regulatorische Druck, von der CSRD-Berichtspflicht bis zum GEG, ist im Kern eine Aufforderung, die eigenen Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren. Es ist ein erzwungener, aber heilsamer Blick auf die Effizienz und Widerstandsfähigkeit des eigenen Unternehmens.

Der rote Faden, der sich durch alle Bereiche zieht, ist die Verlagerung der Perspektive: Weg von der reinen Kostensicht, hin zu einer risikobasierten Investitionslogik. Eine Investition in eine neue Heizanlage ist keine Belastung, sondern die Absicherung gegen zukünftige Preisexplosionen und Gesetzesänderungen. Die aufwendige Erfassung von Scope-3-Emissionen ist keine Bürokratie, sondern die Grundlage, um Lieferkettenrisiken zu erkennen und die eigene Position bei Großkunden zu festigen. Jede Maßnahme muss sich am Ende des Tages einer kaufmännischen Prüfung unterziehen: Was ist das Risiko des Nichtstuns und was ist die Rendite der Investition?

Ihre Roadmap besteht nicht darin, alles auf einmal zu tun. Sie besteht darin, die größten Risikofaktoren für Ihr spezifisches Geschäftsmodell – seien es Energiekosten, regulatorische Fristen oder Abhängigkeiten in der Lieferkette – zu identifizieren. Anschließend wandeln Sie diese Risiken gezielt in Projekte mit einem klaren Return on Investment um. Auf diese Weise wird die ökologische Transformation zu dem, was sie sein sollte: ein Motor für operative Exzellenz und langfristige Profitabilität.

Der erste Schritt ist nicht, ein perfektes Nachhaltigkeitsprogramm zu entwerfen, sondern den größten finanziellen oder regulatorischen Risikofaktor in Ihrem Betrieb zu identifizieren und ihn in ein profitables Projekt zu verwandeln. Beginnen Sie noch heute mit einer fundierten Analyse Ihrer spezifischen Situation, um die Weichen für eine sichere und erfolgreiche Zukunft zu stellen.

Häufig gestellte Fragen zu Scope 3 Emissionen

Was gehört zu Scope 3 Emissionen?

Alle indirekten Treibhausgas-Emissionen aus vor- und nachgelagerten Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette, wie der Transport und die Verteilung von Waren, die Herstellung eingekaufter Materialien, Geschäftsreisen oder die Entsorgung von Produkten am Ende ihres Lebenszyklus.

Sind Scope 3 Emissionen verpflichtend?

Bei der Berichterstattung nach dem GHG Protocol ist die Bilanzierung von Scope 3-Emissionen grundsätzlich optional. Im Rahmen der CSRD-Berichtspflicht wird die Analyse wesentlicher Scope-3-Kategorien jedoch für viele Unternehmen de facto zur Pflicht, insbesondere wenn diese den größten Teil des CO2-Fußabdrucks ausmachen.

Wie hoch ist der Anteil von Scope 3?

Die Scope-3-Emissionen machen in der Regel den größten Anteil am CO2-Fußabdruck eines Unternehmens aus, oft über 75%. Gerade im produzierenden Gewerbe liegt der größte Hebel zur Emissionsreduktion in der Lieferkette und nicht im eigenen Betrieb.

Geschrieben von Dr. Thomas Richter, Senior Sustainability Consultant und Auditor für den deutschen Mittelstand mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Unternehmensberatung. Spezialisiert auf CSRD-Berichterstattung, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und CO2-Bilanzierung nach GHG Protocol.