Veröffentlicht am März 11, 2024

Entgegen der verbreiteten Annahme ist die urbane Hobby-Imkerei nicht per se ein Beitrag zum Artenschutz, sondern kann die eigentliche Bedrohung für die Artenvielfalt – das Verschwinden heimischer Wildbienen – sogar verschärfen.

  • Massive Honigbienenvölker üben einen enormen Konkurrenzdruck auf spezialisierte und gefährdete Wildbienenarten aus.
  • Honigbienen können gefährliche Viren, wie das deformierte Flügel-Virus (DWV), auf Wildbienen übertragen und deren Populationen dezimieren.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf die Schaffung vielfältiger Lebensräume und Nahrungsangebote für Wildbienen, anstatt weitere Honigbienenvölker in bereits dichten städtischen Gebieten anzusiedeln.

Ein Glas eigener Honig vom Balkon, summende Bienen auf dem Firmendach – die städtische Imkerei boomt und wird oft als aktiver Beitrag gegen das Bienensterben gefeiert. Das Bild ist sympathisch und das Motiv ehrenwert: Wer Bienen hält, tut Gutes für die Umwelt. Doch diese gut gemeinte Annahme übersieht ein kritisches Detail, das in der öffentlichen Diskussion kaum Beachtung findet. Das „Bienensterben“ betrifft in erster Linie nicht die Honigbiene, die als Nutztier gehalten wird und deren Völkerzahl in Deutschland stabil ist, sondern die über 560 heimischen Wildbienenarten.

Die Realität ist komplexer und ernüchternder: Die massive Präsenz von Honigbienenvölkern in urbanen Räumen entwickelt sich zu einer ernsthaften Bedrohung für ihre wilden Verwandten. Es entsteht eine unsichtbare, aber erbitterte Konkurrenz um knappe Ressourcen, die viele spezialisierte Wildbienenarten an den Rand des Aussterbens drängt. Die eigentliche Frage für den Artenschutz ist daher nicht, wie wir mehr Honigbienen halten, sondern wie wir die biologische Vielfalt unserer heimischen Bestäuber schützen können.

Dieser Artikel taucht tief in die wissenschaftlichen Erkenntnisse ein und beleuchtet die Mechanismen hinter diesem Konflikt. Wir werden analysieren, warum Honigbienen eine so erdrückende Übermacht darstellen, welche Krankheitsrisiken von ihnen ausgehen und wie echte, wirksame Maßnahmen zum Schutz der Wildbienen aussehen – sowohl im eigenen Garten als auch auf kommunaler Ebene.

Warum finden Wildbienen kein Futter mehr, wenn drei Bienenstöcke auf dem Nachbardach stehen?

Die Vorstellung, dass mehr Bienen immer besser sind, ist ein gefährlicher Trugschluss. Ein einziges Honigbienenvolk besteht aus bis zu 50.000 Individuen, die wie ein hochorganisierter Superorganismus agieren. Wenn in einem städtischen Viertel mehrere solcher Völker auf engem Raum angesiedelt werden, entsteht ein enormer Sammeldruck auf die verfügbaren Blüten. Für die heimischen Wildbienen, die oft als Einzelgänger oder in kleinen sozialen Verbänden leben, gleicht dies einer Invasion. Plötzlich müssen sie mit Hunderttausenden von Konkurrentinnen um dieselben Nektar- und Pollenquellen wetteifern.

Diese Nahrungskonkurrenz ist keine theoretische Annahme, sondern wissenschaftlich belegt. Eine umfassende Literaturauswertung hat gezeigt, dass in den meisten Studien negative Auswirkungen auf Wildbienen bei hoher Honigbienendichte nachgewiesen wurden. Laut einer Analyse von 57 relevanten Studien weisen mehr als die Hälfte auf negative Effekte für Wildbienenarten hin. Die schiere Masse an Honigbienen führt dazu, dass die Nahrungsressourcen in einem großen Umkreis regelrecht leer geräumt werden. Für eine einzelne Wildbiene, die nur einen begrenzten Flugradius hat und oft auf bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert ist, bedeutet das eine existenzielle Krise. Das Futter wird knapp, der Fortpflanzungserfolg sinkt und die lokale Population bricht zusammen.

Im urbanen Raum, wo Blühflächen ohnehin oft rar und fragmentiert sind, potenziert sich dieses Problem. Jeder zusätzliche Bienenstock erhöht den Druck auf ein bereits fragiles System. Statt die Bestäubung zu sichern, kann eine zu hohe Dichte an Honigbienen das genaue Gegenteil bewirken: die Verdrängung der vielfältigen und oft effizienteren heimischen Bestäuber.

Das Risiko der Viren: Wie stecken Honigbienen Hummeln an?

Die Konkurrenz um Nahrung ist nur eine Seite der Medaille. Eine oft unterschätzte, aber ebenso gravierende Gefahr ist die Krankheitsübertragung von Honigbienen auf Wildbienen. Honigbienenvölker sind ideale Brutstätten und Überträger für eine Vielzahl von Parasiten und Viren. Durch die hohe Individuendichte in einem Bienenstock können sich Krankheitserreger rasant ausbreiten. Ein besonders gefürchteter Erreger ist das Deformierte Flügel-Virus (DWV), das oft von der Varroamilbe übertragen wird und zu verkrüppelten Flügeln und einem schnellen Tod der Bienen führt.

Wenn Honigbienen und Wildbienen, wie zum Beispiel Hummeln, dieselben Blüten besuchen, werden diese zu Übertragungsknotenpunkten. Viren, die im Speichel oder an den Körperhaaren der Honigbiene haften, bleiben auf der Blüte zurück und können von der nächsten besuchenden Wildbiene aufgenommen werden. Besonders alarmierend ist, dass ständig neue und aggressivere Virusvarianten entstehen. So wurde kürzlich eine neue Variante des DWV entdeckt, die eine bis zu 16% genetische Veränderung gegenüber der Ursprungsvariante aufweist, Bienen schneller tötet und sich noch effizienter überträgt.

Schema der Virusübertragung zwischen einer Honigbiene und einer Hummel über eine gemeinsam besuchte Blüte.

Diese Krankheitsübertragung findet in einem geteilten Lebensraum statt, wie Experten bestätigen. Robyn Manley, eine führende Forscherin auf diesem Gebiet, erklärt den Mechanismus so:

Honig- und Wildbienen teilen sich gemeinsame Lebensräume und nutzen dieselben Pflanzen. Dabei kommt es wohl zur Übertragung von der einen Wirtsart auf die andere.

– Robyn Manley, Post-Doktorandin am Centre for Ecology and Conservation der University of Exeter

Während Honigbienenvölker durch die Pflege des Imkers und ihre schiere Masse solche Verluste bis zu einem gewissen Grad kompensieren können, hat eine Infektion für eine Wildbienenpopulation oft fatale Folgen. Ihr Immunsystem ist nicht an die von Honigbienen verbreiteten Virenstämme angepasst, was zu einer hohen Sterblichkeit führt und ganze Populationen auslöschen kann.

Warum stirbt die Sandbiene aus, während die Honigbiene alles bestäubt?

Die Antwort liegt in den fundamentalen biologischen Unterschieden und der daraus resultierenden Ressourcen-Übermacht der Honigbiene. Die Honigbiene ist ein Generalist und ein Effizienzwunder, während viele Wildbienen, wie die Sandbiene, hochspezialisierte und empfindliche Lebewesen sind. Diese Spezialisierung, einst ein evolutionärer Vorteil, wird in der heutigen, vom Menschen geprägten Landschaft zur Falle.

Die Überlegenheit der Honigbiene zeigt sich in mehreren Punkten:

  • Sammelleistung: Ein einziges Honigbienenvolk sammelt pro Jahr zwischen 10 und 30 Kilogramm Pollen – eine Menge, für die Zehntausende von Wildbienenweibchen nötig wären.
  • Flugradius: Honigbienen können Futterquellen in einem Radius von bis zu 10 Kilometern anfliegen, während viele Wildbienen nur wenige hundert Meter von ihrem Nest entfernt sammeln.
  • Kommunikation: Durch den berühmten Schwänzeltanz können Kundschafterinnen ihr gesamtes Volk effizient zu ergiebigen Futterquellen lotsen. Wildbienen sind auf sich allein gestellt.
  • Flexibilität: Honigbienen nutzen ein breites Spektrum an Blüten. Viele Wildbienen sind hingegen oligolektisch, das heißt, sie sind auf Pollen von nur einer oder wenigen Pflanzenfamilien angewiesen. Fehlt diese spezielle Pflanze, können sie sich nicht fortpflanzen.

Diese ungleichen Voraussetzungen führen zu einem dramatischen Ungleichgewicht. Während die Honigbiene als Nutztier gehegt und gepflegt wird, verschwinden ihre wilden Verwandten leise. Die Zahlen der Roten Liste für Deutschland sind alarmierend: Von den über 560 heimischen Wildbienenarten sind bereits 31 Arten vom Aussterben bedroht, 197 weitere gelten als gefährdet und 42 Arten stehen auf der Vorwarnliste. Das bedeutet, dass fast die Hälfte aller heimischen Wildbienenarten in ihrem Bestand bedroht ist. Die Sandbiene stirbt aus, weil ihr Lebensraum – offene Sandböden zum Nisten – und ihre speziellen Futterpflanzen schwinden und sie zusätzlich dem erdrückenden Konkurrenzdruck der Honigbiene nicht standhalten kann.

Wie weit sollte Ihr Bienenstock vom nächsten Naturschutzgebiet entfernt sein?

Angesichts der erdrückenden Konkurrenz und des Krankheitsdrucks, den Honigbienenvölker ausüben, ist die Frage des Standorts von entscheidender Bedeutung. Besonders sensible Ökosysteme wie Naturschutzgebiete, Moore oder Magerrasen sind letzte Rückzugsorte für viele hochspezialisierte und vom Aussterben bedrohte Wildbienenarten. Das Aufstellen von Honigbienenstöcken in oder nahe bei diesen Gebieten kann katastrophale Folgen haben.

Experten und Naturschutzorganisationen fordern daher klare Abstandsregeln, um diese Refugien zu schützen. Als Faustregel gilt eine Empfehlung, die auch von der Deutschen Wildtier Stiftung unterstützt wird: Es sollte ein Mindestabstand von drei Kilometern zwischen Honigbienenstöcken und den Grenzen von Schutzgebieten eingehalten werden. Dieser Puffer soll den massiven Sammeldruck der Honigbienen auf die sensiblen Bereiche reduzieren und den dort lebenden Wildbienenpopulationen eine Überlebenschance geben.

Einige deutsche Kommunen und Bundesländer haben die Dringlichkeit erkannt und setzen bereits strengere Regeln um. Ein wegweisendes Beispiel ist die Stadt Hamburg, die eine klare Position zum Schutz der Wildbienen in ihren wertvollsten Naturräumen bezogen hat.

Fallbeispiel: Hamburg verbietet Bienenstöcke in Naturschutzgebieten

Mit einer durchschnittlichen Dichte von etwa elf Honigbienenvölkern pro Quadratkilometer gehört Hamburg bereits zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Deutschlands. Um die letzten Rückzugsorte für seltene Wildbienen zu schützen, hat die Umweltbehörde entschieden, das Aufstellen von neuen Bienenstöcken in Naturschutzgebieten seit 2023 konsequent abzulehnen. Die Begründung: Diese Gebiete sollen Zonen mit möglichst geringer Honigbienendichte bleiben, um die Nahrungskonkurrenz für die dort lebenden, oft hochspezialisierten und gefährdeten Wildbienenarten zu minimieren und ihr Überleben zu sichern.

Dieses Beispiel zeigt, dass verantwortungsvolle Imkerei auch bedeutet, bewusst auf bestimmte Standorte zu verzichten. Für jeden Imker sollte die oberste Priorität sein, den eigenen Bienenstandort kritisch zu prüfen und sicherzustellen, dass er keine wertvollen Wildbienen-Lebensräume gefährdet.

Bambus oder Bohrung: Warum 80% der Baumarkt-Insektenhotels nutzlos sind und wie Sie es besser machen

Wer Wildbienen wirklich helfen will, greift oft zum nächstbesten Insektenhotel aus dem Baumarkt. Doch die meisten dieser gut gemeinten Nisthilfen sind bestenfalls wirkungslos, schlimmstenfalls sogar gefährliche Fallen. Das Problem: Sie ignorieren die spezifischen Bedürfnisse der meisten Wildbienenarten. Falsche Materialien, unsaubere Bohrungen und ungeeignete Durchmesser führen dazu, dass die Nisthilfen nicht angenommen werden oder die Brut verpilzt und die Larven sterben.

Etwa 75% der heimischen Wildbienenarten nisten im Boden und können mit künstlichen Nisthilfen gar nichts anfangen. Die Übrigen sind Hohlraumbewohner, aber auch hier sind die Ansprüche hoch. Billige Insektenhotels verwenden oft gesplittertes Holz, ausgefranste Bambusröhrchen oder sogar Tannenzapfen und Holzschnitzel, die für Wildbienen völlig unbrauchbar sind. Saubere, splitterfreie Bohrgänge mit Durchmessern zwischen 2 und 9 Millimetern in gut abgelagertem Hartholz (z.B. Esche, Buche, Eiche) sind entscheidend. Die Bohrungen müssen zudem hinten verschlossen sein (nicht durchbohren!) und die Kanten glatt geschliffen werden, damit sich die Bienen nicht die empfindlichen Flügel verletzen.

Ein weiterer kritischer Fehler ist der Standort. Ein Insektenhotel muss an einem sonnigen, warmen und vor Regen geschützten Ort aufgehängt werden, idealerweise mit Ausrichtung nach Süden oder Südosten. Noch wichtiger ist jedoch das Nahrungsangebot: Die beste Nisthilfe nützt nichts, wenn im Umkreis von 100-300 Metern keine passenden Futterpflanzen blühen. Echter Wildbienenschutz bedeutet immer, Nistplatz und Nahrung zusammen zu denken.

Checkliste für ein wirksames Wildbienenhotel

  1. Material wählen: Verwenden Sie abgelagerte Hartholzblöcke (Esche, Buche) oder markhaltige Stängel (Brombeere, Holunder). Weiches Nadelholz ist ungeeignet, da es harzt und die Bohrlöcher ausfransen.
  2. Sauber bohren: Bohren Sie Gänge mit Durchmessern von 2 bis 9 mm, mindestens 6-10 cm tief. Wichtig: Bohren Sie ins Längsholz, nicht ins Stirnholz (Jahresringe), da dieses zu Rissen neigt. Die Bohrgänge müssen hinten verschlossen bleiben.
  3. Kanten glätten: Schleifen Sie die Eingangslöcher nach dem Bohren sorgfältig glatt, um Flügelverletzungen der Bienen zu vermeiden. Entfernen Sie alle Holzspäne aus den Gängen.
  4. Standort bestimmen: Hängen Sie die Nisthilfe stabil an einer sonnigen, wettergeschützten Wand (Süd-/Südostausrichtung) auf. Sie sollte nicht im Wind baumeln.
  5. Nahrung sicherstellen: Pflanzen Sie im direkten Umfeld eine Vielfalt heimischer Wildblumen, Kräuter und Sträucher, die vom Frühling bis in den Herbst blühen, um eine durchgehende Futterversorgung zu gewährleisten.

Welche Sträucher müssen Sie pflanzen, damit Meisen ihre Küken satt bekommen?

Auf den ersten Blick mag die Frage nach dem Futter für Meisenküken nichts mit dem Schutz von Wildbienen zu tun haben. Doch in einer Ökosystem-Perspektive wird der Zusammenhang klar: Ein gesunder Garten ist ein vernetztes System, in dem jede Art eine Rolle spielt. Meisen sind wichtige Nützlinge, denn sie sind effektive Schädlingsbekämpfer. Ein einziges Meisenpaar vertilgt während der Aufzucht seiner Jungen Tausende von Raupen und anderen Insekten.

Indem Sie gezielt Sträucher pflanzen, die als Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen dienen, schaffen Sie die Nahrungsgrundlage für Meisen. Dies reduziert den Schädlingsdruck auf natürliche Weise und macht den Einsatz von Pestiziden überflüssig. Pestizide sind eine der größten Bedrohungen für Wildbienen und andere Bestäuber, da sie nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge töten. Ein meisenfreundlicher Garten ist also indirekt auch ein bienenfreundlicher Garten.

Besonders wertvoll sind heimische Sträucher, da sie über Jahrtausende an die lokale Insektenwelt angepasst sind. Pflanzen wie der Weißdorn (Crataegus monogyna), die Schlehe (Prunus spinosa) oder die Sal-Weide (Salix caprea) sind wahre Hotspots der Biodiversität. Sie bieten nicht nur hunderten von Insektenarten, einschließlich vieler Raupen, eine Lebensgrundlage, sondern sind auch selbst exzellente Futterquellen für Wildbienen. Die früh blühende Sal-Weide ist beispielsweise eine der wichtigsten Pollen- und Nektarquellen für Dutzende von Wildbienenarten im zeitigen Frühjahr. Die Pflanzung solcher Sträucher ist somit eine doppelt wirksame Maßnahme: Sie füttern die Meisenküken und versorgen gleichzeitig die Wildbienen.

Lohnt sich eine eigene „Läusebank“ zur Vermehrung von Nützlingen im Betrieb?

Die Idee einer „Läusebank“ mag zunächst abschreckend klingen, ist aber ein cleveres Instrument aus dem professionellen biologischen Pflanzenschutz, das die Ökosystem-Perspektive auf die nächste Stufe hebt. Das Prinzip ist einfach: Man schafft gezielt einen Ort im Garten oder landwirtschaftlichen Betrieb, an dem Blattläuse auf für den Anbau unwichtigen Pflanzen (z.B. Getreide) gezüchtet werden. Diese kontrollierte Blattlauskolonie dient als permanente Futterquelle und Kinderstube für eine Armee von Nützlingen.

Die Hauptprofiteure sind Marienkäfer und ihre Larven, Florfliegen und Schwebfliegen. Diese Insekten sind die natürlichen Feinde von Blattläusen und anderen Schädlingen. Eine etablierte Läusebank sorgt dafür, dass immer eine starke Population dieser Nützlinge vor Ort ist. Sobald dann auf den eigentlichen Kulturpflanzen ein Schädlingsbefall auftritt, können sich die Nützlinge von ihrer „Bank“ aus sofort ausbreiten und den Befall eindämmen, bevor er problematisch wird.

Für den Wildbienenschutz ist diese Methode aus demselben Grund so wertvoll wie die Förderung von Meisen: Sie stabilisiert das ökologische Gleichgewicht und macht den Einsatz von insektiziden Spritzmitteln überflüssig. Jeder Verzicht auf Pestizide ist ein direkter Gewinn für alle Bestäuberinsekten. Zusätzlich sind viele der geförderten Nützlinge, wie die Schwebfliegen, selbst wichtige Bestäuber. Eine Läusebank ist somit eine fortschrittliche Strategie, die nicht nur die Ernte schützt, sondern aktiv zur Förderung der gesamten nützlichen Insektenfauna beiträgt und die Belastung des Ökosystems mit Giftstoffen reduziert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Honigbiene ist ein Nutztier und nicht vom Aussterben bedroht; der eigentliche Artenschwund betrifft Hunderte heimische Wildbienenarten.
  • Eine hohe Dichte an Honigbienenvölkern führt zu massiver Nahrungskonkurrenz und kann gefährliche Krankheiten auf Wildbienen übertragen.
  • Wirklicher Artenschutz fördert die Vielfalt von Lebensräumen und spezialisierten Nahrungsquellen, nicht nur die Population einer einzigen Generalisten-Art.

Wie können deutsche Kommunen Biodiversität fördern trotz knapper Haushaltskassen?

Die Förderung der Biodiversität ist keine Aufgabe, die allein von Privatpersonen gestemmt werden kann. Deutsche Kommunen stehen hier in einer besonderen Verantwortung, da sie über die Gestaltung öffentlicher Flächen einen riesigen Hebel in der Hand halten. Auch mit knappen Budgets lassen sich wirksame Maßnahmen umsetzen, die weit über das Aufstellen symbolischer Bienenstöcke hinausgehen. Der Schlüssel liegt in einem Paradigmenwechsel: weg von pflegeintensiven, artenarmen Grünflächen hin zu naturnahen, kostengünstigen und ökologisch wertvollen Lebensräumen.

Eine der effektivsten und günstigsten Maßnahmen ist die Umstellung des Mähregimes. Statt Rasenflächen achtmal im Jahr kurz zu mähen, reicht oft ein ein- bis zweimaliger Schnitt von Blühwiesen. Dies spart enorme Kosten für Personal und Maschinen und ermöglicht es unzähligen Wildblumen, zu blühen und Samen zu bilden. Die Anlage von Blühstreifen mit heimischem, standortgerechtem Saatgut an Straßenrändern, in Parks und auf Firmengeländen schafft dringend benötigte Nahrungsinseln und Korridore für Wildbienen.

Darüber hinaus können Kommunen durch Aufklärung und Anreize wirken. Sie können Leitfäden für die naturnahe Gartengestaltung herausgeben, Wettbewerbe für den schönsten Wildbienengarten ausloben und, dem Beispiel Hamburgs folgend, klare Regelungen für die Hobby-Imkerei erlassen, um sensible Zonen zu schützen. Die Förderung von Gemeinschaftsgärten, in denen gezielt Lebensräume für bodennistende Bienen (offene Sandflächen) und Totholzhaufen geschaffen werden, ist eine weitere kostengünstige Möglichkeit. Letztlich ist es die Summe vieler kleiner, intelligenter und miteinander vernetzter Maßnahmen, die den größten Unterschied für die Artenvielfalt macht.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihren Garten, Balkon oder Ihre Gemeinde in ein echtes Paradies für Wildbienen zu verwandeln. Jeder Quadratmeter zählt, um die stille, aber unverzichtbare Vielfalt unserer heimischen Bestäuber für die Zukunft zu sichern.

Geschrieben von Dr. Leonie Vogel, Promovierte Biologin und Naturschutzbeauftragte mit Spezialisierung auf heimische Fauna und invasive Neobiota. 14 Jahre Erfahrung im Artenschutz-Monitoring und in der Umweltbildung.