Veröffentlicht am Mai 12, 2024

Ja, eine Wärmepumpe kann auch in vielen ungedämmten Altbauten effizient und wirtschaftlich arbeiten, entgegen weit verbreiteter Mythen.

  • Moderne Wärmepumpen (insb. mit Propan) erreichen hohe Vorlauftemperaturen, die für normale Heizkörper ausreichen.
  • Ein einfacher Selbsttest im Winter kann Ihnen eine verlässliche erste Einschätzung über die Eignung Ihres Hauses geben.
  • Staatliche Förderungen von bis zu 70 % senken die Investitionskosten drastisch, wenn sie strategisch beantragt werden.

Empfehlung: Prüfen Sie mit dem „55-Grad-Test“ die Eignung Ihrer Heizkörper, bevor Sie teure Sanierungsmaßnahmen in Erwägung ziehen. Das Ergebnis wird Sie oft positiv überraschen.

Die Debatte um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) hat viele Besitzer von älteren Immobilien verunsichert. Die Sorge ist groß: Muss das über Jahrzehnte lieb gewonnene Haus für eine Unsumme kernsaniert werden, nur um eine Wärmepumpe betreiben zu können? Schlagzeilen über explodierende Kosten und die scheinbare technische Unmöglichkeit, ein Haus aus den 1970er Jahren effizient zu beheizen, schüren die Angst vor dem Heizungstausch. Die gängige Meinung lautet oft, dass ohne Fußbodenheizung und eine lückenlose Dämmung der neuesten Generation der Betrieb einer Wärmepumpe einem finanziellen Harakiri gleichkommt.

Doch was, wenn diese Darstellung nur die halbe Wahrheit ist? Was, wenn der technologische Fortschritt der letzten Jahre und ein intelligentes Vorgehen die Spielregeln grundlegend verändert haben? Als zertifizierter Energieberater kann ich Ihnen versichern: Die pauschale Ablehnung von Wärmepumpen im Altbau basiert oft auf veralteten Annahmen. Der Schlüssel liegt nicht zwangsläufig in der teuren Komplettsanierung, sondern im Verständnis der tatsächlichen System-Effizienz Ihres Hauses und der Wahl der passenden Technologie. Es geht darum, Ihnen das Wissen an die Hand zu geben, damit Sie selbst fundierte Entscheidungen treffen können – ohne Panik, aber mit Plan.

Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden Fragen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit einem einfachen Praxistest selbst die Eignung Ihres Hauses prüfen, warum moderne Propan-Wärmepumpen eine Revolution für Bestandsgebäude sind, wann eine Hybridlösung Sinn ergibt und wie Sie die maximale staatliche Förderung strategisch für sich nutzen, um die Investition deutlich zu senken.

Öffentliche Diskussionen werden oft hitzig geführt und konzentrieren sich manchmal auf Extremszenarien. Das folgende Video spiegelt eine solche Debatte wider, aber unser Leitfaden wird sich auf die technischen Fakten und bewährten Lösungen für Ihr Zuhause konzentrieren.

Um Ihnen eine klare und strukturierte Übersicht zu geben, haben wir die wichtigsten Aspekte für die Entscheidung für oder gegen eine Wärmepumpe im Altbau zusammengefasst. Der folgende Inhalt führt Sie schrittweise von der ersten Überprüfung bis hin zur finalen Planung.

Der 55-Grad-Test: Wie prüfen Sie im Winter selbst, ob Ihre Heizkörper groß genug sind?

Die wichtigste Kenngröße für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe ist die Vorlauftemperatur – also die Temperatur des Wassers, das vom Heizkessel zu den Heizkörpern fließt. Alte Öl- oder Gasheizungen arbeiten oft mit 70°C oder mehr, während Wärmepumpen am effizientesten bei niedrigen Temperaturen um 50-55°C laufen. Die große Frage ist also: Werden Ihre Räume auch mit einer niedrigeren Vorlauftemperatur noch wohlig warm? Entgegen der landläufigen Meinung, dass nur eine Fußbodenheizung funktioniert, sind viele bestehende Heizkörper absolut ausreichend. Anstatt sich auf Spekulationen zu verlassen, können Sie dies mit einem einfachen Praxistest selbst herausfinden.

Ihr Plan für den Praxistest: Heizkörper-Check in 5 Schritten

  1. Zeitpunkt wählen: Warten Sie auf einen wirklich kalten Wintertag mit Außentemperaturen idealerweise unter 0°C. Nur dann ist der Test aussagekräftig.
  2. Vorlauftemperatur einstellen: Reduzieren Sie die maximale Vorlauftemperatur an Ihrem bestehenden Heizkessel manuell auf 50 bis 55 Grad Celsius.
  3. Thermostate aufdrehen: Drehen Sie die Thermostatventile an allen Heizkörpern im Haus vollständig auf (Stufe 5). Die Raumtemperatur soll allein über die zentrale Heizkurve geregelt werden.
  4. Geduld haben: Warten Sie mindestens 24 Stunden, damit sich das gesamte Gebäude an die neue, niedrigere Systemtemperatur anpassen kann.
  5. Ergebnis prüfen: Messen Sie die Raumtemperaturen. Werden in den wichtigen Wohnräumen angenehme 20-22°C erreicht, ist das ein starkes Indiz dafür, dass Ihre Heizkörper groß genug für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb sind.

Praxisbeweis: Fraunhofer-Feldmessungen in Altbauten

Die Skepsis gegenüber Wärmepumpen in älteren, unsanierten Gebäuden wird durch eine Langzeitstudie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) widerlegt. Über vier Jahre wurden 77 Wärmepumpen in Altbauten (Baujahre 1826-2001) untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Selbst in einem außergewöhnlich kalten Februar bei durchschnittlich -3,6°C Außentemperatur erreichten die Anlagen eine mittlere Effizienz (JAZ) von 2,3. Die Forscher fanden heraus, dass nicht das Baujahr, sondern die korrekte Planung und Einstellung der Anlage entscheidend für die Effizienz ist.

Sollten einzelne Räume kühl bleiben, ist das noch kein Ausschlusskriterium. Oft reicht es, nur einen oder zwei Heizkörper gezielt gegen größere Niedertemperatur-Modelle auszutauschen. Eine professionelle Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durch einen Energieberater gibt hier endgültige Sicherheit und ist ohnehin Voraussetzung für die meisten Förderungen. Aber der 55-Grad-Test ist der beste erste Schritt, um die Angst vor einer unbezahlbaren Komplettsanierung zu nehmen.

Warum sind neue Propan-Wärmepumpen für Altbauten besser geeignet als alte Modelle?

Ein wesentlicher Grund für die neue Eignung von Wärmepumpen im Altbau ist ein enormer Technologie-Sprung bei den verwendeten Kältemitteln. Ältere Wärmepumpen nutzten oft Kältemittel wie R410A, die bei niedrigen Außentemperaturen schnell an ihre Grenzen stießen und nur geringe Vorlauftemperaturen von maximal 55°C erreichten. Dies machte sie für Bestandsgebäude mit klassischen Heizkörpern oft ungeeignet. Die neue Generation von Wärmepumpen setzt auf das natürliche Kältemittel R290, besser bekannt als Propan. Dieses Wundermittel hat die Spielregeln komplett verändert.

Nahaufnahme einer Propan-Wärmepumpe mit sichtbarem Kältemittelkreislauf

Propan-Wärmepumpen können problemlos Vorlauftemperaturen von bis zu 75°C erreichen, selbst bei eisigen Außentemperaturen. Damit können sie eine alte Gas- oder Ölheizung 1:1 ersetzen, ohne dass ein Austausch der Heizkörper zwingend notwendig ist. Neben den technischen Vorteilen ist Propan auch extrem umweltfreundlich. Sein Treibhauspotenzial (GWP-Wert) liegt bei nur 3, während alte Kältemittel Werte von über 2.000 aufweisen. Dieser Aspekt ist auch für die Zukunftssicherheit entscheidend, da die EU mit der F-Gase-Verordnung klimaschädliche Kältemittel schrittweise verbietet.

Der Umstieg wird sogar staatlich belohnt: Für den Einbau einer Wärmepumpe mit natürlichem Kältemittel wie Propan gibt es einen zusätzlichen Effizienz-Bonus von 5% auf die BAFA-Förderung. Wie eine aktuelle Langzeitstudie des Fraunhofer ISE zeigt, führt dies zu einer drastischen Reduktion der Emissionen um 64% weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu Gasheizungen.

Vergleich Kältemittel: R290 (Propan) vs. R410A
Eigenschaft R290 (Propan) R410A (alt)
GWP-Wert 3 >2000
Vorlauftemperatur max. bis 75°C bis 55°C
EU F-Gas-konform Ja, zukunftssicher Auslaufmodell
BAFA-Bonus +5% Förderung Kein Bonus

Gastherme behalten plus Wärmepumpe: Wann ist die Hybridlösung wirtschaftlicher als der Komplettaustausch?

Nicht immer ist der sofortige und vollständige Austausch der alten Heizung die beste Lösung. Ist Ihre bestehende Gas- oder Ölheizung noch relativ neu und funktionstüchtig (z.B. unter 10 Jahre alt), kann eine Hybridheizung eine sinnvolle und wirtschaftliche Brücke in die Zukunft sein. Hierbei wird die Wärmepumpe als Haupt-Wärmeerzeuger installiert und deckt den Großteil des Jahresbedarfs. Der alte Kessel wird nur an den extrem kalten Tagen des Jahres zugeschaltet, um die Spitzenlasten abzudecken.

Der entscheidende Faktor für die Wirtschaftlichkeit ist der sogenannte bivalente Punkt. Dies ist die Außentemperatur, bei der es günstiger wird, mit Gas oder Öl zu heizen als mit dem Strom für die Wärmepumpe. Dieser Punkt hängt vom Verhältnis des Gaspreises zum (Wärmepumpen-)Strompreis und der Effizienz der Wärmepumpe (JAZ) ab. Ein intelligentes Steuerungsmodul wählt automatisch immer den gerade günstigeren Wärmeerzeuger. Diese Lösung reduziert den Investitionsbedarf und gibt Ihnen Zeit, eventuell später notwendige Sanierungsmaßnahmen (z.B. Fenstertausch) schrittweise umzusetzen.

Allerdings gibt es auch Nachteile zu bedenken. Sie haben weiterhin zwei Systeme, die gewartet werden müssen, was zu doppelten laufenden Kosten führt. Zudem ist der Platzbedarf höher. Aus fördertechnischer Sicht ist ebenfalls Vorsicht geboten: Den sehr attraktiven Klimageschwindigkeits-Bonus von 20% erhalten Sie nur, wenn Sie eine funktionstüchtige fossile Heizung komplett austauschen. Bei einer Hybridlösung entfällt dieser Bonus. Das Umweltbundesamt vertritt hierzu eine klare Haltung, wie aus einer aktuellen Publikation hervorgeht:

Die Hybridlösung ist nur eine Brückentechnik und der fossile Kessel sollte mittelfristig durch Sanierungsmaßnahmen am Gebäude überflüssig werden.

– Umweltbundesamt, Climate Change 11/2024 – Wärmepumpensysteme

Die Entscheidung für oder gegen eine Hybridlösung ist daher eine strategische Abwägung zwischen kurzfristiger Kostenersparnis und langfristiger Effizienz und Förderoptimierung. Berücksichtigen Sie das Alter Ihrer Heizung, die doppelten Wartungskosten und die geringere Förderung in Ihrer Kalkulation.

Wie nah darf die Außeneinheit an der Grenze stehen, ohne dass der Nachbar klagt?

Ein oft unterschätzter Aspekt bei der Planung einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ist der Standort der Außeneinheit. Nichts ist ärgerlicher als ein teuer installiertes System, das nach einer Beschwerde des Nachbarn wieder versetzt werden muss. Die gute Nachricht: Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind klar geregelt, man muss sie nur kennen. Die beiden entscheidenden Faktoren sind der Grenzabstand und die Lärmemission.

In den meisten Bundesländern gilt: Die Außeneinheit der Wärmepumpe wird rechtlich wie ein Gebäude behandelt. Daher muss in der Regel ein Mindestabstand von 3 Metern zur Grundstücksgrenze eingehalten werden, wie es die jeweilige Landesbauordnung vorschreibt. Es gibt jedoch Ausnahmen und Sonderregelungen, beispielsweise in dicht bebauten Gebieten oder wenn der Nachbar schriftlich zustimmt. Eine frühzeitige Klärung mit dem örtlichen Bauamt ist daher unerlässlich.

Noch wichtiger als der reine Abstand ist die Einhaltung der Lärmgrenzwerte nach der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm). Entscheidend ist nicht, wie laut die Pumpe direkt am Gerät ist, sondern wie viel Schall am Ohr des Nachbarn ankommt (am sogenannten Immissionsort, meist 0,5 m vor dem geöffneten Fenster des nächstgelegenen schutzbedürftigen Raums). In reinen Wohngebieten dürfen tagsüber 50 dB(A) und nachts nur 35 dB(A) nicht überschritten werden. Moderne Wärmepumpen sind extrem leise, oft flüsterleise im Nachtmodus. Achten Sie auf Geräte mit dem „Blauer Engel“-Siegel. Eine kluge Platzierung – nicht in Ecken, die den Schall reflektieren, und nicht direkt vor dem Schlafzimmerfenster des Nachbarn – verhindert die meisten Probleme. Bei Reihenmittelhäusern mit sehr wenig Platz kann eine Split-Wärmepumpe, bei der die lauteren Komponenten im Keller untergebracht werden, eine Lösung sein.

Zuschuss oder Steuerbonus: Welches Antrag müssen Sie VOR Beauftragung stellen, um 70% Förderung zu sichern?

Die Investition in eine Wärmepumpe wird vom Staat massiv unterstützt. Wer strategisch plant, kann seine Kosten erheblich senken. Die wichtigste Regel lautet: Der Antrag auf Zuschuss muss immer VOR der Beauftragung eines Handwerkers gestellt werden! Eine nachträgliche Beantragung ist bei der KfW-Förderung nicht möglich. Im Jahr 2024 können Hausbesitzer bis zu 70% der förderfähigen Kosten (maximal 21.000 Euro) als direkten Zuschuss über das KfW-Programm 458 erhalten.

Diese Maximalförderung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen:

  • 30% Grundförderung: Erhält jeder, der eine alte fossile Heizung gegen eine Wärmepumpe tauscht.
  • 20% Klimageschwindigkeits-Bonus: Für den Austausch einer funktionstüchtigen, mindestens 20 Jahre alten Gas- oder Ölheizung (bis Baujahr 2028).
  • 5% Effizienz-Bonus: Für Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel (z.B. Propan R290) oder besonders effizienter Technik.
  • 30% Einkommens-Bonus: Für Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 40.000 Euro.

Die Boni sind kumulierbar, aber bei maximal 70% gedeckelt.

Als Alternative zum direkten KfW-Zuschuss gibt es den Steuerbonus nach § 35c EStG. Hier können Sie 20% der Kosten (maximal 40.000 Euro) über drei Jahre von Ihrer Steuerschuld abziehen. Der große Vorteil: Der Antrag erfolgt nachträglich mit der Steuererklärung, und es gibt keine Einkommensgrenze. Der Nachteil: Die Förderquote ist deutlich geringer, und Sie erhalten keinen Klimageschwindigkeits-Bonus. Die Entscheidung hängt von Ihrer persönlichen finanziellen und steuerlichen Situation ab. In den meisten Fällen ist der direkte KfW-Zuschuss jedoch die lukrativere Option.

Förderung KfW vs. Steuerbonus
Kriterium KfW-Förderung Steuerbonus
Maximale Förderung 70% (21.000€) 20% über 3 Jahre
Antrag VOR Beauftragung Nachträglich möglich
Einkommensgrenze 40.000€ für Bonus Keine
Klimabonus 20% bis 2028 Nicht verfügbar

Wie berechnen sich die wahren Betriebskosten einer Wärmepumpe im Vergleich zu Gas?

Nach der Investition sind die laufenden Betriebskosten entscheidend. Die Effizienz einer Wärmepumpe wird durch die Jahresarbeitszahl (JAZ) ausgedrückt. Eine JAZ von 4 bedeutet, dass die Pumpe aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärme erzeugt. Je höher die JAZ, desto niedriger die Stromkosten. In einem Altbau ist eine JAZ zwischen 2,5 und 3,5 ein realistischer Wert. Um die jährlichen Kosten zu vergleichen, benötigen Sie Ihren aktuellen Wärmebedarf (in kWh, siehe letzte Gasrechnung), den Gaspreis pro kWh und den Strompreis pro kWh.

Stellen wir eine Beispielrechnung auf: Ein Haus von 1970 hat einen Wärmebedarf von 20.000 kWh pro Jahr.

  • Gaskosten: Bei einem Gaspreis von 10 Cent/kWh betragen die jährlichen Heizkosten 2.000 € (20.000 kWh * 0,10 €/kWh).
  • Wärmepumpen-Stromkosten: Wir nehmen eine realistische JAZ von 3 an. Der Strombedarf ist also 20.000 kWh / 3 = 6.667 kWh. Mit einem speziellen Wärmepumpen-Stromtarif von 25 Cent/kWh ergeben sich jährliche Kosten von 1.667 € (6.667 kWh * 0,25 €/kWh).

In diesem realistischen Szenario ist die Wärmepumpe bereits im Betrieb günstiger. Hinzu kommt, dass die CO2-Steuer den Gaspreis in den nächsten Jahren weiter verteuern wird, während der Strompreis durch den Ausbau erneuerbarer Energien tendenziell stabiler bleiben oder sinken könnte. Die Wartungskosten für eine Wärmepumpe sind zudem meist geringer als bei einer Gastherme, da keine Abgasmessung durch den Schornsteinfeger nötig ist.

Die wahren Betriebskosten hängen also stark von der erreichten JAZ ab, die wiederum von der Vorlauftemperatur und der korrekten Dimensionierung der Anlage beeinflusst wird. Eine professionelle Planung ist daher unerlässlich, um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen.

Die 3 häufigsten Fehler bei der Wärmepumpen-Planung im Altbau und wie Sie sie vermeiden

Eine Wärmepumpe ist keine Heizung „von der Stange“. Gerade im Altbau hängt der Erfolg von einer sorgfältigen Planung ab. Um teure Enttäuschungen zu vermeiden, sollten Sie die typischen Fallstricke kennen. Als Energieberater sehe ich in der Praxis immer wieder dieselben Fehler, die die Effizienz zunichtemachen und zu hohen Stromrechnungen führen.

Fehler 1: Mangelhafte Heizlastberechnung. Viele Installateure schätzen die benötigte Leistung der Wärmepumpe nur über den Daumen. Eine zu klein dimensionierte Pumpe schafft es an kalten Tagen nicht, das Haus warm zu bekommen, und der teure Heizstab muss ständig aushelfen. Eine zu große Pumpe taktet zu oft (schaltet sich ständig an und aus), was zu hohem Verschleiß und Ineffizienz führt. Bestehen Sie immer auf einer detaillierten Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durch einen qualifizierten Planer oder Energieberater.

Fehler 2: Ignorieren des hydraulischen Abgleichs. Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper im Haus genau die richtige Menge an warmem Wasser erhält. Ohne diesen Abgleich werden Räume nahe der Heizung überhitzt, während weit entfernte Räume kalt bleiben. Die Folge: Man dreht die Vorlauftemperatur unnötig hoch, was die Effizienz der Wärmepumpe drastisch senkt. Diese Maßnahme ist relativ günstig, für die KfW-Förderung verpflichtend und einer der größten Hebel für Effizienz.

Fehler 3: Auswahl des falschen Fachbetriebs. Nicht jeder Heizungsbauer, der seit 30 Jahren Gasthermen installiert, ist automatisch ein Experte für Wärmepumpen. Die Technologie erfordert spezifisches Wissen über Kältekreisläufe, Elektrik und Regelungstechnik. Suchen Sie gezielt nach zertifizierten Fachbetrieben für Wärmepumpen, fragen Sie nach Referenzprojekten in ähnlichen Altbauten und holen Sie mehrere, detaillierte Angebote ein. Eine gute Planung im Vorfeld spart Ihnen über die nächsten 20 Jahre Tausende von Euro an Betriebskosten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein einfacher Selbsttest (der „55-Grad-Test“) gibt Ihnen eine verlässliche erste Einschätzung, ob Ihre Heizkörper für eine Wärmepumpe geeignet sind.
  • Moderne Wärmepumpen mit dem Kältemittel Propan (R290) erreichen hohe Vorlauftemperaturen und sind ideal für den Einsatz im Altbau.
  • Die staatliche Förderung von bis zu 70% ist ein entscheidender Faktor. Der Antrag bei der KfW muss zwingend vor der Beauftragung des Handwerkers erfolgen.

Mythos oder Wahrheit: Braucht mein Haus wirklich eine Komplettsanierung für die Wärmepumpe?

Wir kommen zur Kernfrage, die viele Hausbesitzer umtreibt: Ist die teure, energetische Komplettsanierung eine zwingende Voraussetzung für den Einbau einer Wärmepumpe? Die klare Antwort aus der Praxis lautet: Nein, in sehr vielen Fällen ist sie das nicht. Dieser weit verbreitete Mythos basiert auf den Erfahrungen mit veralteter Technik und führt zu unnötiger Investitionsangst.

Die vorherigen Abschnitte haben gezeigt, dass es intelligentere Hebel gibt als den sofortigen Griff zur Dämmplatte. Der erfolgreiche 55-Grad-Test beweist, dass Ihr bestehendes Heizsystem oft mehr Potenzial hat, als Sie dachten. Der Technologie-Sprung hin zu Propan-Wärmepumpen ermöglicht hohe Vorlauftemperaturen, die mit den meisten vorhandenen Heizkörpern kompatibel sind. Und selbst wenn eine Restunsicherheit bleibt, bietet die Hybridlösung eine sichere und schrittweise Übergangsoption.

Das Ziel sollte nicht sein, blind einen bestimmten Dämmstandard (z.B. KfW-Effizienzhaus) zu erreichen, sondern eine optimale System-Effizienz für Ihr individuelles Gebäude zu erzielen. Manchmal ist der Austausch von zwei alten Heizkörpern gegen größere Modelle für 800 Euro der weitaus wirtschaftlichere Weg als eine Fassadendämmung für 30.000 Euro. Jede Sanierungsmaßnahme muss für sich betrachtet und auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden. Oft ist es sinnvoller, mit dem Heizungstausch zu beginnen und die gewonnene Praxiserfahrung zu nutzen, um in den Folgejahren gezielte und wirklich notwendige Dämmmaßnahmen anzugehen – finanziert durch die Einsparungen bei den Heizkosten.

Lösen Sie sich von dem Gedanken, dass nur ein perfekt gedämmtes Haus „wärmepumpenfähig“ ist. Ein gut geplantes System in einem „normalen“ Haus aus den 70er oder 80er Jahren kann heute effizienter und wirtschaftlicher laufen als eine schlecht geplante Anlage in einem Neubau.

Der nächste logische Schritt ist nicht, einen Bagger zu bestellen, sondern eine fundierte, individuelle Analyse. Sprechen Sie mit einem zertifizierten Energieberater, um eine Heizlastberechnung für Ihr Haus durchführen zu lassen und die für Sie passende Förder-Strategie zu entwickeln.

Häufig gestellte Fragen zur Wärmepumpe im Altbau

Was tun, wenn die TA Lärm-Grenzwerte nachts überschritten werden?

Wählen Sie besonders leise Geräte mit ‚Blauer Engel‘-Siegel und platzieren Sie die Außeneinheit klug (weg von Schlafzimmerfenstern, nicht in schallreflektierenden Ecken).

Gilt nur der Grenzabstand oder auch die Lärmgrenzwerte?

Beide müssen eingehalten werden! Der reine Grenzabstand reicht nicht aus, wenn die Lärmgrenzwerte am Ohr des Nachbarn überschritten werden.

Welche Lösung bei Reihenmittelhäusern mit wenig Platz?

Eine Split-Wärmepumpe kann eine Option sein, da die Komponenten getrennt aufgestellt werden können.

Geschrieben von Markus Weber, Zertifizierter Gebäudeenergieberater (HWK) und Bauingenieur, spezialisiert auf energetische Sanierung im Bestand und nachhaltige Baustoffe. Seit 16 Jahren Experte für GEG-konformes Bauen und Fördermittelmanagement.